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Im Alter auswandern und die Pension an einem malerischen, warmen Ort irgendwo im Nirgendwo verbringen. Die Grillen zirpen am Abend, die sanfte Meeresbrise spielt mit dem Haar. Wer träumt diesen Traum nicht: Dort wohnen, wo andere ihren Urlaub verbringen. Aber funktioniert altersgerecht Wohnen in dieser Immobilie und Umgebung auch noch, wenn wir hochbetagt sind und gesundheitliche Einschränkungen dazukommen? Denn was in jungen Jahren nach Urlaubsidylle aussieht, wird mit zunehmendem Alter schnell zur Hürde.
Michael Planck beschäftigt sich genau mit diesen Herausforderungen: Der Oberösterreicher arbeitete viele Jahre als Immobilienmakler in Deutschland. Seit fast sechs Jahren lebt er an der spanischen Costa Blanca und berät dort Menschen, die ihr Haus altersgerecht umbauen oder eine für die Pension passendere Immobilie finden möchten.
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Im Gespräch mit uns erklärt er, woran die spanischen Alterswohnsitze typischerweise scheitern, wann sich ein Umbau lohnt und warum Mobilität vor Ort ein ganz eigenes Thema ist.
Was Sie in diesem Interview erwartet
- Warum Häuser im Alter Herausforderungen bereiten,
- welche Schwachstellen bei Treppen, Türen, Licht und Bad am häufigsten sind,
- wann sich ein Umbau lohnt und wann ein Verkauf die bessere Wahl ist,
- worauf es bei Notrufsystemen und Smart Home ankommt,
- wie es um Mobilität und Versorgung ohne Auto steht.
SBC: Herr Planck, Sie haben lange als Immobilienmakler gearbeitet. Wie sind Sie zur Beratung für altersgerechtes Wohnen an der spanischen Costa Blanca gekommen?
Planck: Ich bin seit vielen Jahren in der Immobilienbranche tätig und erlebe immer häufiger, dass Auswanderer im Ruhestand mit ihrer Immobilie an Grenzen stoßen. An der Costa Blanca gibt es zwar Pflege, aber niemanden, der zum altersgerechten oder bedarfsgerechten Umbau berät. Diese Lücke war für mich der Anlass, mein Unternehmen neu auszurichten.
Dabei kann ich auf ein Netzwerk aus Handwerkern und Firmen zurückgreifen, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite, und ergänze es nun um Kontakte zu Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten. Weil ich den Markt sehr gut kenne, weiß ich, wo die typischen Probleme liegen und welche Unterstützung die Menschen tatsächlich brauchen.
SBC: Welche typischen Herausforderungen sehen Sie in Ihrer Praxis?
Planck: Die SpanierInnen wohnen meist im Dorf oder im Ort, während AuswanderInnen in den sogenannten Urbanisationen an den Hängen leben. An der Costa Blanca gibt es zahlreiche steile Klippen, die sogar ganz gezielt mit Häusern und Wohnanlagen für AuswanderInnen bebaut wurden. Diese sind oft in die Hänge hineingebaut und ziehen sich meist über zwei oder drei Stockwerke. Oft geht man auf der einen Seite zwei Stockwerke hinunter und auf der anderen wieder hinauf. Solange man fit ist, hält einen das in Bewegung, aber wenn ein gesundheitliches Problem dazukommt, wird es schwierig.
Bei der Auswahl der Wohngegenden geht es ja häufig um die Lebensqualität oder auch die spektakulären Ausblicke von diesen Hügeln. Zu diesem Zeitpunkt sind die KundInnen ja noch fit, Pflege und Unterstützung werden da häufig nicht mitgedacht. Die Probleme fangen an, wenn die medizinischen Herausforderungen dazukommen.
SBC: Wo sehen Sie ganz konkret die größten Hürden für ein Leben im Alter?
Planck: An erster Stelle steht, wie schon angedeutet, wegen der Hanglage die Vielzahl an Treppen. An zweiter Stelle kommen die schmalen Durchgänge, denn Türen werden hier in Spanien eher klein gebaut, und das beginnt oft schon beim Zugang zum Haus. Das ist für Rollatoren und Rollstühle ein großes Problem.
Auch die Fenster sind wegen der Sonne meist klein, um die Hitze erst gar nicht in die Häuser zu lassen. Dadurch und durch das dunkle Holz, das in spanischen Häusern typicherweise verbaut ist, wird die Beleuchtung zum großen Thema. Wer nachts vom Schlafzimmer ins Bad möchte, sollte den Weg finden, ohne zu stürzen oder die volle Festbeleuchtung einschalten zu müssen.
