Smarte Gebäudetechnologien

Welche Auswirkungen hat der FacharbeiterInnen-Mangel in der Technik und welche Skills fehlen denn am Arbeitsmarkt? Welche Fähigkeiten werden hinkünftig gefragt sein? Insgesamt 35 Führungskräfte des Gebäudesektors stellten sich meinen Fragen., dabei im Fokus: Die Wertschöpfungskette smarter Gebäudetechnologien.

Das Ergebnis ist eine Landkarte der aktuellen Herausforderungen, aber auch der Learnings aus der Pandemie, die wichtige Treiber für die Widerstandsfähigkeit und Krisenfestigkeit darstellen. Sie zeigt aber auch die Handlungsfelder und möglichen Folgen auf, wenn keine Maßnahmen getroffen werden. 

Ebenso finden Sie darin Lösungsansätze – entweder aus den Interviews analysiert, oder aus weiteren Studien und Erhebungen. Die Quellen dazu finden Sie im Anhang.

Herzlichst,
Ihre Anja Herberth

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Die Art und Weise, wie wir Bauen und Sanieren, ändert sich. Zu den Einflüssen zählen die (kommenden) Klimavorschriften, die 5G Kommunikationstechnologien, die Digitalisierung und Automatisierung der Arbeitsprozesse und die technologische Entwicklung. Credits: Shutterstock

ENERGIEWENDE & DEKARBONISIERUNG: CHANCE & HERAUSFORDERUNG

Die Zukunftsthemen Dekarbonisierung, Energiewende und Klimawandel sowie die Digitalisierung unserer Gesellschaft sind Hoffnungsträger und Herausforderung zugleich: Sie bedeuten eine grundlegende Transformation der Sektoren, da sich die Art und Weise, wie wir Bauen und Sanieren, komplett verändert.

Zu den Einflüssen gehören die kommenden Klimavorschriften und die 5G Kommunikationstechnologien, die grundlegende Digitalisierung der gesamten Arbeitsprozesse sowie die technologische Entwicklung.
Ein Beispiel: Die Energieproduktion war früher in der Hand einiger weniger Unternehmen, die Energiewende stellt die Demokratisierung der Energiewelt dar. Unternehmen und EndkonsumentInnen werden heute zu ‚ProsumentInnen‘: Sie nutzen die selbst produzierte Energie zu einem möglichst hohen Anteil selbst, speisen in einen Speicher oder in das Netz ein.

Angesichts der Veränderungen ist die Entwicklung neuer Businessmodelle notwendig: Die fortschreitende Vernetzung der Fachgebiete verändert die Art und Weise, wie gearbeitet wird. Die Zukunft gehört damit der Kollaboration: In einem vernetzen Gebäude ist es wesentlich, mit den beteiligten Sektoren gemeinsame Lösungen mit maximaler Tragkraft zu entwickeln. Es gilt, dafür die richtigen fachübergreifenden Teams und Kooperationen zu bilden. 

Neue Wege gehen: Angesichts der Veränderungen ist die Entwicklung neuer Businessmodelle notwendig. Die fortschreitende Vernetzung der Fachgebiete verändert die Art und Weise, wie gearbeitet wird. Credits: Shutterstock

ESSENTIELLE NEUE SKILLS

In einem vernetzten Gebäude bauen die unterschiedlichsten Sektoren und Gewerke miteinander Lösungen auf. Gesucht werden „Weltenwandler“, die diese unterschiedlichen Gewerke und Sektoren miteinander vernetzen.Ebenso geht der Trend von Standardlösungen hin zu einem Kundenmarkt und damit zu individuellen Lösungen. 

Dadurch rücken die Softskills verstärkt in den Fokus. Dazu gehören die emotionale Intelligenz, das Selbstreflexionsvermögen und die Kooperationsfähigkeit. Es reicht auch nicht mehr, das Unternehmen, die Produkte und Prozesse zu verstehen: Es braucht jetzt MitarbeiterInnen, die KundInnen verstehen und in ihrer Sprache sprechen. 

