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Wie kommen ältere Menschen sicher durch den Winter, Siri Arntzen?

Unsere Interviewpartnerin: Siri Arntzen, Leiterin von Fabric+ (Bildnachweis: Fabric+)

Unsere Interviewpartnerin: Siri Arntzen, Leiterin von Fabric+ (Bildnachweis: Fabric+)

This article is also available in: English

Erinnern Sie sich noch an die Bilder vom letzten Winter? In vielen Städten wurde das Gehen auf der Straße zu einer Nervenprobe, da viel zu wenig für die Beseitigung von Schnee und Eis getan wurde. Selbst für jüngere Menschen stellten die Bedingungen eine Herausforderung dar.

Eine Stadt kann im Sommer in puncto Barrierefreiheit vorbildlich sein und sich dennoch mit Beginn des Winters in eine Falle verwandeln. Ältere Menschen spüren dies am stärksten, da vereiste Gehwege, nicht geräumte Straßen und die Angst vor Stürzen sie wochenlang in ihren eigenen vier Wänden gefangen halten. Was als räumliche Einschränkung beginnt, wird bald zu sozialer Isolation.

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Wie stark dies selbst fitte und gut vernetzte Menschen betrifft, wurde in der norwegischen Stadt Bodø deutlich. Als die Studie „Ageing in the Arctic“ im Stadtrat diskutiert wurde, erzählte das damals älteste Mitglied, die 92-jährige Agnete Tjærandsen, ihren Kollegen, dass sie während einer besonders strengen Kälteperiode vier Wochen lang ihr Haus nicht verlassen hat.

Header SBC Deutsch

Siri Arntzen leitet „Fabric+“ im norwegischen Architekturbüro AT arkitektur. Gemeinsam mit ihrem Team aus DesignerInnen, PlanerInnen, ArchitektInnen und Fachleuten für Wirtschaftsentwicklung arbeitet sie an Projekten in den arktischen Regionen. Sie hat untersucht, wie sich Städte an eine alternde Bevölkerung anpassen können, wenn der Winter bis zu sieben Monate dauert.

Selbst an Orten, an denen wir nie mit Schnee und Eis in diesem Ausmaß konfrontiert sind, können wir viel aus ihren Erkenntnissen lernen. Im Interview erläutert sie, warum die kalte Jahreszeit in der Stadtplanung nach wie vor unterschätzt wird, wie der Kreislauf aus Angst, Rückzug und Einsamkeit durchbrochen werden kann und was ältere Menschen und ihre Angehörigen tun können, um sicher durch den Winter zu kommen.

Was Sie in diesem Interview erwartet:

  • Warum der Winter in der Stadtplanung nach wie vor unterschätzt wird,
  • wie sich der Kreislauf aus Angst, Rückzug und Einsamkeit festsetzt und wieder durchbrochen werden kann,
  • was Städte von arktischen Regionen wie Bodø lernen können und
  • welche praktischen Maßnahmen ältere Menschen und ihre Familien ergreifen können, um sicher durch die kalte Jahreszeit zu kommen.
SBC: Schnee und Glatteis können die Mobilität älterer Menschen auch in Deutschland und Österreich erheblich einschränken. In Bodø haben Sie untersucht, wie sich der Winter auf deren Alltag auswirkt. Was hat Sie bei diesen Gesprächen am meisten überrascht, und gab es eine bestimmte Geschichte, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Arntzen: Was uns am meisten überrascht hat, ist, wie sehr der Winter und die eisigen Bedingungen die Fähigkeit der Menschen beeinträchtigten, ihre Wohnungen zu verlassen. Die soziale Isolation war in vielen Fällen eine Folge von Klima und Wetter, insbesondere bei denjenigen, die bereits einen Sturz erlebt hatten und die allein lebten (möglicherweise nach dem Verlust eines Partners, einer Stütze bei den täglichen Besorgungen).

Wir waren zudem überrascht, dass davon auch ältere Menschen betroffen waren, die nach außen hin sehr leistungsfähig wirkten und über zahlreiche Ressourcen verfügten. Unser Bericht „Ageing in the Arctic“ wurde bei seiner Veröffentlichung im Stadtrat diskutiert. Norwegens damals ältestes Stadtratsmitglied, die 92-jährige Agnete Tjærandsen, berichtete dem Stadtrat, dass sie während einer besonders strengen Phase des Winters vier Wochen lang ihr Haus nicht verlassen hatte. Sie schilderte, welche Auswirkungen dies in diesem Alter auf ihr Selbstvertrauen, ihre Kraft und ihr Gleichgewicht hatte. Das war für viele ein Aha-Erlebnis, da sie geglaubt hatten, der Winter betreffe nur diejenigen, die sehr gebrechlich seien.

