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Viele Menschen sind im Alltag einsam. Und wenn im Alter das Sehen nachlässt, die Hände nicht mehr so wollen oder das Gedächtnis Lücken bekommt, dann werden alltägliche Dinge plötzlich zur Hürde, die früher selbstverständlich waren.
Genau hier kann ein sprachgesteuerter Assistent wie Alexa von Amazon eine Erleichterung bieten. Weil man mit diesem Assistenten spricht, statt Tasten zu drücken oder Bildschirme zu bedienen. Oder einfach weil man mit jemandem sprechen und sich Infos holen kann.
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Diese digitalen Werkzeuge wurden in mehreren Projekten und Studien getestet: Wie können ältere Menschen im Alltag sprachgesteuerte Assistenten wie Alexa selbständig verwenden? Worin können diese unterstützen – und wo liegen ihre Grenzen? Und auf welche Sicherheitseinstellungen sollte unbedingt Rücksicht genommen werden?
Was Sie in diesem Artikel erwartet:
- Wie Sprachassistenten wie Alexa den Alltag erleichtern, wenn Sehen, Hören, Beweglichkeit oder Gedächtnis nachlassen
- Was Projekte und Praxistests mit älteren Menschen und Menschen mit Demenz gezeigt haben, samt Erfahrungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
- Welche fünf Funktionen im Test besonders gut ankamen, von Musik über Erinnerungen bis zu vertrauten Fotos
- Wo die Technik an ihre Grenzen stößt, besonders bei fortgeschrittener Demenz
- Worauf Sie beim Datenschutz achten sollten, von der Cloud-Verarbeitung bis zum richtigen Standort im Haus
- Was eine aktuelle Studie über die Spracherkennung bei leiseren und veränderten Stimmen herausgefunden hat
Digitale Nachbarn gegen Einsamkeit
Mit anderen im Gespräch bleiben, ohne dafür die Wohnung verlassen zu müssen: Diese Möglichkeit stand im Mittelpunkt des Projekts „Digitale Nachbarn“ im deutschen Zweibrücken. Zwischen November 2018 und Dezember 2020 untersuchten das Fraunhofer Institut IESE, das Deutsche Rote Kreuz und die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, wie Sprach- und Videoassistenten die soziale Teilhabe älterer Menschen unterstützen können. Das Angebot richtete sich an SeniorInnen 70+ im Stadtquartier Breitwiesen.
Die TeilnehmerInnen nutzten Echo-Show-Geräte unter anderem für Videoanrufe, Erinnerungen und Informationen aus ihrem Alltag – von Busverbindungen bis zur Müllabfuhr. Begleitet wurde die Nutzung durch Workshops, technische Unterstützung und individuell abgestimmte Angebote.
Und siehe da: Nach Angaben des Fraunhofer Instituts pflegten drei Viertel der TeilnehmerInnen mithilfe des digitalen Assistenten mehr soziale Kontakte als zuvor. Die Auswertung berichtete außerdem über weniger Einsamkeit und Langeweile. Auch Menschen ohne Erfahrung in der Bedienung eines Computers konnten das Gerät selbstständig bedienen.
Die Ergebnisse beziehen sich allerdings auf ein betreutes Modellprojekt: Sie zeigen, welche Möglichkeiten entstehen können, wenn ältere Menschen bei der Einführung der Technik Unterstützung erhalten und darüber tatsächlich andere Menschen erreichen.
Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Die Möglichkeiten mit Echo Show
„Die erste, mit der ich morgens nach dem Aufstehen kommuniziere, ist Alexa“, berichtete eine Teilnehmerin eines gemeinsamen Praxistests von Amazon und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Sie fragt das Gerät immer morgens nach Tag und Datum. Zwölf Menschen mit Demenz erprobten gemeinsam mit Angehörigen und PflegerInnen, welche Funktionen eines Echo Show 8 sie im Alltag unterstützen könnten.
Der Echo Show ist eine Variante von Amazons Alexa-Lautsprecher mit integriertem Bildschirm, über den sich neben der Sprachsteuerung auch Fotos anzeigen, Videoanrufe führen und visuelle Erinnerungen wie Kalender oder Termine darstellen lassen. Die ersten Erfahrungen wurden 2022 veröffentlicht.
Am häufigsten nutzten die TeilnehmerInnen Musik. Hinzu kamen Erinnerungsfunktion, Nachrichten, Kalenderfunktionen und Anrufe. Vertraute Fotos auf dem Bildschirm wurden ebenfalls positiv wahrgenommen. Die Anwendungen konnten Orientierung geben, Unterhaltung ermöglichen und einzelne Aufgaben erleichtern.
