Demenz wird in Städten und Gemeinden zunehmend zur Alltagsrealität – nicht nur als Pflegethema, sondern mitten im öffentlichen Leben. Viele Menschen leben lange mit einer Demenzerkrankung zu Hause und bewegen sich weiterhin im Grätzl: Beim Einkaufen, im Café oder bei Veranstaltungen. Gleichzeitig verändert sich vieles: Orientierung fällt schwerer, Gespräche werden anstrengender, die Belastbarkeit sinkt. Und auch pflegende und unterstützende Angehörige tragen oft mehr, als man von außen sieht.
Damit rücken zentrale Frage in den Vordergrund: Und zwar nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch die Teilhabe, Orientierung und ein Umfeld, das nicht stigmatisiert, sondern unterstützt. Das Beispiel Brugge zeigt, wie ein demenzfreundlicher Ansatz gelingen kann: Weg von der Defizitlogik, hin zu Lebensqualität, Respekt und Sichtbarkeit – damit Menschen mit Demenz weiterhin dazugehören können.
Entscheidend ist dabei das kommunale Netzwerk. Demenzfreundlichkeit entsteht nicht in einer einzelnen Einrichtung, sondern dort, wo Stadtgesellschaft tatsächlich stattfindet: In Gastronomie, Kultur, Sport, im Bauamt, im Bürgerservice und bei sozialen Trägern. Schon kleine Anpassungen in Sprache, Abläufen und Gestaltung können viel bewirken. Ziel ist es, demenzfreundliche Angebote Schritt für Schritt weiterzuentwickeln, Mitarbeitende und Ehrenamtliche zu stärken und gemeinsam mit PartnerInnen ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen mit Demenz sichtbar willkommen sind und sicher teilhaben können.
Genau hier setzt auch der Leitfaden „Demenz in der Stadtteilarbeit“ an: Er unterstützt Kommunen dabei, Menschen mit Demenz sowie ihre An- und Zugehörigen besser zu erreichen, sicher zu begleiten und aktiv einzubinden – ohne neue große Strukturen, sondern mit dem, was bereits da ist. Im Mittelpunkt steht nicht das, was „nicht mehr geht“, sondern die Frage: Was brauchen Menschen, damit sie weiterhin dazugehören können? Oft sind es praktische, kleine Veränderungen, die Begegnungen erleichtern, Berührungsängste abbauen und soziale Isolation verhindern.
Schritt für Schritt können so demenzfreundliche Angebote entstehen – alltagsnah, menschlich und wirksam. Der Leitfaden entstand im Rahmen des Projektes „Vergissdeinnicht Netzwerk Demenzhilfe“ und ist kostenfrei hier downloadbar.
Author: Anja Herberth
Chefredakteurin












