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Pflege beginnt oft nicht mit einem einzigen einschneidenden Moment, sondern schleicht sich langsam in den Alltag. Da ist plötzlich ein zusätzlicher Anruf, ein Arzttermin am Vormittag, wachsende Sorgen um die Mutter, den Vater oder den Partner – und gleichzeitig läuft das eigene Berufsleben ganz normal weiter. Genau in solchen Situationen wird spürbar, wie anspruchsvoll es sein kann, Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren.
In Österreich setzt hier die Arbeit der Familie & Beruf Management GmbH an. Sie unterstützt mit Informationen, Vernetzung, Zertifizierungen und nun auch mit einem neuen Praxisleitfaden, der Unternehmen ebenso wie Betroffenen Orientierung geben soll. Entstanden ist die gemeinnützige Organisation 2006 im Rahmen eines EU-Projekts während des International Year of the Family unter österreichischer Ratspräsidentschaft. Ihr Ziel ist es, Vereinbarkeitsmaßnahmen in Österreich zu bündeln und Unternehmen, Institutionen sowie Gemeinden in ein Netzwerk einzubinden, das Familienfreundlichkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärkt. Wichtige Instrumente dabei sind die Zertifizierung berufundfamilie und das Netzwerk Unternehmen für Familien.
Der neue Leitfaden zeigt nun sehr konkret, mit welchen Ideen und Maßnahmen auf das Thema Pflege reagiert werden kann. Er richtet sich an Arbeitgeber, pflegende Angehörige und an alle, die Pflegesituationen besser verstehen und Menschen in dieser Phase gut begleiten möchten.
Warum Pflege und Beruf ein so großes Thema geworden sind
In Österreich und Deutschland wird ein Großteil der Pflege noch immer von Angehörigen übernommen. Besonders oft trifft es Menschen in der sogenannten Sandwich-Generation: Sie stehen mitten im Berufsleben, kümmern sich gleichzeitig um ihre Kinder und tragen zusätzlich Verantwortung für ältere Eltern oder nahestehende Personen.
Was das im Alltag bedeutet, wird oft erst sichtbar, wenn die Belastung bereits sehr hoch ist: zu wenig Erholung, ständige Müdigkeit, Sorgen im Hintergrund, organisatorischer Druck und das Gefühl, allem gleichzeitig gerecht werden zu müssen. Nicht selten hat das Auswirkungen auf Konzentration, Gesundheit und berufliche Stabilität – im schlimmsten Fall bis hin zum Rückzug aus dem Erwerbsleben. Mit allen Auswirkungen auf Altersarmut und Fachkrfätemangel.
Gerade deshalb sollten pflegende Angehörige im Beruf nicht länger als Ausnahmefall betrachtet werden. Für Unternehmen ist das nicht nur eine Frage der sozialen Verantwortung, sondern auch ein Thema, das eng mit Mitarbeiterbindung, Unternehmenskultur und Fachkräftesicherung verbunden ist.
Der neue Leitfaden ist hier eine hilfreiche Unterstützung, weil er nicht abstrakt bleibt, sondern konkrete Anregungen für die Praxis liefert. Er zeigt, welche Maßnahmen im Unternehmensalltag helfen können – von flexiblen Arbeitszeitmodellen über Information und Sensibilisierung bis hin zu internen Anlaufstellen, einer unterstützenden Führungskultur und einer offenen Kommunikation. Denn Vereinbarkeit entsteht selten durch eine einzelne Maßnahme, sondern dort, wo Haltung, Information und flexible Lösungen zusammenspielen.
Dass dieser Leitfaden gerade jetzt erscheint, ist wichtig. Für viele Menschen gehört die Herausforderung, Pflege und Beruf zu vereinbaren, längst zum Alltag – auch wenn darüber in vielen Betrieben noch zu wenig gesprochen wird. Umso wertvoller sind Angebote, die das Thema sichtbar machen und Betroffenen im Arbeitsleben ganz konkret den Rücken stärken.
Hier geht’s zum Leitfaden: https://www.unternehmen-fuer-familien.at/uploads/knowledgebase/pflegeleitfaden/Pflegeleitfaden.pdf
Hier geht’s zur Homepage: https://www.familieundberuf.at
Author: Anja Herberth
Chefredakteurin