Der Test zeigte zugleich, wo die Bedienung Schwierigkeiten bereitete: Manche Menschen benötigten mehr Zeit, um ihre Anfrage auszusprechen, oder verwendeten Formulierungen, die Alexa nicht verstand. Bei fortgeschrittener Demenz gelang die eigenständige Nutzung teilweise kaum oder gar nicht mehr, weil Aktivierungsbefehle nicht erinnert wurden.
Die Erfahrungen machen deutlich, wie unterschiedlich der Nutzen ausfallen kann. Bedeutet: Ob Sprachsteuerung unterstützt, zeigt sich an den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen der jeweiligen Person.
Wenn die Sinne nachlassen: Was Alexa & Co unterstützen
Die nachfolgenden Tasks sind entweder von Sprachassistenten wie Alexa alleine bewältigbar, oder benötigen weitere Tools. Diese sind aber in den meisten Fällen bereits günstig und einfach zu installieren.
Wir haben uns angesehen, welche Basis-Tasks mit Alexa & Co geschafft werden können:
- Wenn das Sehen nachlässt
Für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen liegt der größte Gewinn darin, dass man nichts mehr lesen muss, sondern alles hören kann. Alexa liest auf Wunsch Nachrichten vor, nennt die Uhrzeit, erinnert an Termine und Medikamente und beantwortet Fragen, ohne dass man zum Kalender oder zur Zeitung greifen müsste.
Auf den Geräten mit Bildschirm, den sogenannten Echo-Show-Modellen, gibt es zusätzlich eine Bildschirmlupe, mit der sich Inhalte vergrößern lassen, sowie eine Vorlesefunktion für angezeigte Texte. So bleibt vieles zugänglich, was sonst mühsam oder gar unmöglich wäre.
- Wenn das Hören schwerfällt
Auch für Menschen mit Höreinschränkung gibt es sinnvolle Funktionen. Auf den Geräten mit Bildschirm lassen sich Untertitel einblenden, sodass man Alexas Antworten mitlesen kann. Besonders praktisch ist, dass sich der Ton bei manchen Geräten direkt an moderne Hörgeräte übertragen lässt, wodurch Filme, Musik oder Hörbücher in guter Klangqualität unmittelbar im Ohr ankommen. Für viele ist das ein spürbarer Unterschied zum Lautsprecher, der im Raum schnell verhallt.
- Wenn die Beweglichkeit eingeschränkt ist
Ist die Mobilität eingeschränkt, so ist die Sprachsteuerung ein regelrechter Befreiungsschlag. Licht anschalten, die Heizung regeln, jemanden anrufen oder Hilfe holen: All das geht allein mit der Stimme, ohne aufzustehen und ohne ein Gerät in die Hand zu nehmen. In Verbindung mit smarten Steckdosen oder Lampen lässt sich so ein großer Teil der Wohnung bequem vom Sessel oder vom Bett aus steuern.
Mit smarten Schlössern können SeniorInnen selbst vom Krankenbett bestimmen, wer Zutritt in die Wohnung erhält. Für mehr Informationen gibt es hier ein Interview mit einem Sicherheitsexperten, wie sie diese Schlösser auswählen und ein Sicherheitskonzept hinterlegen. Und für Menschen, die langsamer oder mit Unterbrechungen sprechen, gibt es die Einstellung adaptives Zuhören, mit der Alexa mehr Zeit lässt, bevor sie eine Antwort erwartet.
Für diese Tasks braucht es smarte Steckdosen oder smarte Schlösser, die zum Beispiel im Falle der Alexa online oder im gut sortierten Fachhandel zu kaufen sind. Um ein Smart Home einzurichten, ist es am einfachsten, kompatible Produkte zu suchen. Diese finden sie für Alexa auf Amazon, andere Lösungen im gut sortierten Fachhandel.
Unterstützung bei Demenz
Gerade bei beginnender Demenz kann ein sprechender Assistent Struktur in den Tag bringen: Regelmäßige Erinnerungen an Mahlzeiten, Medikamente oder Termine, immer zur gleichen Zeit und mit ruhiger Stimme, geben Halt. Wie weit die Technik trägt, hängt allerdings stark vom Stadium ab. In frühen Phasen können viele Menschen die Geräte nach etwas Übung selbst bedienen, mit fortschreitender Erkrankung fällt das schwerer, weil etwa das Aktivierungswort nicht mehr erinnert wird.
