Immer mehr ÖsterreicherInnen zweifeln an einer ausreichend hohen staatlichen Pension: Das ist das Stimmungsbild der neuen „Vorsorgestudie 2026“, durchgeführt von IMAS International für Erste Bank/Sparkassen und Wiener Städtische. Die Themen Wohnen im Alter, Pflege & Unterstützung sind hoch relevant – auch wenn Pflege selbst in der Prioritätenliste erstaunlich weit hinten liegt. Befragt wurden 1.000 Menschen in Österreich im Alter von 16 bis 65 Jahren.
Warum wir diese Studie so wichtig finden:
Sie macht eine Vorsorge-Logik sichtbar, in der Gesundheit, Wohnen und finanzielle Absicherung ganz oben stehen – und zugleich zeigt sie, dass viele Menschen sich damit eher „im Prinzip“ beschäftigen als wirklich konkret. Pflege als Vorsorgethema rückt oft erst dann ins Bewusstsein, wenn sie plötzlich da ist. Bis dahin wird das Thema gerne umschifft – aus Unsicherheit, aus Scheu, manchmal auch, weil es im Alltag schlicht keinen Platz findet.
Genau in dieser Lücke kann Orientierung einen Unterschied machen. Pflegebedarfe entstehen selten planbar, aber die Voraussetzungen dafür, wie gut man damit umgehen kann, lassen sich sehr wohl beeinflussen: durch rechtzeitige Beschäftigung mit der Wohnsituation (z. B. Barrierefreiheit und Sicherheit), durch frühe, verständliche Information, durch stärkere Unterstützung pflegender Angehöriger – und durch alltagstaugliche Lösungen, die im Krisenmoment nicht erst mühsam gesucht werden müssen, sondern schnell auffindbar sind.
Finanzielle Vorsorge „sehr“ oder „eher“ wichtig
Auffällig ist zunächst der breite Grundkonsens: Finanzielle Vorsorge ist für 90 Prozent „sehr“ oder „eher“ wichtig – ein Höchststand der letzten Jahre. Gleichzeitig beschreibt die Studie eine wachsende Verunsicherung: Drei Viertel der Befragten glauben nicht, später eine ausreichend hohe staatliche Pension zu erhalten. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2024, als 62 Prozent entsprechend antworteten. Erklärt wird das mit dem demografischen Druck und geopolitischen Unsicherheiten. Zusätzlich wird darauf verwiesen, dass Diskussionen über die Finanzierbarkeit des Pensionssystems das Vertrauen spürbar weiter erodieren lassen.
In diese Stimmung passt auch, dass viele Befragten ihre Zukunft eher düster einschätzen: 61 Prozent erwarten in den kommenden Monaten eine Verschlechterung von Wirtschaft und Lebensqualität. Vorsorge wird in diesem Klima weniger als „Luxus“ wahrgenommen, sondern als Versuch, Stabilität herzustellen.
Inhaltlich dominieren dabei zwei Themen ganz klar: Gesundheit und Pension. Laut Presseaussendung sind 67 Prozent bereit, für Gesundheit privat vorzusorgen, 61 Prozent für die Pension. Ebenfalls stark ist der Wunsch nach einer finanziellen Reserve für Krisenfälle (60 Prozent), gefolgt von Wohnen (55 Prozent) und Familie (50 Prozent). Das Thema Pflege rangiert abgeschlagen auf hinterer Stelle mit nur 27%.
Altersarmut: Große Sorge, klassische Gegenmaßnahmen
Die Studie zeigt auf, wie groß die Sorge vor Altersarmut ist – und wie geschlechterungleich diese Sorge verteilt ist. Immerhin 39 Prozent schätzen ihr persönliches Risiko, im Alter von Altersarmut betroffen zu sein, als hoch ein. Bei Frauen liegt der Anteil höher als bei Männern. Im Schnitt schätzen die 1.000 Umfrageteilnehmer die Höhe ihrer künftigen Bruttopension auf 2.023 Euro pro Monat. Männer rechnen im Schnitt mit 2.254 Euro, Frauen mit 1.748 Euro. Die Pensionslücke ist in Österreich unvermindert hoch: Frauen erhalten im Durchschnitt fast 40 Prozent weniger Pension als Männer. Finanzielle Sicherheit ist besonders für die jüngere Bevölkerungsgruppe zwischen 16 und 29 Jahren ein Thema, sie denkt häufiger an ihre zukünftige finanzielle Sicherheit als noch vor 5 Jahren.
Als Gegenmaßnahmen zur drohenden Altersarmut finden die Befragten vor allem zwei Hebel plausibel: Möglichst früh privat vorzusorgen und private Vorsorge stärker staatlich zu fördern. 86 Prozent sehen eine frühe private Vorsorge als wirksam, 77 Prozent wünschen sich dafür eine stärkere staatliche Förderung. Ein hoher Wert von 63% der Befragten gehen davon aus, in der Pension arbeiten zu müssen, um sich den gewünschten Lebensstandard auch im Alter erhalten zu können.
Wer Maßnahmen zur Vorsorge trifft, bleibt oft klassisch: Im Schnitt werden 225 Euro pro Monat für private Pensionsvorsorge genannt – trotz wirtschaftlicher Anspannung bewegt sich dieser Wert auf einem hohen Niveau. Männer investieren dabei mit 265 Euro deutlich mehr als Frauen mit 179 Euro. Als am häufigsten genutztes Instrument wird das Sparkonto genannt (51 Prozent), danach folgen Lebensversicherungen (38 Prozent) sowie Wertpapiere und Fondssparpläne (25 Prozent). Das Sparkonto ist erstmals seit Jahren weniger stark nachgefragt, während Lebensversicherungen sowie Wertpapiere & Fondssparpläne an Beliebtheit zulegen. Knapp die Hälfte der ÖsterreicherInnen im befragten Altersspektrum hat noch keine Pensions- oder Lebensversicherung abgeschlossen.
Ein weiterer Befund passt gut zum Alltag vieler Menschen: Planungssicherheit fehlt nicht nur wegen „Systemdebatten“, sondern auch im Kleinen. Nur rund die Hälfte (51 Prozent) weiß über das aktuelle Guthaben auf dem persönlichen Pensionskonto Bescheid; innerhalb dieser Gruppe ist wiederum nur etwa die Hälfte mit dem Guthaben zufrieden. Das ist ein Hinweis darauf, dass viele zwar über Vorsorge sprechen und sich Sorgen machen, aber ihre eigene Ausgangslage nur teilweise kennen.
Mehr zur Studie finden Sie hier: https://www.wienerstaedtische.at
Author: Anja Herberth
Chefredakteurin