Große Herausforderungen sehe ich auch in den Bädern. Sie sind oft sehr eng gebaut, und meist steht dort auch noch die Waschmaschine. Platz und Bewegungsfreiheit sind sehr eingeschränkt. Häufig befindet sich auch die Badewanne direkt vor dem Fenster. Das ist meist die einzige Stelle, an der das Fenster gemacht werden konnte, da die Bäder sehr klein sind. Bei Neubauten ist es auch der unglaubliche Ausblick, den man von der Badewanne aus hat. Wenn man daraus allerdings eine barrierefreie Dusche machen will, ist das Fenster sehr ungünstig gelegen und nur erreichbar, wenn man in die Dusche steigt. Dazu kommt noch, dass wenn die Dusche genau dort installiert wird, wo die Badewanne stand, es nur einen kleinen Einstieg in die Dusche gibt und dies somit mit einer Gehhilfe oder gar einen Rollstuhl nicht erreichbar ist.
Die eigentliche Aufgabe besteht für mich also darin, den Raum so zu ordnen, dass man auf kurzem Weg zur Dusche, zum Waschbecken und zum WC kommt und trotzdem Platz hat, sich zu bewegen. Die Maße aus den DIN-Normen lassen sich dabei meist gar nicht erreichen.
SBC: Das klingt ganz danach, dass Barrierefreiheit beim Bau dieser Wohnanlagen und Häuser keine Rolle gespielt hat.
Das Bewusstsein für barrierefreies, altersgerechtes Bauen und Sanieren ist weder bei den AuswanderInnen, noch im Immobiliensektor vorhanden. Ich komme auch heute noch in komplett neu gebaute Häuser und sehe Duschen, in die man nur hineinsteigen kann, wenn man schlank und gut beweglich ist. Oder Treppen, die sehr schmal sind, nur damit im Wohnzimmer mehr Platz ist.
Es gibt zwar Anbieter, die von Barrierefreiheit sprechen, aber eher Schöner Wohnen meinen und keine durchdachten Konzepte haben. Das führt im Alter zu großen Herausforderungen.
SBC: Das klingt nach sehr viel Investitionsbedarf. Lohnt sich ein Umbau immer, oder ist ein Verkauf manchmal die bessere Entscheidung?
Planck: Das ist die erste Frage, die es zu beantworten gilt: Soll saniert oder verkauft werden? Wenn das Haus im Alter nicht funktioniert und ein Umbau auf Grund der notwendigen Investitionen keinen Sinn macht, dann kann man überlegen, etwas Passenderes zu kaufen. Oder man verkauft das Haus und entscheidet sich für ein Pflegeheim. Hier helfe ich bei der Entscheidungsfindung.
Ist diese Frage geklärt und wird saniert, geht es darum, die Häuser so zu gestalten, dass man – auch mit ambulanter Pflege – so lange wie möglich darin wohnen kann. Ich rate grundsätzlich, möglichst früh anzufangen und einen ohnehin geplanten Umbau gleich so zu konzipieren, dass die spätere Lebensphase mitgedacht wird.
SBC: Welche Rolle spielen Notrufsysteme und Smart Home in Ihrer Beratung?
Planck: Das ist immer ein Knackpunkt in der Beratung. Auf der einen Seite haben viele KundInnen das Gefühl, von diesen Technologien überwacht zu werden. Auf der anderen Seite brauchen sie Hilfe.
Für mich ist wichtig, Smart Home-Lösungen genau auf die Person abzustimmen. Die Technik darf nicht kompliziert sein, sollte möglichst unabhängig im Hintergrund laufen und im Notfall zuverlässig Hilfe holen. Bedenken muss man außerdem, dass die Rettungskette und der Transport hier länger dauern können und es einen Unterschied macht, ob man privat oder gesetzlich versichert ist. Viele Häuser liegen an steilen Hanglagen oder etwas außerhalb, mit schmalen Zufahrten und Treppen bis zum Eingang. Oft fehlen genaue Ortskenntnisse, weshalb eine klar hinterlegte Adresse und Informationen zum Zugang bei einem Notruf besonders wichtig sind. Auch ist es wichtig, dass die Rettungskräfte sofort beim Eintreffen wissen, wenn ein Patient privat versichert ist, dass er auch ohne Umwege ins richtige Krankenhaus kommt.
SBC: Wie abhängig ist man in diesen ländlichen Gebieten vom Auto? Wie mobil ist man an der Costa Blanca, wenn man nicht mehr Auto fahren kann oder will?