Umso wichtiger ist, dass ein Angehöriger die Einrichtung übernimmt und die Bedienung möglichst einfach hält. Mit der Zeit lassen sich die Funktionen an die Erkrankung anpassen, etwa indem man das Gerät auf wenige feste Sprachbefehle und einige vertraute Routinen wie die tägliche Erinnerung an die Mahlzeiten beschränkt. So hilft das Tool, anstatt zusätzlich zu verwirren.
Amazon hat gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und dem Roten Kreuz untersucht, wie diese Geräte Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen entlasten können. Die Rückmeldungen waren positiv, vor allem was das Gefühl von Verbundenheit und weniger Einsamkeit betrifft. Folgende fünf Funktionen fanden im Praxistest besonderen Anklang: Erinnerungen an Termine und wichtige Aufgaben erleichterten im Praxistest die Alltagsorganisation und konnten Angehörige sowie Pflegekräfte entlasten. Musik regte zu Bewegung an, vertraute Bilder förderten die Aufmerksamkeit. Gespräche mit Alexa boten Sprechanlässe, und die Möglichkeit, selbstständig Wissen und Informationen abzurufen, wurde als motivierend erlebt.
Hinzu kam die einfache Bedienung per Stimme: Funktionen von Wecker, Telefon oder Radio ließen sich nutzen, ohne dafür Tasten drücken oder durch Menüs navigieren zu müssen. So bleibt vieles im eigenen Rhythmus machbar, was sonst fremde Hilfe erfordern würde.
Sicherheit geht vor
So hilfreich Alexa ist, so wichtig ist der Blick auf den Datenschutz. Ein solches Gerät hört prinzipbedingt mit, denn es wartet ständig auf das Weckwort, etwa „Alexa!“, um dann zu reagieren. Für Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland und Österreich werden die gesprochenen Befehle in der Cloud verarbeitet, also auf den Servern des Unternehmens außerhalb des Landes. Eine lokale Verarbeitung direkt auf dem Gerät gab es hier ohnehin nie. In den USA hatte Amazon für einzelne Modelle eine solche Option angeboten, sie aber im März 2025 abgeschafft, weil die neuen KI-Funktionen rund um Alexa+ mehr Rechenleistung erfordern, als ein Echo-Gerät selbst bereitstellen kann.
Was Sie dennoch tun können und sollten: In der Alexa-App lässt sich die Einstellung aktivieren, dass Aufnahmen nach der Bearbeitung nicht dauerhaft gespeichert werden. Im sogenannten Datenschutz-Dashboard können Sie außerdem einsehen, was aufgezeichnet wurde, und es löschen. Und ganz praktisch sollten Sie sich gut überlegen, wo im Haus ein solches Gerät steht: Denn im Schlafzimmer oder dort, wo vertrauliche Gespräche stattfinden, ist ein mithörendes Mikrofon weniger passend als z.B. in der Küche.
Besondere Verantwortung tragen Angehörige, wenn sie ein solches Gerät für einen Menschen mit Demenz einrichten, der einer Datenverarbeitung womöglich nicht mehr bewusst zustimmen kann. Hier gilt, im Sinne der betroffenen Person zu entscheiden, nur das Nötige zu aktivieren und im Zweifel sparsam mit den Funktionen umzugehen, die dauerhaft Daten sammeln.
Bitte beachten Sie immer: So hilfreich diese Technik ist, sie ersetzt keine menschliche Zuwendung. Ein Sprachassistent sollte unterstützen, nicht bevormunden, und setzt zudem ein stabiles WLAN sowie einen bewussten Umgang mit den erfassten Daten voraus. Wer diese Voraussetzungen mitdenkt, findet mit Sprachassistenten eine bezahlbare und im Alltag gut integrierbare Ergänzung.
Auf leisere Stimmen prüfen
„Alexa, schalte das Licht im Schlafzimmer ein“: Damit ein solcher Auftrag den Alltag erleichtert, muss die Technik auch ältere Menschen verstehen, deren Stimme leiser geworden ist oder deren Sprechweise sich verändert hat. Sprachsteuerung muss auf die unterschiedliche Sprechweisen vorbereitet sein, damit gerade jene Menschen sie nutzen können, die auf Unterstützung angewiesen sind. Weiters ist auch zu beachten, dass im Notfall eine Stimme auch schriller sein kann. Bitte testen sie die Geräte im Alltag mit unterschiedlichen Stimmlagen, ob sie die Stimme erkennen.
