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Es sind oft nicht die großen Barrieren, die den Alltag plötzlich schwierig machen. Manchmal reicht schon eine einzelne Schwelle zur Terrasse, eine kleine Stufe vor dem Haus oder ein Absatz beim Balkon, damit ein Weg nicht mehr so selbstverständlich möglich ist. Für Menschen, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, kann genau das darüber entscheiden, ob sie noch selbstständig aktiv bleiben können – oder auf Hilfe angewiesen sind.
Gerade jetzt im Frühling wird das wieder besonders sichtbar: Wenn es draußen wärmer wird, wächst bei vielen der Wunsch, wieder öfter ins Freie zu kommen. In den Garten, auf die Terrasse oder zumindest vors Haus – genau in solchen Momenten zeigt sich oft sehr konkret, wo das Zuhause nicht mehr mit dem Alltag mitgeht.
Wir haben mit Raphael Zeller von ALTEC darüber gesprochen, worauf es bei Rampenlösungen wirklich ankommt, warum die oft genannten 6 Prozent Steigung in der Praxis nicht immer realistisch sind – und weshalb gute Beratung in diesem Bereich fast genauso wichtig ist wie das Produkt selbst. Denn eine Rampe ist nie einfach nur ein Stück Aluminium: Sie ist im besten Fall ein Stück Alltag, das wieder möglich wird. Und manchmal auch der kleine Unterschied zwischen Rückzug oder wieder am Leben draußen teilhaben können.
SBC: Herr Zeller, im Frühling wird oft besonders deutlich, wo im Alltag eine Rampe fehlt, oder?
Zeller: Das merken wir tatsächlich sehr deutlich. In den mittleren Quartalen – also Frühling bis Herbst – steigt die Nachfrage bei uns spürbar. Wenn draußen wieder die Vögel pfeifen, dann möchten viele Menschen oder ihre unterstützenden Angehörigen auch wieder leichter in den Garten, auf die Terrasse oder überhaupt vor die Tür. Im Winter stellt sich diese Frage oft weniger akut, weil man bei Schnee und Kälte ohnehin nicht so schnell hinaus möchte. Aber im Frühling wird dann plötzlich sehr klar, was im Alltag nicht funktioniert – und dass schon eine kleine Schwelle oder ein paar Stufen ein echtes Hindernis sein können.
SBC: Worauf kommt es als Erstes an, wenn jemand nach einer passenden Rampe sucht?
Zeller: Für mich beginnt alles mit einer ganz einfachen Frage: Welche Höhe muss überhaupt überwunden werden? Ob es um eine Stufe vor dem Haus geht, um mehrere Stufen zur Terrasse oder nur um die Höhe einer Balkonschwelle – diese Höhe ist die Grundlage für alles Weitere. Von dort leite ich die nötige Länge und die sinnvolle Steigung ab. Viele denken zuerst an das Produkt, aber eigentlich muss man zuerst die konkrete Situation verstehen.
SBC: Viele lesen bei ihrer Recherche schnell von 6 Prozent Steigung. Was bedeutet das in der Praxis?
Zeller: Diese 6 Prozent sind ein wichtiger Richtwert, aber man muss wissen, woher sie kommen. In Deutschland gibt es die DIN 18040 für den öffentlichen Bereich. Dort ist festgelegt, wie eine Rollstuhlrampe gestaltet sein soll. Diese 6 Prozent sind deshalb so zentral, weil das ein Wert ist, den ein Rollstuhlfahrer in der Regel selbst noch bewältigen kann. Das ist also ein sinnvoller Maßstab – aber eben nicht automatisch für jede private Situation realistisch. Im privaten Bereich fehlt oft einfach der Platz. Schon bei zwei Stufen wird eine Rampe mit 6 Prozent schnell mehrere Meter lang. Und diesen Raum hat man vor einem Haus, auf einer Terrasse oder bei einem Balkon oft gar nicht.
SBC: Heißt das, dass man im privaten Bereich oft pragmatischer denken muss?
Zeller: Ja, genau. Ich sage immer: Sechs Prozent sind ein hehres Ziel. Aber in der Praxis muss man schauen, was vor Ort überhaupt machbar ist. Wenn ich den Platz für eine so lange Rampe nicht habe, dann muss ich überlegen, welche Steigung noch sinnvoll und sicher nutzbar ist. Im privaten Bereich arbeiten wir deshalb oft mit anderen Werten.
Aber irgendwann wird es steil, unangenehm und technisch auch begrenzt. Deshalb geht es immer darum, eine Lösung zu finden, die im Alltag wirklich funktioniert – nicht nur auf dem Papier.
SBC: Welche Unterschiede gibt es zwischen Rollstuhl, Elektrorollstuhl und Rollator?
Zeller: Da gibt es schon klare Unterschiede. Wenn jemand den Rollstuhl selbst fährt, dann bewegen wir uns eher in einem Bereich von 6 bis 10 Prozent, je nachdem, wie geübt die Person ist. Bei einem geschobenen Rollstuhl kann man in vielen Fällen auch bis etwa 15 Prozent gehen. Wenn ein Elektrorollstuhl genutzt wird, können manchmal auch 18 bis 20 Prozent möglich sein – wobei man da sagen muss: Das ist dann schon ziemlich steil.
