Laufen: Von Gmunden in die Welt hinaus

Vier Jahrzehnte lang wurde der Keramik-Brennofen von Laufen mit Gas befeuert. Damit ist nun Schluss: Nach vier Jahren Pilot-Entwicklung wird die Gmundener Produktionsstätte auf einen elektrischen Tunnelofen umgestellt.

Selten war eine Presseveranstaltung so gut besucht – von ausländischen JournalistInnen: Dass der CEO des spanischen Familienkonzerns ROCA, Eigentümer des Traditionsunternehmens Laufen, persönlich eine Pressekonferenz hält, ist ein sehr rares Ereignis. Die spanischen Medien eilten daher ins kleine oberösterreichische Gmunden, denn Alberto Magrans, seit 2019 CEO des internationalen Sanitär-Konzerns, stellte eine Weltneuheit vor: Einen elektrischen Brennofen, der in Zusammenarbeit mit dem deutschen Ofenhersteller Keramische Ofenbau neu entwickelt wurde.

Energiewende & Nachhaltigkeit

Er ist das Herzstück eines langfristigen Nachhaltigkeits-Programms des Konzerns, das von Gmunden aus weltweit ausgerollt wird. Initiator und Treiber des Projektes E-Brennofen ist der Techn. Rat Alfred Mittermair, Director of Research and Innovations für die gesamte LAUFEN Gruppe. Seinem Engagement und Know-how und dem des Teams in Gmunden ist es zu verdanken, dass der E-Tunnelofen in Österreich entwickelt wurde. Es ist daher kein Zufall, dass der neue Tunnelofen “Alfred” getauft wurde.

Etwas später kamen noch weitere Treiber hinzu – und zwar die Vorgaben der EU: Bis 2030 will die Europäische Union die Netto-Treibhausgasemissionen um mindestens 55% gegenüber dem Stand von 1990 senken (“Fit for 55”-Paket). Ziel war daher die Umstellung der sehr energie- und kohlenstoffintensiven Produktion auf nachhaltige Energiequellen. Etwa die Hälfte des Energieverbrauchs in der Produktion wird beim Brennen verbraucht. Will man die Produktion also dekarbonisieren – vom Erdgas unabhängig machen – so geht dies nur über den Ersatz des Brennofens. 

Der neue E-Tunnelofen "Alfred" / Credits: Laufen
Vier Jahre wurde der neue E-Tunnelofen entwickelt / Credits: Laufen
Die Entwicklung des elektrischen Tunnelofens gilt als Beleg, dass eine zukunftssichere und wirtschaftliche Produktion abseits der Gasbefeuerung möglich ist. Credits: Laufen
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In die Entwicklung wurden vier Jahre und 10 Millionen EUR investiert, das oberösterreichische Pilotprojekt soll in weiterer Folge Schule machen: Zuerst werden 5 europäische Roca-Werke umgestellt, dann soll die neue Produktionstechnologie weltweit ausgerollt werden.

Die Umstellung der energie- und CO2-intensiven Produktion sei, so Magrans, aber nicht nur ein großer Schritt für die eigene, sondern auch “ein klarer Schritt nach vorn für die gesamte Branche.” Denn vor der Herausforderung Dekarbonisation steht die gesamte Keramik-Branche – also etwa auch die Produktion von Tafelgeschirr oder technischer Keramiklösungen. Die Entwicklung des elektrischen Tunnelofens gilt als Beleg, dass eine zukunftssichere und wirtschaftliche Produktion abseits der Gasbefeuerung möglich ist. 

“Man kann nicht gegen die Physik ankämpfen” 

Der Abbau des alten Ofens ist im Unternehmen mit viel Emotion verbunden, wie Christian Schäfer, Vorstand der Laufen Austria AG erklärt: Seit vier Jahrzehnten war der Gas-Brennofen ein essentielles Element der Produktion. Viele der MitarbeiterInnen sind seit mehreren Generationen in der Keramikproduktion von Laufen tätig. Dieses enorme Know-how ist auch der Grund, warum das Pilotprojekt in Gmunden gestartet wurde.