Planck: In den meisten Regionen hier braucht man ein Auto, außer man wohnt wirklich mitten in der Stadt. Gerade in den Urbanisationen am Berg ist ohne Auto kaum etwas zu machen. Was oft nicht bedacht wird: In Spanien muss der Pkw-Führerschein ab 65 Jahren in der Regel alle fünf Jahre verlängert werden. Dazu gehört eine medizinische Eignungsuntersuchung, bei der unter anderem Seh- und Hörvermögen sowie Koordination und Reaktionsfähigkeit geprüft werden. Welche Fristen im Einzelfall gelten, hängt von verschiedenen Faktoren wie Gesundheitszustand, Wohnsitz und Ausstellungsland des Führerscheins ab.
Taxis gibt es viel zu wenige, und bei uns in Moraira wartet man abends schon einmal eine Stunde, bis wieder eines am Standplatz steht. Sie dürfen nicht vergessen: Wir leben hier auf dem Land in Orten mit 10.000 oder 20.000 Einwohnern, in denen sich im Sommer bis zu 200.000 Menschen aufhalten. Vergünstigte Fahrdienste für ältere Menschen wie die Stadttaxis in Österreich kenne ich hier nicht. Eventuell gibt es sie in manchen Städten. Es gibt aber natürlich Supermärkte, die nach Hause liefern.
SBC: Wenn Sie zehn Jahre in die Zukunft blicken, wie sollte altersgerechtes Wohnen an der Costa Blanca dann aussehen, und was können AuswandererInnen und ihre Familien schon heute dafür tun?
Ich wünsche mir, dass wir in zehn Jahren bei einem Kauf oder einer Renovierung selbstverständlich mitdenken, wie das Leben in diesem Zuhause später aussehen kann. Altersgerechtes Wohnen sollte dabei so gestaltet sein, dass man sich wohlfühlt und möglichst lange selbstständig bleiben kann. Dazu gehört an der Costa Blanca auch die Lage: Wie funktioniert mein Alltag, wenn ich irgendwann nicht mehr Auto fahren kann?
AuswandererInnen und ihre Familien können heute schon gemeinsam überlegen, was dann wichtig wäre. Wer ohnehin das Bad erneuert oder den Zugang zum Haus verändert, sollte sich vorher beraten lassen. Vieles lässt sich dabei mit vorbereiten, was später einen erneuten Umbau erfordern würde. Ich würde niemandem raten, sein ganzes Haus vorsorglich umzubauen. Aber bei Veränderungen, die jetzt anstehen, lohnt es sich, ein Stück vorauszudenken.
Vielen Dank für das Gespräch!
Michael Planck arbeitete viele Jahre als Immobilienmakler in Deutschland, seit fast sechs Jahren lebt er an der spanischen Costa Blanca. Er ist vor Ort als Immobilienmakler tätig und berät zum altersgerechten Umbau von Häusern und Wohnungen. Mehr Informationen unter planck-immobilien.com
Warum werden Alterswohnsitze wie z.B. an der Costa Blanca im Alter zum Problem?
Viele Häuser von Auswanderern liegen in sogenannten Urbanisationen an steilen Hängen und erstrecken sich über zwei oder drei Stockwerke. Dazu kommen schmale Türen, kleine Fenster und dunkles Holz, wodurch Treppen, Durchgänge und schlechte Beleuchtung mit zunehmendem Alter zur Hürde werden.
Was ist in spanischen Bädern beim altersgerechten Umbau oft schwierig?
Die Bäder sind oft sehr eng, beherbergen häufig zusätzlich noch die Waschmaschine, und die Badewanne steht meist direkt vor dem einzigen Fenster. Wird dort eine Dusche eingebaut, bleibt oft nur ein schmaler Einstieg, der mit Gehhilfe oder Rollstuhl nicht erreichbar ist.
Lohnt sich ein altersgerechter Umbau oder ist ein Verkauf besser?
Das ist laut Michael Planck die erste Frage, die geklärt werden sollte. Ist ein Umbau wegen der nötigen Investitionen nicht sinnvoll, kann der Kauf einer passenderen Immobilie oder ein Umzug in ein Pflegeheim die bessere Wahl sein. Wer ohnehin umbaut, sollte die spätere Lebensphase von Anfang an mitdenken.
Worauf sollte man bei Notrufsystemen achten?
Die Technik sollte einfach sein, unauffällig im Hintergrund laufen und im Notfall zuverlässig Hilfe holen. Weil viele Häuser abgelegen oder an Hängen liegen, sind eine klar hinterlegte Adresse und Informationen zum Zugang besonders wichtig.
Muss man den Führerschein in Spanien im Alter verlängern?
Ja, ab 65 Jahren muss der Pkw-Führerschein in Spanien in der Regel alle fünf Jahre verlängert werden, verbunden mit einer medizinischen Eignungsuntersuchung. Die genauen Fristen hängen vom Gesundheitszustand, vom Wohnsitz und vom Ausstellungsland des Führerscheins ab.