Nicht jeder Rollstuhl kann das technisch, und angenehm ist es für die Person meistens auch nicht mehr. Beim Rollator kann man sich ungefähr in einem ähnlichen Bereich bewegen wie beim geschobenen Rollstuhl. Aber auch hier gilt: Die konkrete Person, die Länge der Rampe und die Unterstützung durch eine zweite Person machen einen großen Unterschied.
SBC: Das heißt: Nicht nur die Steigung zählt, sondern auch die Länge?
Zeller: Ganz genau. Dieselbe Steigung fühlt sich je nach Länge völlig anders an. Eine kurze Rampe mit spürbarer Steigung kann im Alltag noch gut machbar sein. Wenn dieselbe Steigung aber über sechs Meter geht, merkt man das sehr schnell. Deshalb reicht es nicht, nur auf Prozentwerte zu schauen. Ich muss immer auch wissen: Wie lang ist die Rampe? Wer nutzt sie? Wie oft wird sie genutzt? Und ist jemand dabei, der unterstützen kann? Erst dann wird aus einem Richtwert eine alltagstaugliche Lösung.
SBC: Wann reicht eine Rampe aus – und wann braucht es eher einen Lift?
Zeller: Ich sage das gern so: Wir hören auf, wo der Lift anfängt – und der Lift fängt an, wo wir aufhören. Kleine Höhenunterschiede, Schwellen oder wenige Stufen lassen sich oft gut mit Rampen lösen. Aber wenn ich irgendwann bei einer Rampenlänge lande, die niemand mehr vernünftig unterbringt, dann ist eine Rampe einfach nicht mehr das richtige Mittel. Dann kommt man mit einer Liftlösung weiter.
Lifte sind aus meiner Sicht keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung. Niemand baut für zwei Stufen einen Lift. Aber wenn es sieben Stufen sind und ich dafür eine zwölf Meter lange Rampe bräuchte, dann muss man ehrlich sagen: Das funktioniert dann nicht mehr sinnvoll.
SBC: Was heißt das für Wohnungen und Bestandsbauten?
Zeller: Dass man sehr genau hinschauen muss. In einem Einfamilienhaus mit Platz davor lässt sich oft mehr machen als in einer Wohnung, auf einem schmalen Balkon oder in einem Altbau mit engen Verhältnissen. Wenn nach zwei Stufen gleich eine Ecke kommt oder der Balkon nur einen Meter tief ist, dann verändert das alles. Deshalb helfen pauschale Aussagen hier wenig. Es geht immer um die konkrete Situation. Genau deshalb sind Fotos und Maße so wichtig.
SBC: Es gibt eine Vielzahl an Rampenlösungen. Worauf muss ich bei der Bestellung achten?
Zeller: Wir haben tatsächlich eine ganze Reihe unterschiedlicher Lösungen, weil die Alltagssituationen sehr verschieden sind. Viele denken zuerst an eine größere Rampe im Eingangsbereich. In der Praxis sind es aber oft die kleinen Barrieren, die den Alltag erschweren: Eine Terrassenschwelle, ein Absatz beim Balkon oder eine einzelne Stufe, die plötzlich nicht mehr so leicht zu bewältigen ist. Gerade für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl können solche Übergänge sehr entscheidend sein. Deshalb ist es wichtig, dass es unterschiedliche Produkte für unterschiedliche Situationen gibt.
Wir haben eine Auswahl an Produkten für ganz unterschiedliche Höhen, Übergänge und Platzverhältnisse. Das beginnt bei kleinen Lösungen für Schwellen, Balkontüren oder Terrassenausgänge und reicht bis zu längeren Rampen für mehrere Stufen oder komplexere Situationen im Außenbereich. Dazu kommen mobile, klappbare oder festere Varianten – je nachdem, was vor Ort gebraucht wird.
SBC: Die Produktpalette ist breit, aber die richtige Auswahl ist immer individuell.
Zeller: Am Ende nicht auf das einzelne Produkt, sondern auf die Frage, was im konkreten Alltag wirklich gebraucht wird. Wir gehen immer von der Situation aus: Wie hoch ist die Schwelle? Wie viel Platz ist da? Wer nutzt die Rampe? Wird sie nur gelegentlich gebraucht oder jeden Tag? Bei Türen kann es ja wichtig sein, die Rampe schnell wieder entfernen zu können – etwa wenn ich die Tür wieder schließen möchte. Hier sollte die Rampe also nicht zu schwer zu entfernen sein und sich auch gut verstauen lassen. Manchmal macht es auch Sinn, eine Rampe eine ganze Gartensaison vor Ort zu belassen.
Aus der jeweiligen Situation ergibt sich, welche Lösung sinnvoll ist. Die Breite des Sortiments hilft also vor allem deshalb, weil sich der Bedarf eben nicht in ein einziges Schema pressen lässt.