Denn die Umstellung bedeutet nicht einfach den Ersatz der Befeuerung, sondern den Umbau des gesamten Brenn-Prozesses. In der Keramik-Herstellung werden die Formen aus natürlichen Zutaten wie Feldspat, Ton und Sand unter Zugabe von Wasser geformt, bei höherer Raumtemperatur langsam getrocknet und anschließend durch einen Brennprozess ausgehärtet. Was sich einfach anhört, ist eine eigene Wissenschaft, erklärt Vorstand Schäfer: “Die Umgebungstemperatur und Feuchtigkeit in der Luft bestimmen die Rezeptur. Diese ist im Frühling anders als im Winter oder Sommer.” Um diese Rezepturen permanent anzupassen, braucht es das Know-how und die Erfahrung der langjährigen MitarbeiterInnen.  

Viele der MitarbeiterInnen sind seit mehreren Generationen in der Keramikproduktion tätig. Credits: Laufen
Credits: Laufen
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In der Keramik-Herstellung werden die Formen aus natürlichen Zutaten wie Feldspat, Ton und Sand unter Zugabe von Wasser geformt, bei höherer Raumtemperatur langsam getrocknet und anschließend durch einen Brennprozess ausgehärtet. Credits: Laufen
Die Umgebungstemperatur und Feuchtigkeit in der Luft bestimmen die Rezeptur. Diese ist im Frühling anders als im Winter oder Sommer. Credits: Laufen
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Langfristiges Ziel: Dekarbonisation

Im Vergleich zum Basisjahr 2018 konnte die Roca-Gruppe bis 2022 bereits 39 Prozent der CO2-Emissionen reduzieren. Ab 2045 will man bereits CO2-neutral produzieren, so Roca-CEO Alberto Magrans: “Wir haben das langfristige Ziel, unsere Produktion zu dekarbonisieren”, und man habe hart daran gearbeitet, Lösungen zu finden. Innerhalb der Roca-Gruppe ist dieses Ziel der Treiber einer Vielzahl an Veränderungen in der Produktion. So wird die Hitze des Tunnelofens durch einen Wärmetauscher in anderen Bereichen der Produktion wiederverwertet. Die Materialien und Rohstoffe werden einem Kreislauf zugeführt: “Alles wird gesammelt, nichts wird verschwendet.” Der neue Tunnelofen kann auch an den Wochenenden abgeschalten werden – dies war beim gasbefeuerten Tunnelofen nicht möglich.

Die hauseigene Photovoltaik-Anlage (1 MWp – also 1 Megawattpeak) der Gmundener Produktion kann an guten Sonnentagen die gesamte Brennanlage mit Energie versorgen. Im Schnitt etwa 40% des Energieverbrauchs wird mit dieser PV-Anlage selbst produziert, der Rest kommt aus dem Netz: Da die Anlage an Werktagen 24 Stunden in Betrieb ist – also auch an sonnenarmen Tagen und in der Nacht – versorgen sogenannte Power Purchase Agreements (PPA) die Anlage mit erneuerbarer Energie. Diese PPAs werden mit Photovoltaik-Parks abgeschlossen, um die Produktion mit erneuerbarer Energie zu garantieren.

Neuentwicklung für Markt offen

Detail am Rande: Von der Entwicklung des elektrischen Brennofens mit dem deutschen Mittelstandsunternehmen Keramische Ofenbau sollen auch andere Player am Markt profitieren. Die Anmeldung beim Europäischen Patentamt läuft aktuell, die Lösung soll auch für die Konkurrenz bzw. andere Keramikhersteller eine Lösung darstellen – wenngleich die Roca Gruppe zu 2/3 am Ofenbauer beteiligt ist. Eine derartig aufwendige Neu-Entwicklung im Alleingang – also ohne Rückendeckung eines großen Unternehmens – wäre für ein KMU ein zu hohes Risiko: Wäre die Entwicklung fehlgeschlagen, hätte dies den Bankrott bedeutet. 

Über Laufen & die Roca Gruppe
Die Roca-Gruppe mit Marken wie Roca und Laufen ist weltweit führend in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Badprodukten für Architektur, Bauwesen und Innenarchitektur. Das Familienunternehmen Roca wurde 1917 in Barcelona gegründet, der Laufen-Standort in Gmunden feiert im Jahr 2024 das 100jährige Bestehen. Der weltumspannende Konzern ist in 170 Ländern mit insgesamt 79 Fabriken und 21.000 MitarbeiterInnen aktiv. Mehr unter laufen.co.at und rocagroup.com.

Anja Herberth
Author: Anja Herberth

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Verfasst von Anja Herberth