SBC: Eine der wichtigsten Erkenntnisse Ihrer Studie ist, dass eine Stadt im Sommer altersfreundlich sein kann, im Winter jedoch deutlich weniger barrierefrei wird. Schnee, Eis und schlecht geräumte Wege können die Vorteile einer barrierefreien Gestaltung zunichte machen. Warum wird dieser saisonale Effekt Ihrer Meinung nach in der Stadtplanung nach wie vor zu wenig beachtet? Was müsste sich ändern, um eine ganzjährige Barrierefreiheit zu gewährleisten?

Arntzen: Das ist eine sehr gute Frage, und ich kann nicht für alle sprechen. Ich habe das Gefühl, dass wir als Planer eine „Blaupause“ (Blueprint) der städtischen Strukturen im Kopf haben, und in dieser Blaupause spielen winterliche Bedingungen keine so große Rolle wie im wirklichen Leben. Ich denke, wir sollten öfter von einer „Whiteprint“ ausgehen.

Außerdem neigen wir dazu, uns an Entwürfen aus Städten zu orientieren und von ihnen inspirieren zu lassen, die ein völlig anderes Klima haben als wir. Dabei vergessen wir, diese Inspirationen ausreichend an unseren eigenen lokalen Kontext anzupassen.

Ich denke, es gibt zahlreiche Ansatzpunkte, an denen wir ansetzen können, um dies zu verbessern. Zum Beispiel:

  • den Schwerpunkt auf Wetter und Klima in den entsprechenden Ausbildungsgängen stärker in den Vordergrund rücken,
  • Wir benötigen mehr Möglichkeiten, das Wetter in den von Architekten und Landschaftsarchitekten verwendeten Werkzeugen zu visualisieren – manchmal lässt sich das tatsächliche Wetter nicht simulieren.
  • Wir müssen bei diesem Thema interdisziplinärer vorgehen, auch in finanzieller Hinsicht. Stürze und Isolation wirken sich auf den Einzelnen aus und belasten das Gesundheits- und Pflegebudget. Dies kann durch PlanerInnen, AkteurInnen im Verkehrsbereich und den Winterdienst gelöst werden. Eine bessere Erreichbarkeit im Winter erreichen wir nur durch gute Planung, durchdachte Räum- und Streuroutinen, eine gemeinsame Verantwortung von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft sowie die richtige Mittelzuweisung.
In den arktischen Regionen gehören meterhohe Schneemassen ganz einfach zum Alltag. Die Erfahrungen, die man im Umgang damit sammelt, sind auch für mildere Klimazonen von großem Wert. (Bildnachweis: Fabric+)
In den arktischen Regionen gehören meterhohe Schneemassen ganz einfach zum Alltag. Die Erfahrungen, die man im Umgang damit sammelt, sind auch für mildere Klimazonen von großem Wert. (Bildnachweis: Fabric+)
SBC: In Ihrer Studie wird ein enger Zusammenhang zwischen Sturzangst, sozialem Rückzug und Einsamkeit beschrieben. Menschen, die seltener das Haus verlassen, haben auch weniger Gelegenheiten, aktiv zu bleiben und Kontakte zu anderen zu knüpfen. Wo sehen Sie die größte Chance, diesen Kreislauf zu durchbrechen? Gibt es derzeit Beispiele für Ansätze in Bodø oder anderen norwegischen Gemeinden, die sich als besonders erfolgreich erwiesen haben?

Arntzen: Wir können hier auf so vielen Ebenen ansetzen. Dass Menschen in einem Stadtteil mit einem starken sozialen Gefüge leben, ist vielleicht das Wichtigste. Das hängt mit der Wohnungspolitik zusammen – wo und wie Menschen im späteren Lebensabschnitt leben – und damit, wie eng die Netzwerke aus Nachbarn, Freunden, Familie und Nachbarschaftsgruppen um die jeweilige Person herum geknüpft sind. Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass wir uns gegenseitig helfen können, und dürfen uns nicht allein auf öffentliche Dienstleistungen verlassen.

