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Das Wort Pflegebett ruft bei den meisten dasselbe Bild hervor: Ein metallenes Krankenhausbett, technisch, kühl, mit hochgezogenen Seitengittern. Kein Wunder, dass viele sich innerlich dagegen sträuben. Denn wer ein solches Bett im eigenen Wohnzimmer stehen sieht, fühlt sich schnell an Krankenhaus-Charme erinnert.
Dabei entscheidet gerade das Bett über sehr viel im Alltag: Ob jemand alleine aufstehen und zur Toilette gehen kann oder auf Hilfe warten muss, ob man am Familienleben teilnimmt.
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Welche Arten von Pflegebetten gibt es? Worauf kommt es bei der Wahl an – und warum spielt die Optik eine größere Rolle, als man denkt? Diese Fragen beantworten uns zwei InterviewpartnerInnen, die seit Jahrzehnten nichts anderes tun, als Betten zu entwickeln: Und zwar im Familienbetrieb Mühle im hessischen Raum um Limburg an der Lahn. Das Unternehmen hat sich früh auf Sonderlösungen im Pflegebereich spezialisiert – abseits der großen Klinikbett-Hersteller.
Ein Gespräch über die Möglichkeiten – mit Nadine Mühle und Dennis Ontyd, er ist seit 2008 in Technik und Vertrieb aktiv.
SBC: Wie hat sich der Markt für Pflegebetten in den letzten Jahren verändert? Spüren Sie im Vertrieb bereits den demografischen Wandel?
Ontyd: Ja, deutlich. Die Versorgung verlagert sich immer stärker nach Hause. Früher gingen mehr Menschen ins Pflegeheim – heute pflegen viele ihre Angehörigen in den eigenen vier Wänden – auch, weil das Heim für viele schlicht nicht mehr leistbar ist. In Deutschland liegt der Eigenanteil inzwischen bei rund 3.800 Euro im Monat, während die Renten nicht mithalten. In Österreich gibt es diesen Selbstbehalt in dieser Form nicht – dafür schlägt eine 24-Stunden-Betreuung ähnlich zu Buche.
Mühle: Die eigentliche Hürde liegt woanders: Vielen ist gar nicht bewusst, dass es jenseits des klassischen Pflegebetts überhaupt Alternativen gibt. Und gegen dieses eine vertraute Bild sträubt sich innerlich alles – weil man sich, kaum steht so ein Bett im Raum, sofort krank fühlt.
SBC: Sie legen großen Wert darauf, dass Ihre Betten nicht nach Klinik aussehen. Warum ist die Optik so wichtig?
Mühle: Weil niemand ein Krankenhaus im eigenen Zuhause haben möchte. Sehr oft steht das Bett im Wohnzimmer – nicht abgeschottet im Schlafzimmer im ersten Stock, sondern mitten im Familienleben. Wenn dann auch noch alles nach Klinik aussieht, erschlägt einen das förmlich: die Technik, eine Magensonde. Das sind nun einmal keine schönen Dinge – und sie gehören nicht ungefiltert in den Wohnraum.
Ontyd: Gerade für Menschen, die viel Zeit im Bett verbringen, sind Komfort und ein schönes Design kein Luxus: Sie bewahren ein Stück Normalität, statt den Menschen auf seine Krankheit zu reduzieren.
Deshalb kann man bei uns das Dekor frei wählen – vom warmen Holzton bis zu modernen Farben, ganz nach Wunsch. Ich habe sogar schon einen pinken, magentafarbenen Bettrahmen gebaut, für einen jungen Kunden, der es sich genau so wünschte.
SBC: Welche Arten von Pflegebetten gibt es – und wann passt welches?
Ontyd: Das hängt immer von der Situation ab. Wer zu Stürzen neigt oder an Demenz erkrankt ist, für den sind Niedrigbetten interessant: Man fährt das Bett in die unterste Position, keine 20 Zentimeter über dem Boden. So kann kaum etwas passieren, wenn jemand herausrollt – und niemand muss mehr eingesperrt werden, wie früher hinter hochgezogenen Seitengittern.
Ein Sitz- und Aufstehbett richtet sich an Menschen, die aus eigener Kraft nicht mehr aus dem Bett kommen. Es funktioniert im Grunde wie ein Fernsehsessel, der sich aufrichtet. Viele schlafen irgendwann nur noch im Sessel, weil der Weg ins Bett nicht mehr gelingt – und sind erleichtert, wenn sie so ins Schlafzimmer zurückkehren können. Und schließlich gibt es Umlagerungsbetten gegen das Wundliegen: Sie lagern automatisch um, indem sie sich stufenlos auf einen eingestellten Winkel neigen, in Intervallen von 30, 60 oder 90 Minuten – und das leise, ohne den lauten Kompressor, den viele von den Wechseldruckmatratzen fürchten.
