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Die Treppe kostet zunehmend Kraft, der Einstieg in die Badewanne wird unsicher, häufig gebrauchte Dinge sind schwer erreichbar: Wenn sich die Beweglichkeit verändert, lohnt sich ein genauer Blick auf die Wohnung. Welche Anpassungen den Alltag erleichtern, hängt von den persönlichen Bedürfnissen und den räumlichen Möglichkeiten ab.
Eine Wohnung kann viele Jahre gut funktionieren – und im Alter mehr Mühe machen. Man hält sich beim Gehen an Möbeln fest, meidet die Stufe zur Terrasse oder wartet mit dem Duschen, bis jemand im Haus ist. Solche Veränderungen zeigen, wo die vertraute Umgebung den Alltag erschwert.
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Wer zu Hause selbstständig leben möchte, sollte diesen beginnenden Herausforderungen nachgehen. Bereits kleine Veränderungen können schon helfen, eine Situation sicherer zu gestalten. Andere wirderum erfordern geeignete Hilfsmittel oder einen Umbau. Ein sinnvoller erster Schritt ist deshalb, die Wohnung entlang jener Tätigkeiten zu betrachten, die täglich wichtig sind.
Wo wird der Alltag mühsam?
Gehen Sie einen gewöhnlichen Tag gedanklich durch: Vom Aufstehen über die Körperpflege und das Frühstück bis zum Zubettgehen. Wo brauchen Sie mehr Kraft als früher? Bei welchen Handgriffen fühlen Sie sich unsicher? Welche Bereiche nutzen Sie inzwischen seltener, weil der Weg dorthin beschwerlich geworden ist?
Daraus lässt sich eine persönliche Liste erstellen:
- Wege: Komme ich vom Eingang in alle Räume, die ich regelmäßig nutze?
- Bewegungsfreiheit: Habe ich genügend Platz, um mich zu drehen, hinzusetzen oder eine Gehhilfe zu verwenden?
- Erreichbarkeit: Kann ich Lichtschalter, Fenstergriffe und häufig benötigte Gegenstände bequem erreichen?
- Unterstützung: Wo brauche ich Halt, eine Sitzmöglichkeit oder die Hilfe einer anderen Person?
Diese Beobachtungen helfen auch bei einer späteren Beratung. Je konkreter die Schwierigkeiten beschrieben werden, desto gezielter lassen sich Lösungen suchen.
Schwellen: Sturzfallen & Hindernisse
Zur Wohnsituation gehört der gesamte Weg innen, sowie nach draußen. Wohnungen und Häuser sind häufig historisch angepasst und erweitert, Stufen und Schwellen waren keine Seltenheit. Eine gut angepasste Wohnung hilft im Alltag aber nur begrenzt, wenn davor mehrere Stufen liegen oder der Lift erst im Halbgeschoss erreichbar ist. Auch eine schwere Haustür oder ein enger Eingangsbereich können das selbstständige Verlassen des Hauses erschweren.
Ziel sind möglichst schwellenlose Wege. Ob ein vorhandener Übergang gut bewältigt werden kann, muss anhand der individuellen Beweglichkeit und des verwendeten Hilfsmittels beurteilt werden. Gerhard Nussbaum, technischer Leiter des Kompetenznetzwerks KI-I, lenkt den Blick deshalb auf die Übergänge: „Achten Sie darauf, dass keine Stufen oder Schwellen vorhanden sind, etwa beim Ein- und Ausgang. Achten Sie hier auf eine maximale Stufenhöhe von nicht mehr als 1 cm. Am besten ist es natürlich, wenn es gar keine gibt.“
Innerhalb der Wohnung verdienen häufig genutzte Wege besondere Aufmerksamkeit: zwischen Schlafzimmer und Toilette, vom Eingang zur Küche oder vom Wohnzimmer auf den Balkon. Prüfen Sie, ob Möbel den Durchgang verengen, Kabel im Weg liegen oder Teppiche verrutschen. Eine gleichmäßige, blendfreie Beleuchtung erleichtert es, Hindernisse zu erkennen.
Bei Türen kommt es auf die gesamte Bewegung an: Wer einen Rollator oder Rollstuhl verwendet, braucht Platz zum Heranfahren, Öffnen und Richtungswechseln. Zur Türbreite sagt Nussbaum: „Um mit dem Rollstuhl gut durch die Tür fahren zu können, sollte die Tür eine Mindestbreite von 90 cm aufweisen.“ Ob eine Tür tatsächlich geeignet ist, sollte anhand des verwendeten Hilfsmittels und der Platzverhältnisse auf beiden Seiten geprüft werden.
Im Bad: Gesamten Duschablauf berücksichtigen
Im Badezimmer treffen mehrere Anforderungen auf engem Raum zusammen: Sich ausziehen, hinsetzen, aufstehen, waschen und abtrocknen. Deshalb sollte eine Anpassung den gesamten Ablauf berücksichtigen.