Als Nächstes konzentrieren wir uns darauf, die Straßen sicherer zu machen und den FußgängerInnen eine gewisse Vorhersehbarkeit zu bieten, damit sie besser wissen, was sie erwartet. Manchmal sind die Straßen geräumt, doch wenn diese Information Elsa (84), die eine Gehhilfe benutzt, nicht erreicht hat, wird sie wahrscheinlich darauf verzichten, hinauszugehen, da sie das Risiko nicht eingehen möchte. Wir haben zwei Lösungen entwickelt, die vielversprechende Ergebnisse zeigen:

  • Eine Kartierungsstudie zu Sturzunfällen, die geografische Informationen darüber liefert, wo Stürze auftreten und warum – Informationen, die der Stadt dabei helfen können, gefährliche Bereiche zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
  • Barrierefreie Wege: Wege, denen aufgrund wichtiger Treffpunkte und Verkehrsanbindungen für die Bevölkerung eine höhere Priorität eingeräumt wird.
  • Ein weiterer Aspekt sind Verkehrsmittel, die mangelnde Barrierefreiheit ausgleichen können.
SBC: In Ihrer Studie gaben alleinlebende Menschen häufiger an, sich unsicher und einsam zu fühlen. Die Interviews zeigen zudem, dass ältere Witwer Anlass zu besonderer Sorge geben, vor allem in Bezug auf Ernährung und soziale Kontakte. Was bedeutet das für die Gestaltung von Unterstützungsangeboten? Wie können Kommunalbehörden und Gemeinden Menschen erreichen, die selbst selten Hilfe in Anspruch nehmen?

Arntzen: Ich bin der Meinung, dass wir den Menschen in den großen Lebensübergängen, auch im höheren Alter, mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Als Gesellschaft sind wir uns einig, dass beim Übergang zur Elternschaft oder beim Kauf des ersten Eigenheims beispielsweise Hilfe benötigt werden kann.

Der Ruhestand kann eine große Umstellung bedeuten, mit einem Verlust an Selbstständigkeit und vielleicht insbesondere dem Verlust eines lebenslangen Partners – sei es durch Scheidung, Krankheit oder Tod. Ich denke, wir müssen uns stärker darum bemühen, die Bedürfnisse der Menschen zu verstehen und auch in den späteren Lebensphasen Alternativen anzubieten, um Brücken zu neuen Beziehungen, Gemeinschaften und Unterstützungsangeboten zu schlagen, die man nicht unbedingt von sich aus suchen würde.

Welche konkreten Dienstleistungen oder Angebote es gibt, hängt vom Dienstleistungsmix, den dort tätigen Institutionen und Organisationen sowie den Bedürfnissen der jeweiligen Bevölkerung ab. Ich glaube an Versuch und Irrtum sowie an iterative Prozesse, um die Auswirkungen des eigenen Handelns zu verstehen. Und natürlich an Partnerschaften. Es gibt viele, die Unterstützung leisten könnten, und diese Entscheidungen müssen vor Ort getroffen werden.

SBC: In Ihrer Studie werden Vorsorgeleistungen als besonders anfällig für Kürzungen beschrieben, wenn Kommunen ihre Ausgaben senken müssen. Gleichzeitig können Stürze die Selbstständigkeit einer Person nachhaltig beeinträchtigen und zu erheblichen langfristigen Kosten führen. Welche Leistungen sollten Kommunen auch bei knappen Haushaltsmitteln unbedingt erhalten?

Arntzen: Es gibt so viele Möglichkeiten, präventive Dienste anzubieten, und es gibt keine allgemeingültige Antwort darauf, welche Dienste die beste Wirkung erzielen. Ich halte Vorhersehbarkeit für wichtiger – damit sich bestimmte Dienste in Ruhe weiterentwickeln, die Bedürfnisse der Bevölkerung kennenlernen und ihre Teams stärken können, anstatt ständig die Angst vor Kürzungen zu haben. Um zu wissen, in welche Dienste investiert werden soll, muss zudem ein Zusammenhang zwischen den Aufwendungen und den Ergebnissen im Zeitverlauf bestehen.

Präventive Maßnahmen haben oft große Auswirkungen, von denen niemand etwas weiß – daher ist es äußerst wichtig, dass sie ihre Arbeit und das Feedback dazu den Entscheidungsträgern gegenüber deutlich machen, um ihre eigenen Überlebenschancen zu stärken.

SBC: Wie können sich ältere Menschen gemeinsam mit ihren Angehörigen oder anderen ihnen nahestehenden Personen auf den Winter vorbereiten, damit sie sich sicher fortbewegen, ihre alltäglichen Bedürfnisse decken und soziale Kontakte pflegen können? Welche praktischen Maßnahmen würden Sie dabei besonders empfehlen?