Diese „Weltenwandler“ werden heute weder ausgebildet, noch sind sie definiert. Ebenfalls noch nicht geklärt ist die Schnittstellenübergabe und welches Gewerk wofür verantwortlich zeichnet – etwa in einem Gewährleistungsfall. Das Resümee mehrerer InterviewpartnerInnen angesichts der Herausforderungen: „Die Zeit läuft uns davon.“

Grundsätzlich verschieben sich auf Grund der höheren Komplexität der Systeme die Qualifikationen um jeweils eine Stufe nach oben. Der Bedarf an ungelernten MitarbeiterInnen wird dadurch kleiner.

Angesichts des Fachkräftemangels wird es immer essentieller, neue Zielgruppen anzusprechen. Bedeutet: Eine Riesenchance für Frauen, die immer noch in lediglich 5 Sektoren aktiv sind - Reinigung, Gesundheit, Büro, Verkauf und Erziehung. MINT-Fächer bieten die Chance auf mehr Gehalt und Unabhängigkeit von Staat und Familie. Credits: Shutterstock

‘NEW WORK’, DIVERSITÄT & REQUALIFIZIERUNG

In den Unternehmen prallen die Kulturen aneinander: Auf der einen Seite die „alte“ Mannschaft, auf der anderen Seite die junge Generation, die „new work“ verlangt. Die Arbeitswelt von heute spricht junge Menschen immer weniger an. Die Unternehmen sind gefordert, attraktiv zu werden für eine junge Generation, die völlig anders tickt.

Ebenso rächt sich nun, dass wir viel zu wenig technikaffin sind: Während unser Leben von technologischen Innovationen geprägt ist, mangelt es an qualifiziertem Personal und Nachwuchs. Eine große Herausforderung, aber auch Chance, um dem FacharbeiterInnenmangel entgegenzuwirken, ist die Diversität und Requalifizierung. Bedeutet: Unternehmen können das heimische Arbeitsmarktpotential besser nutzen, wenn sie sich in ihrer Gesamtheit divers und für neue Zielgruppen durchlässig aufstellen, die bis dato nicht am „Personalradar“ waren. Sie sind dadurch in der Lage, einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz aufzubauen.

Dazu gehört die Zielgruppe der Frauen, der älteren ArbeitnehmerInnen oder auch der arbeitsuchenden Menschen, die nicht mehr ausreichend qualifiziert sind.  

MENSCHEN MITNEHMEN

Technologie wird uns hinkünftig vieles erleichtern und Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft bieten. Aber: Nur wir Menschen können Systeme grundlegend verändern. Durch unsere Entscheidungen und die sinnvolle Anwendung und das Arbeiten mit diesen neuen Technologien.

Ob wir als Gesellschaft den enormen Herausforderungen der technologischen Entwicklung & Digitalisierung, der Energiewende und Dekarbonisierung gewachsen sind, hängt in wesentlichen Punkte nicht (nur) von finanziellen Förderungen und Investitionen in Technologien ab. 

Es ist nun essentiell, die Menschen in dieser rasanten Entwicklung mitzunehmen: Nur mit einem kompetenten Personal, das sich der Veränderungen am Markt bewusst ist und das proaktiv an den Herausforderungen mitarbeitet, ist die Transformation des Gebäudesektors schiffbar.

Ebenso wesentlich ist die thematische Mitnahme der EndkonsumentInnen: Sie werden zu einem essentiellen Teil der Energiewende und Dekarbonisierung unserer Gesellschaft. Das ist aber nur möglich, wenn sie sich dessen bewusst sind – und diese neuen Möglichkeiten und Chancen, die in diesen Technologien inneliegen, kennenlernen und sich kompetent dafür entscheiden können. 

Anja Herberth
Author: Anja Herberth

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Verfasst von Anja Herberth