Unternehmerische Chancen in den Emiraten

In den vergangenen 5 Jahrzehnten wuchsen die Emirate zur viertgrößten Wirtschaft im Nahen Osten. Als Wüstenstaat ist die Föderation von Produkten und Know-how aus dem Ausland abhängig.

Die Emirate auf dem Weg in die Öl-Unabhängigkeit

In den vergangenen 5 Jahrzehnten wuchsen die Emirate zur viertgrößten Wirtschaft im Nahen Osten. Das war nicht immer so: Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in der Region vor allem Beduinen, man lebte vom Handel und vom Perlentauchen. Die Entwicklung der viel günstigeren Zuchtperle in Japan führte jedoch wieder zum Niedergang dieses Business-Modells.

Der heutige Reichtum und Aufstieg der Emiraten ist mehreren Entwicklungen geschuldet: Zum einen natürlich dem Öl-Export aber der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und zum anderen dem Zusammenschluss zur Föderation am 2. Dezember 1971. Im Gespräch mit UnternehmerInnen vor Ort höre ich oft ein weiteres Argument: “Das Land wird wie ein Unternehmen geführt.” An Businessplänen und Ideen mangelt es nicht – “und es wird dann einfach umgesetzt.” 

Beeindruckend: Das Steuern der Ressourcen

Auch wenn sich die Strategie seit einiger Zeit verändert: Als Wüstenstaat, praktisch aus dem Nichts entstanden, sind die Emirate für Unternehmen eine spannende Region. Sie sind auf Importe von Produkten und Know-how stark angewiesen – auch wenn die Emirate verstärkt auf Eigenproduktion setzen. Im Jahr 1950 lag die Bevölkerung noch bei 70.000, in den folgenden Jahrzehnten folgte ein rasantes Wachstum: Von den aktuell knapp 10 Millionen EinwohnerInnen sind lediglich 10% einheimische Bevölkerung. Scheich Zayed, Emir größten und reichsten Emirat Abu Dhabi und der erste Präsident der Emirate von 1971 bis 2004, entwickelte einen modernen Staat und setzte auf die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Emirate – was insbesondere den Emiraten half, die nicht auf das brummende Geschäft mit dem Erdöl setzen konnten.

Dubai, Nachbar-Emirat und schillernde internationale Metropole, setzt auf stark auf Wachstum und den Ausbau als Drehscheibe zwischen den Welten: Das Emirat, das sich auf Grund des Versiegens der eigenen Erdölquellen bereits früh mit neuen Businessmodellen beschäftigen musste, ist in mehreren Sektoren hochaktiv. Neben dem Tourismus natürlich der Immobilien-Sektor, sowie in der Positionierung als Finanzplatz und Drehscheibe von und nach Afrika und Asien. Insbesondere das enorme Bevölkerungswachstum des Emirats stellt vor große Herausforderungen. 

Dieses Wachstum ist für einen Wüstenstaat besonders herausfordernd: Einwohner und Touristen benötigen von Beginn an Wasser, Elektrizität, Mobilfunk, Wohnplätze – um nur einige Punkte zu nennen. Beeindruckend ist das Skalieren: Eine logistische Meisterleistung.  

So leidet Dubai – wenig überraschend – an Energienot. Um die Energie und benötigte Infrastruktur für ca. 3,5 Millionen EinwohnerInnen zu stellen, werden Höchstleistungen geleistet. 

Das Wasser stammt zu 90% aus Entsalzungsanlagen, und um die Abhängigkeit von Gas (aus Katar) und Erdöl zu reduzieren, setzt Dubai auf einen Energiemix aus Sonnenenergie, Kohle und Atomstrom. Das Atomkraftwerk wollten eigentlich Anbieter aus dem Atomstromland Frankreich bauen, die in ihrer Heimat etwa 40% ihrer Primär-Energie aus Kernkraftwerken beziehen. Den Zuschlag für das Kraftwerk erhielt damals aber Südkorea.