Arntzen: Ich bin fest davon überzeugt, dass es wichtig ist, in das soziale Gefüge des Stadtviertels zu investieren. Es gilt, Anreize für Nachbarschaftsgruppen und Aktivitäten zu schaffen, die das gegenseitige Kennenlernen erleichtern und Hilfe sowie Unterstützung auf der nachbarschaftlichen Ebene organisieren. Zumindest in Norwegen ziehen wir uns zunehmend in unsere eigenen vier Wände zurück und entfernen uns vom Gemeinschaftsleben, was die Abhängigkeit von unserem engsten Umfeld und von öffentlichen Dienstleistungen erhöht. Dies erhöht auch die Chance, bei den lokalen Behörden Gehör zu finden, falls schwerwiegende Probleme mit der Barrierefreiheit bestehen.

Ich halte zudem gute Wohn- und Lebensbedingungen für sehr wichtig. Es bedarf guter Modelle, um den Übergang zu barrierefreien Gebäuden mit geringeren Anforderungen, besserer Verkehrsanbindung und geringerem Wartungsaufwand zu ermöglichen. Oft fehlen uns jedoch gute Modelle oder Anreize, um diesen Übergang rechtzeitig zu vollziehen.

SBC: Welche Herausforderungen sehen Sie angesichts Ihrer Studie für die Kommunen in den kommenden Jahren?

Arntzen: Die meisten Gemeinden werden mit der Herausforderung einer alternden Bevölkerung und einem Mangel an Pflegekräften konfrontiert sein. Der Wettbewerb um Menschen im erwerbsfähigen Alter ist hart, daher dürfen wir nicht in die Falle tappen, uns ausschließlich auf die ältere Bevölkerung zu konzentrieren. Wir brauchen Gemeinden, die eine hohe Lebensqualität über den gesamten Lebensverlauf hinweg anstreben, in denen Kinder sicher aufwachsen können und junge Menschen Chancen sehen, sich niederzulassen. Die Herausforderung besteht darin, all diese Bedürfnisse in einem wirtschaftlich unsichereren Umfeld in Einklang zu bringen. Ich glaube, die „Gewinner“ werden diejenigen sein, die es wagen, innerhalb engerer Rahmenbedingungen innovativ zu sein – auf der Grundlage eines guten Verständnisses für die Bedürfnisse ihrer Bevölkerung.

Vielen Dank für das Interview!

Siri Arntzen beschäftigt sich mit der Entwicklung von Orten, vor allem mit den Aktivitäten in und um Gebäude herum: Wie lässt sich die lokale Wirtschaft stärken, das Dienstleistungsangebot verbessern und sowohl die Attraktivität als auch die Inklusion fördern? Sie lebt in Bodø und leitet Fabric+, ein Team aus Designern, Fachleuten für Wirtschaftsentwicklung, Planern und Architekten, das an Projekten in den arktischen Regionen arbeitet.

Sie verfügt über einen Master-Abschluss in „Local Economic Development“ von der London School of Economics, einen BSc in „Societal Security“ von der UiT – der Arktischen Universität Norwegens – sowie einen Abschluss in Fotografie. Sie lebte und arbeitete fünf Jahre lang in London, bevor sie zurück in den Norden zog. Für sie ist dies eine der spannendsten Regionen der Welt, um ihre Arbeit auszuüben. Erfahren Sie hier mehr über Fabric+

Diagnosestudie: Altern in der Arktis

Warum kann eine Stadt im Sommer barrierefrei sein, im Winter jedoch nicht?

Barrierefreies Design wie ebene Wege und abgesenkte Bordsteinkanten funktioniert unter trockenen Bedingungen gut, doch Schnee, Eis und schlecht geräumte Wege machen diese Vorteile zunichte. Planer haben oft einen mentalen „Entwurf“ der Stadt im Kopf, in dem winterliche Bedingungen unterrepräsentiert sind, sodass der saisonalen Barrierefreiheit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Eine ganzjährige Barrierefreiheit erfordert einen „Whiteprint“, der von Anfang an den Winter einbezieht, kombiniert mit durchdachten Räum- und Streuverfahren sowie einer gemeinsamen Verantwortung von öffentlichen und privaten Akteuren.

Inwiefern führt winterliches Wetter zu sozialer Isolation bei älteren Menschen?

Vereiste Gehwege, nicht geräumte Straßen und die Angst vor Stürzen halten ältere Menschen davon ab, das Haus zu verlassen – manchmal wochenlang. Dies gilt insbesondere für diejenigen, die bereits gestürzt sind und die allein leben. Eingeschränkte Mobilität bedeutet weniger Möglichkeiten, aktiv zu bleiben und Kontakte zu pflegen, sodass körperliche Einschränkung schnell zu Einsamkeit und sozialer Isolation führt – selbst bei Menschen, die ansonsten fit sind und über ein gutes soziales Netzwerk verfügen.