Ausschlaggebend ist immer die Indikation: Wo genau liegt das Problem? Bei einer Muskel- oder Nervenerkrankung fehlt oft die Kraft zum Aufstehen – das verlangt ein anderes Bett als beispielsweise eine ausgeprägte Sturzgefahr.
SBC: Ein Pflegebett bedeutet ja meist, dass langjährige Ehepaare nicht mehr im selben Bett schlafen können. Gibt es auch Lösungen für ein Doppelbett?
Ontyd: Für diesen Fall gibt es eine Integrationslösung: Die Aufsteh-Mechanik wird so in das bestehende Ehebett eingebaut, dass man sie ihm nicht ansieht. Für viele macht das einen großen Unterschied. Das vertraute Bett muss weder zersägt noch weggeworfen werden, und der Partner oder die Partnerin schläft weiterhin daneben.
Für die Planung genügt eine Zeichnung mit den einzuhaltenden Maßen; anhand dieser Angaben passen wir das Angebot passgenau an.
SBC: Gibt es für die Auswahl auch Unterstützung? Das sind viele Kriterien, die man vor einem Kauf beachten muss.
Mühle: Mein wichtigster Rat: Nicht blind kaufen. Gerade am Anfang haben viele teuer das Falsche erworben, weil sie nicht wussten, worauf es ankommt – und oft nicht einmal, dass die Krankenkasse sich beteiligen kann.
Am Beginn sollte immer die Frage stehen, was der Mensch wirklich braucht. Genau das lässt sich vorab klären: In Deutschland kommt das Sanitätshaus oder unser eigener Außendienst kostenlos ins Haus und bringt das Bett zum Ausprobieren mit. Auch in Wien können unsere Betten beim Wiener Roten Kreuz angesehen und ausprobiert werden.
Denn nichts ist ärgerlicher, als ein Bett zu liefern, das am Ende nicht passt. Probieren Sie es also vorher aus – in einer Ausstellung oder bei sich zu Hause.
SBC: Gibt es bauliche Dinge im Raum, die man beachten muss?
Ontyd: Ja, einige. Man braucht mehrere Steckdosen, denn die Funktionen benötigen Strom. Über dem Aufstellort sollte keine Dachschräge liegen, weil sich diese Betten nach oben fahren lassen.
Dort, wo das Bett zur Seite ausschwenkt, sollten etwa 60 Zentimeter frei bleiben, und auch zur Wand braucht es Abstand. Damit von vornherein alles passt, arbeiten wir mit einem Erfassungsbogen: Sind die Maße eingetragen, stimmen wir das Angebot genau auf den Raum ab.
SBC: Wie sieht es mit der Finanzierung aus?
Mühle: In Deutschland läuft vieles über die Krankenkasse. In Österreich unterscheiden sich die Förderungen von Bundesland zu Bundesland – das macht es mühsamer.
Was mich dabei stört: Wer jahrelang einzahlt und dann etwas benötigt, stößt oft auf Widerstände und viel Bürokratie – das beginnt bei der Verhinderungspflege und endet beim Bett. Wer alt und allein ist und niemanden an seiner Seite hat, steigt da kaum durch. Dabei ist es am Ende auch für die Kasse günstiger, wenn ein Mensch mobil bleibt und weniger zusätzliche Pflege braucht.
SBC: Die Zahl der Hochbetagten wächst stark. Verändert das Ihre Produkte – und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ontyd: Bei den Betten selbst wird sich vor allem beim Zubehör einiges tun. Die Motoren werden besser, und die Bedienung geht in Richtung Bluetooth sowie Augen- und Umfeldsteuerung – damit auch schwer erkrankte Menschen ihr Bett noch selbst steuern können.
Und darin liegt auch mein Wunsch: Dass mehr in die Pflege investiert wird, dass Menschen besser aufgeklärt werden und dass Anträge rascher genehmigt werden. Ein Pflegebett und Unterstützung zu bekommen sollte einfacher und transparenter werden – ohne dass man sich durch die gesamte Bürokratie kämpfen muss. Gerade das Bett entscheidet darüber, wie mobil man trotz Einschränkungen ist.
Der Markt wird wachsen, es werden immer mehr ältere Menschen. Doch gerade jene mit wenig Geld dürfen nicht diejenigen sein, die am Ende ohne die Versorgung und Unterstützung dastehen, die eigentlich möglich wäre.
Vielen Dank für das Gespräch!
Der Familienbetrieb Mühle im hessischen Raum um Limburg an der Lahn hat sich auf Sonder- und Komfortlösungen im Pflegebereich spezialisiert – vom Niedrig- über das Aufsteh- bis zum Umlagerungsbett, auf Wunsch auch integriert in ein bestehendes Doppelbett. Die Betten lassen sich an mehreren Standorten in Deutschland sowie in Wien (beim Wiener Roten Kreuz) ansehen und ausprobieren. Weitere Informationen unter der Homepage https://www.muehle-mueller.de.
Author: Anja Herberth
Chefredakteurin