SBC: Wie geht eine Bestellung für PrivatkundInnen über die Bühne?
Zeller: Für PrivatkundInnen läuft eine Bestellung in der Regel über strukturierte Anfragebögen. Dort werden die wichtigsten Angaben eingetragen, etwa Länge, Breite, Höhe beziehungsweise die Anzahl der Stufen oder die konkrete Einbausituation. Auf dieser Basis kann geprüft werden, welche Lösung passt – ob ein Standardprodukt ausreicht oder ob eine individuell angepasste Variante sinnvoller ist.
Wenn Angaben fehlen oder etwas unklar ist, wird in der Regel nachgefragt oder telefonisch besprochen. Und wenn sich aus den Maßen ergibt, dass eine gewünschte Lösung im Alltag zu steil oder unpraktisch wäre, wird auch darauf hingewiesen und eine passendere Alternative vorgeschlagen.
SBC: Was sollte man vor einer Bestellung unbedingt vorbereiten?
Zeller: Am besten so viele Informationen wie möglich. Fotos helfen sehr, genaue Maßangaben natürlich auch. Wie hoch ist die Schwelle? Wie viel Platz ist da? Wie sieht die Fläche davor aus? Wird die Rampe mit Rollator, Rollstuhl oder Elektrorollstuhl genutzt? Gibt es eine Begleitperson? Mit solchen Informationen kann man viele Situationen schon gut einschätzen. Und wenn wir merken, dass uns noch etwas fehlt, dann fragen wir nach. Insbesondere bei einer individuellen Anfertigung ist es wichtig, dass die Angaben genau sind, da die Lösung für Sie konkret angefertigt wird. Wir haben ja nichts davon, wenn es am Ende nicht funktioniert. Und wenn etwas gar nicht machbar ist, dann sagen wir das auch ehrlich.
SBC: Das heißt also: Unbedingt beraten lassen.
Zeller: Ich würde sagen: Produktauswahl und Beratung gehören hier eng zusammen. Eine Rampe sucht man nicht einfach aus einem Katalogbild aus. Dafür sind die Situationen viel zu unterschiedlich. Gute Beratung bedeutet für mich, gemeinsam zu schauen: Was ist vor Ort? Was ist realistisch? Was ist sicher? Und was ist im Alltag tatsächlich brauchbar? Es geht ja nicht darum, eine theoretische Lösung zu finden, sondern eine, die den Alltag wirklich erleichtert. Und hinter den Anfragen an uns steckt oft viel Druck. Da ist eine Schwelle nicht nur ein Detail, sondern ein echtes Problem.
SBC: Gibt es Förderungen für Ihre Produkte?
Zeller: Ja, in Deutschland gibt es für solche Anpassungen durchaus Fördermöglichkeiten. Bei einzelnen Hilfsmitteln kann – je nach Situation – die Krankenkasse zuständig sein, wenn ein entsprechender Bedarf festgestellt und die Versorgung bewilligt wird. Daneben spielt vor allem die Pflegekasse eine wichtige Rolle: Für sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen können bei vorhandenem Pflegegrad Zuschüsse beantragt werden, derzeit in einer Größenordnung von rund 4.000 Euro pro Person.
Wichtig: Diese Fördermöglichkeiten beziehen sich auf Deutschland. In Österreich gibt es ebenfalls Unterstützungen, sie sind jedoch regional unterschiedlich geregelt. In Wien etwa gibt es aktuell Förderungen für den altersgerechten Umbau. Es lohnt sich daher, gezielt im eigenen Bundesland nachzusehen, welche Programme und Voraussetzungen dort gelten.
SBC: Was möchten Sie Betroffenen und Angehörigen mitgeben, die gerade beginnen, nach einer Lösung zu suchen?
Zeller: Ich würde sagen: Schauen Sie zuerst genau auf die Situation und bestellen Sie nicht vorschnell irgendetwas. Messen Sie nach, machen Sie Fotos, holen Sie sich Beratung. Es geht nicht darum, möglichst schnell irgendeine Rampe oder ein anderes Tool zu kaufen, sondern die richtige Lösung für den konkreten Alltag zu finden.
Und manchmal ist das eben eine Rampe, manchmal eine andere Konstruktion und manchmal muss man auch ehrlich sagen: Hier braucht es eher einen Lift oder eine ganz andere Lösung. Entscheidend ist, dass es am Ende funktioniert – und nicht nur gut aussieht.
Herzlichen Dank für das Interview!
Sie wollen mehr wissen zu den Rampen-Lösungen? Hier geht’s entlang zu ALTEC: altec.de.
Hinweis: Das Unternehmen liefert im gesamten DACH-Raum und verfügt über Partner in D, AUT und CH. Je nachdem, in welcher Region Sie zu Hause sind, können daher die Bestell- und Liefermodalitäten variieren.
Author: Anja Herberth
Chefredakteurin