Was kann den Kreislauf aus Angst, Rückzug und Einsamkeit durchbrechen?

Der wichtigste Faktor ist das Leben in einem Stadtteil mit einem starken sozialen Gefüge, das eng mit der Wohnungspolitik und der Dichte lokaler Netzwerke verbunden ist. Auch die Verbesserung der Sicherheit und Vorhersehbarkeit im Straßenraum ist von Bedeutung, damit die Menschen wissen, was sie erwartet. In Bodø zeigen zwei Ansätze vielversprechende Ergebnisse: Eine Kartierungsstudie zu Sturzunfällen, mit der gefährliche Bereiche identifiziert werden, sowie die Priorisierung barrierefreier Wege auf der Grundlage wichtiger Treffpunkte und Verkehrsanbindungen.

Wie können Hilfsdienste ältere Menschen erreichen, die nur selten um Hilfe bitten?

Die Dienstleistungen sollten den Menschen, die im höheren Alter große Lebensveränderungen durchlaufen – wie beispielsweise den Ruhestand, den Verlust von Funktionsfähigkeiten oder den Verlust eines lebenslangen Partners –, mehr Aufmerksamkeit widmen. Anstatt darauf zu warten, dass die Menschen selbst Hilfe suchen, können Gemeinden Brücken zu neuen Beziehungen, Gemeinschaften und Unterstützungsangeboten schlagen. Die richtige Mischung aus Dienstleistungen hängt vom lokalen Kontext, den in der Region tätigen Organisationen und den spezifischen Bedürfnissen der Bevölkerung ab und wird durch Erprobung, Weiterentwicklung und Partnerschaften erarbeitet.

Welche Dienstleistungen sollten Kommunen bei knappen Haushaltsmitteln aufrechterhalten?

Präventive Dienste sind besonders anfällig für Kürzungen, dabei können Stürze die Selbstständigkeit nachhaltig beeinträchtigen und erhebliche langfristige Kosten verursachen. Es gibt nicht den einen richtigen Dienst, der die beste Wirkung erzielt, deshalb ist Planbarkeit wichtiger: Die Dienste brauchen die Ruhe und Stabilität, um die lokalen Bedürfnisse wirklich kennenzulernen und ihre Teams zu stärken, statt sich ständig von Kürzungen bedroht zu fühlen. Ebenso wichtig ist, dass präventive Dienste ihre Ergebnisse dokumentieren und den Entscheidungsträgern sichtbar machen, denn ihre Wirkung ist oft groß, aber kaum bekannt. Genau dadurch stärken sie ihre eigene Daseinsberechtigung.

Wie können sich ältere Menschen und ihre Familien auf den Winter vorbereiten?

Investitionen in das soziale Gefüge des Stadtviertels sind von entscheidender Bedeutung: Lokale Gruppen und Aktivitäten, die es erleichtern, einander kennenzulernen und Hilfe auf hyperlokaler Ebene zu organisieren. Gute Wohnmöglichkeiten sind ebenfalls wichtig, darunter Modelle, die einen rechtzeitigen Umzug in eine barrierefreiere Wohnung mit besserer Verkehrsanbindung und geringerem Wartungsaufwand ermöglichen. Ein starkes lokales Netzwerk verbessert zudem die Chancen, bei schwerwiegenden Barriereproblemen die lokalen Behörden zu erreichen.

Vor welchen Herausforderungen werden die Kommunen in den kommenden Jahren stehen?

Die meisten Gemeinden sehen sich mit einer alternden Bevölkerung und einem Rückgang der für Pflegeaufgaben verfügbaren Personen konfrontiert, während der Wettbewerb um Einwohner im erwerbsfähigen Alter hart ist. Die Herausforderung besteht darin, ältere Menschen zu unterstützen, ohne den Fokus ausschließlich auf sie zu richten, und Gemeinschaften mit einer hohen Lebensqualität für alle Altersgruppen zu schaffen, in denen Kinder sicher aufwachsen und junge Menschen eine Zukunftsperspektive haben. In einem wirtschaftlich instabileren Umfeld werden diejenigen „Gewinner“ sein, die es wagen, innerhalb engerer Grenzen innovativ zu sein – auf der Grundlage eines fundierten Verständnisses der Bedürfnisse ihrer Bevölkerung.

Anja Herberth
Author: Anja Herberth

Chefredakteurin

Tags: Gesund alternKommunen & Strukturen
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