Louvre, Abu Dhabi
Die Emirate setzen auf touristische Hotspots, die eines signalisieren sollen: Wir sind Teil der Weltbühne.
Louvre, Abu Dhabi
Für die Stahlkonstruktion des Louvre verwendete man die gleiche Menge Stahl wie für den Eiffelturm in Paris.
Louvre, Abu Dhabi
Star-Architekt Jean Nouvel zeichnet für dieses futuristische Bauwerk verantwortlich.
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Auf Grund des starken Wachstums und der Entwicklung als Hub zwischen den Kontinenten Asien, Europa und Afrika sind die Emirate ein spannender Wirtschaftsplatz. Österreich ist bereits achtgrößter ausländischer Investor und damit ein wichtiger Wirtschaftspartner, 150 Tochtergesellschaften österreichischer Unternehmen sind in der Region tätig.

Da die Emirate in hohem Maße von ausländischen Produkten und Know-how abhängig sind, mussten sie sich schon aus dieser Hinsicht als stabiler Wirtschaftsplatz für ausländische Unternehmen entwickeln. Der unternehmerische Aufbau ist mit jedoch einigen Restriktionen verbunden, um zumindest einen Teil der Wertschöpfung im Land zu halten. Dabei hat nach der aktuellen Gesetzeslage ein lokaler Partner mindestens 51% des Stammkapitals zu halten.

In den Sonderwirtschaftszonen darf auch ohne inländische Gesellschafter gegründet werden. Diese Zonen sind in thematischen Clustern organisiert – z.B. Dubai Media City (https://dmc.ae), oder auch der Tech-Hub ‚Dubai Internet City‘ (https://dic.ae), rund und um den Hafen gibt eine gewaltige Logistik Freezone. Laut Außenwirtschaft der österreichischen Wirtschaftskammer ist es Ziel, etwa 40% der wissensbasierten Arbeitskräfte selbst zu stellen. Bedeutet aber dennoch, dass mittelfristig noch viele Expats, also ausländische Fachkräfte, benötigt werden.

Zu den Wachstumsbranchen zählen insbesondere Bildung, Gesundheit, Cybersecurity, eCommerce, Erneuerbare Energien und Nahrungsmittel und -sicherheit (Quelle: Außenwirtschaft). Ein paar Beispiele: Laut Medienberichten konnte ein österreichisches Unternehmen im Zuge der EXPO einen Auftrag an Land ziehen, wonach Duschen mit kleinen Turbinen made in Austria ausgestattet werden, um den Wasser- und Energieverbrauch um 40 Prozent zu senken. Ebenso hat das heimische Unternehmen „Cleen Energy“ einen Kooperationsvertrag für die Installierung von Photovoltaikanlagen in Dubai unterzeichnet.

Next big thing: Nachhaltige Energie, Wasserstoff und Energie-Effizienz

Angesichts des sonnigen, heißen Klimas könnte man denken: Warum nicht einfach Strom mit Photovoltaik-Anlagen produzieren und auf jedes Haus Paneele montieren? So einfach wie sich das auf den ersten Blick anhört, ist es dann leider doch nicht: Wegen des aggressiven Klimas sieht man in Dubai nur Photovoltaik-Anlagen in kleinem Umfang. Der Hauptgrund: Der Sand muss regelmäßig von den Paneelen entfernt werden, daher wären PV-Anlagen auf den Hausdächern mit sehr viel Aufwand verbunden.

Sheikh Zayed Moschee, Abu Dhabi
Sheikh Zayed Moschee, Abu Dhabi
Swarovski Kronleuchter
Sheikh Zayed Moschee, Abu Dhabi
Sheikh Zayed Moschee, Abu Dhabi
Sheikh Zayed Moschee, Abu Dhabi
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Weiters wurden PV-Units für den europäischen Markt entwickelt, bei Hitze reduziert sich die Leistung. Aber: Sonnenenergie ist dennoch attraktiv auf Grund der vielen Sonnenstunden in der Region, das wiegt den Leistungs-Nachteil durch die höheren Temperaturen wieder auf.