Eine 2026 veröffentlichte Forschungsarbeit untersuchte diese Voraussetzung anhand von Sprachaufnahmen von 83 englischsprachigen älteren Erwachsenen. Sie hatten vorgegebene Alexa-Befehle vorgelesen. Bei Menschen mit Demenz entstanden signifikant mehr Erkennungsfehler als bei Menschen ohne kognitive Beeinträchtigung. Zwischen der Gruppe mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und der Vergleichsgruppe zeigte sich dagegen kein signifikanter Unterschied. Auch Lautstärke und Stimmqualität standen mit der Erkennungsgenauigkeit in Zusammenhang.
Unser Fazit
Alexa kann für ältere Menschen und für ihre pflegenden An- und Zugehörigen eine große Entlastung sein, weil das Gerät genau dort einspringt, wo Sehen, Hören, Beweglichkeit oder Gedächtnis an Grenzen stoßen. Es ersetzt natürlich keine menschliche Zuwendung, aber es schenkt ein Stück Selbstständigkeit zurück, und das ist viel wert.
Setzen Sie es bewusst ein, richten Sie die Datenschutzeinstellungen von Anfang an sorgfältig ein, und wählen Sie den Standort mit Bedacht. Dann überwiegt der Nutzen, ohne dass die Privatsphäre auf der Strecke bleibt.
Mehr dazu erfahren unter:
- Projekt: Digitale Nachbarn https://www.iese.fraunhofer.de/de/referenz/digitale-nachbarn-sprachassistent.html
- Pressemeldung von Amazon: https://press.aboutamazon.com/de/2022/5/alexa-unterstuetzt-menschen-mit-demenz-und-ihre-pflegenden
- Information der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. zur Verwendung technischer Lösungen und Hilfsmittel https://www.deutsche-alzheimer.de/mit-demenz-leben/technische-hilfen
- Broschüre der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/Broschueren/Tablets_Sensoren_Co.pdf
- Studie: Challenges in Automatic Speech Recognition for Adults with Cognitive Impairment https://arxiv.org/pdf/2602.23436
Was ist ein Echo Show?
Der Echo Show ist eine Variante von Amazons Alexa-Lautsprecher mit integriertem Bildschirm. Über ihn lassen sich neben der Sprachsteuerung auch Fotos anzeigen, Videoanrufe führen und visuelle Erinnerungen wie Kalender oder Termine darstellen.
Welche Funktionen sind für ältere Menschen besonders hilfreich?
Im Praxistest kamen fünf Funktionen besonders gut an: Erinnerungen an Termine und Aufgaben, Musik, vertraute Fotos, Gespräche mit Alexa als Sprechanlass und das selbstständige Abrufen von Informationen. Hinzu kommt die einfache Bedienung per Stimme, ohne Tasten oder Menüs.
Können auch Menschen mit Demenz eine Alexa selbstständig nutzen?
Das hängt stark vom Stadium ab. In frühen Phasen können viele Menschen die Geräte nach etwas Übung selbst bedienen. Mit fortschreitender Erkrankung fällt das schwerer, etwa weil das Aktivierungswort nicht mehr erinnert wird. Wichtig ist, dass ein Angehöriger die Einrichtung übernimmt und die Bedienung einfach hält.
Wie steht es um den Datenschutz bei Alexa?
Das Gerät wartet ständig auf das Weckwort und hört deshalb prinzipbedingt mit. Für NutzerInnen in Deutschland und Österreich werden die Sprachbefehle in der Cloud verarbeitet. In der Alexa-App lässt sich einstellen, dass Aufnahmen nach der Bearbeitung nicht gespeichert werden. Über das Datenschutz-Dashboard kann man Aufzeichnungen einsehen und löschen.
Wo sollte ein Alexa-Gerät im Haus stehen?
Der Standort sollte bewusst gewählt werden. In der Küche ist ein mithörendes Mikrofon oft weniger heikel als im Schlafzimmer oder dort, wo vertrauliche Gespräche stattfinden.
Versteht Alexa auch leisere oder veränderte Stimmen?
Nicht immer zuverlässig. Eine 2026 veröffentlichte Studie fand bei Menschen mit Demenz signifikant mehr Erkennungsfehler als bei Menschen ohne kognitive Beeinträchtigung. Auch Lautstärke und Stimmqualität beeinflussen die Erkennungsgenauigkeit. Für langsameres Sprechen gibt es die Einstellung adaptives Zuhören.
Author: Anja Herberth
Chefredakteurin