Für den Duschbereich verweist Nussbaum auf bodengleiche Lösungen: „Designlösungen, wie zum Beispiel eine ebenerdige Dusche, gibt es fix fertig zum Kaufen. Das sind normale Duschtassen, allerdings komplett ebenerdig.“ Eine bodengleiche Dusche erleichtert den Einstieg, für ihre Nutzbarkeit sind jedoch ebenso die verfügbare Fläche, der Bodenbelag, die Erreichbarkeit der Armatur und gegebenenfalls eine geeignete Sitzmöglichkeit entscheidend. Haltegriffe müssen dort angebracht und fachgerecht befestigt werden, wo sie bei den jeweiligen Bewegungen unterstützen. Hier finden Sie mehr Informationen dazu in unserem Themenspecial Altersgerechtes Bauen & Sanieren.
Auch rund um die Toilette kommt es auf die persönliche Situation an. Nussbaum empfiehlt: „Achten Sie auf genügend Platz neben der Toilette, sodass der Zugang auch von der Seite erfolgen kann.“ Das ist beispielsweise für einen seitlichen Wechsel vom Rollstuhl auf die Toilette relevant. Wird zusätzlich Unterstützung beim Aufstehen benötigt oder muss eine zweite Person helfen können, ist auch dafür ausreichend Raum einzuplanen.
Bei kleinen Bädern lohnt sich außerdem ein Blick auf die Tür: Wie viel Bewegungsfläche beansprucht sie? Kann sie im Notfall geöffnet werden, wenn eine Person dahinter liegt? Eine andere Türlösung oder eine veränderte Raumaufteilung sollte gemeinsam mit einer Fachperson geprüft werden.
Wer die Badewanne weiter nutzen möchte, kann prüfen lassen, ob ein Badelift zur eigenen Situation passt.
Häufige Handgriffe verdienen besondere Aufmerksamkeit
Auch außerhalb des Badezimmers können selbst kleine Anpassungen den Alltag erleichtern. In der Küche betrifft das etwa die Aufbewahrung von Geschirr und Lebensmitteln: Was täglich gebraucht wird, sollte ohne tiefes Bücken oder weites Strecken erreichbar sein. Ebenso lässt sich überlegen, welche Arbeiten bequem im Sitzen möglich wären.
Im Schlafzimmer geht es unter anderem darum, gut ins Bett und wieder herauszukommen und Licht oder Telefon von dort aus zu erreichen. Im Vorraum kann eine stabile Sitzgelegenheit das An- und Ausziehen erleichtern.
Welche Veränderung sinnvoll ist, richtet sich nach den Gewohnheiten der Person, die dort lebt. Wird gemeinsam mit Angehörigen geplant, sollten ihre Wünsche und Entscheidungen den Ausgangspunkt bilden.
Welche Aufgabe kann Technik übernehmen?
Technische Assistenz kann einzelne Handgriffe erleichtern oder helfen, Unterstützung zu verständigen. Beispiele sind eine automatisch einschaltende Beleuchtung, elektrisch bedienbare Rollläden oder ein Hausnotruf.
Vor der Anschaffung sollte klar sein, welche konkrete Aufgabe das System übernehmen soll. Bei Notruf- und Sensorsystemen gehört dazu auch die Organisation dahinter: Wer erhält eine Meldung? Wer kann reagieren? Welche Daten werden erfasst, und ist die betroffene Person damit einverstanden?
Die bloße Abweichung von einem gewohnten Tagesablauf lässt noch keinen sicheren Schluss auf einen Sturz zu. Bei der Auswahl sollte deshalb genau geklärt werden, welche Ereignisse ein System erkennt und wann es eine Meldung auslöst.
Den nächsten Umbau vorausschauend planen
Eine geplante Renovierung ist eine Gelegenheit, auch künftige Bedürfnisse zu berücksichtigen. Gerhard Nussbaum empfiehlt: „Planen Sie im Voraus die noch kommenden Lebensphasen mit. Das ermöglicht es Ihnen, wenn Sie im Alter oder aufgrund eines Unfalls Einschränkungen erfahren, möglichst lange und so selbständig wie nur möglich in Ihren eigenen vier Wänden zu bleiben.“
Wer ein Bad erneuert, Türen verändert oder Elektroinstallationen überarbeitet, kann prüfen lassen, welche späteren Anpassungen sich bereits vorbereiten lassen. Dazu gehören beispielsweise geeignete Befestigungsmöglichkeiten für Haltegriffe oder die künftige Anordnung von Schaltern und Steckdosen. Welche Mehrkosten entstehen und welche späteren Arbeiten dadurch entfallen könnten, muss anhand des konkreten Vorhabens beurteilt werden.
Für den Anfang genügt eine überschaubare Aufgabe: Halten Sie fest, welche drei Situationen zu Hause derzeit am meisten Mühe machen. Eine qualifizierte Wohnberatung kann helfen, daraus passende Maßnahmen abzuleiten und die nächsten Schritte zu priorisieren. So beginnt die Anpassung dort, wo sie im täglichen Leben am dringendsten gebraucht wird.
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