Für Unternehmen, die mit ihren Lösungen helfen, die Ressourcen zu schonen, sind die Emirate ein spannender Markt: Um den Ressourcenbedarf für diese stark wachsende Region zu reduzieren, werden hinkünftig sicher vermehrt Technologien gefragt sein, die helfen, den Verbrauch zu verringern.

In Kürze wollen die Emirate auch in die Wasserstoff-Produktion groß einsteigen. Wenn in den Emiraten etwas umgesetzt wird, dann in Superlativen. 

Abseits der Frage, wie die Emirate ihren eigenen Energiehunger stillen, wird am Aufbau einer blauen Wasserstoffproduktion gearbeitet.

Zur Erklärung: Die Farben geben Auskunft über die Art der Produktion. Grauer Wasserstoff wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Dafür wird Erdgas unter Hitze in Wasserstoff und CO2umgewandelt. Blauer Wasserstoff ist grauer Wasserstoff, dessen CO2 bei der Entstehung jedoch abgeschieden und gespeichert wird. Das bei der Wasserstoffproduktion erzeugte CO2 gelangt daher nicht in die Atmosphäre, diese Art der Wasserstoffproduktion kann zumindest bilanziell als CO2-neutral betrachtet werden.

Blauer Wasserstoff ist daher nicht wirklich „grün“, wird aber in den kommenden zehn Jahren viel billiger sein als echter grüner Wasserstoff – der aber auch am teuersten in der Herstellung ist. Die Emirate wollen Marktführer für grünen und blauen Wasserstoff werden, setzen im ersten Schritt auf den blauen Wasserstoff. Dieser lässt sich zunächst leichter skalieren und ist wichtig für die Schaffung eines globalen Markts.

Langfristigen Bestand hat in Europa wohl nur der grüne Wasserstoff: Nordwesteuropa als einer der größten potentiellen Importmärkte könnte auf Grund der Erdgas-Basis vor allem mittelfristig die Verwendung von blauem Wasserstoff einschränken. Man erwartet für Europa daher eine Präferenz für grünen Wasserstoff auf Grund der besseren Kompatibilität mit den Netto-Null-Zielen.

Aufwachende Schwellenländer

Inmitten der Wüste entstehen derzeit Freizeitparks, die jetzt noch ein wenig deplatziert wirken. Dubai bereitet sich mit Legoland & Co auf das Erwachen einiger Schwellenländer vor: Indien, beispielsweise, ist nur etwa 3 Flugstunden von Dubai entfernt und entwickelt sich gerade zu einem sehr spannenden wirtschaftlichen Akteur. Familien, die sich plötzlich Reisen leisten können, finden nur wenige Flugstunden entfernt Ferienspaß.

Auch afrikanische Länder sind im Begriff, spannende Märkte zu werden: Ein immer größerer Teil der neuen globalen Mittelschicht wird zukünftig in Afrika leben und die Nachfrage nach Gütern und Leistungen wird gewaltig steigen (Buchtipp: „Kesho Business“ von Hans Stoisser). Auch darauf bereitet sich Dubai bereits vor und positioniert sich als Logistik-Hub und Drehscheibe für den afrikanischen Markt. Pressemeldungen zufolge konkurrieren die Emirate hier mit Saudi-Arabien, das ebenso in diese Positionierung einschwenkt.  

Nächster Markt vor Entwicklung: Abu Dhabi

Abu Dhabi wird wohl der nächste Markt sein, der sich öffnet und Dubai nachzieht. Das Nachbar-Emirat steht noch am Anfang der Entwicklung, die Dubai in den letzten beiden Jahrzehnten vollbracht hat. Bis dato war das Emirat noch zurückhaltend, half dem in der Wirtschaftskrise und Pandemie strauchelnden Nachbar-Emirat Dubai mit Geldspritzen aus.  

Laut Interviewpartner merkt man an den Immobilien-Projekten bereits die ersten Anzeichen dieser Öffnung – insbesondere für die Sektoren Bauen, Nachhaltige Energie und energieeffiziente Technologien könnte dies ein spannender Markt werden.

Fotocredits: Anja Herberth/Smart Buildings Compass

Anja Herberth
Author: Anja Herberth

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Verfasst von Anja Herberth