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Wer barrierefrei plant, denkt meist zuerst an bodengleiche Duschen, Haltegriffe oder Rampen. Türen geraten dabei oft in den Hintergrund – obwohl sie im Alltag entscheidend dafür sind, ob Menschen selbstständig in ein Gebäude oder ein Zimmer gelangen können.
Besonders deutlich wird das in kleinen Räumen. Gerade Badezimmer sind in vielen Wohnungen knapp bemessen und zusätzlich durch Waschmaschine, Badewanne oder Möbel verstellt. Eine klassische Tür (im Interview: ‚Drehflügeltür‘) braucht hier viel Schwenkfläche – genau dort, wo Menschen mit Rollator oder Rollstuhl oft Bewegungsraum brauchen, um den Türdrücker überhaupt erreichen und die Tür öffnen zu können.
Wir sprechen mit Peter Bischoff, General Manager von Küffner: Einem deutschen Familienunternehmen, das die barrierefreie Raumspartür bereits vor mehr als 30 Jahren entwickelt hat. Im Gespräch erklärt er, wie aus einer Anwendungslösung für Menschen mit Rollstuhl eine vielfach ausgezeichnete barrierefreie Türlösung wurde – und worauf es bei der Wahl der richtigen Tür wirklich ankommt.
SBC: Herr Bischoff, Küffner steht eigentlich für Aluminiumzargen – das ist ein Türrahmen aus Aluminium, in den eine Tür eingehängt wird. Wie kam es dann zur barrierefreien Tür?
Bischoff: Das stimmt, unsere Geschichte beginnt tatsächlich an einem anderen Punkt. Unser Firmengründer Reinhold Küffner – er ist heute 82 Jahre alt – hatte vor 54 Jahren die Idee, eine korrosionsbeständige Zarge für den Nassbereich zu entwickeln. Damals war der Schwimmbadbau groß im Kommen, und die ersten Versuche mit wasserfest verleimten Spanplatten, die mit Aluminium belegt wurden, quollen durch die Feuchtigkeit auf. Daraus entstand die Idee, die Zarge stattdessen aus purem Aluminium zu fertigen. Das war der Grundstein des gesamten Unternehmenserfolgs – und die Basis, auf der dann auch die Raumspartür entstehen konnte.
Unsere Aluminiumzargen als auch weitere Produkte aus unserem Haus sind übrigens auch im deutschen Bundestag und im neu renovierten österreichischen Parlament zu finden.
Die Raumspartür haben wir vor mehr als 30 Jahren auf den Markt gebracht. Damals war der Begriff Barrierefreiheit noch gar nicht etabliert, deshalb hieß unsere Entwicklung seinerzeit Behinderten- und Raumspartür. Ein wichtiger Meilenstein kam dann 2002 mit dem Behindertengleichstellungsgesetz in Deutschland, das den Begriff der Barrierefreiheit erstmals klar gesetzlich definierte.
Unsere Falt-Dreh-Tür wurde schon 1994 mit dem Roten Punkt des Design Zentrums Essen ausgezeichnet, dem Vorläufer des heutigen red dot design award. Und 2004 war sie die erste Tür überhaupt, die als „DIN-geprüft barrierefrei“ zertifiziert wurde. Dass die Raumspartür dabei tatsächlich die geringsten Bewegungsflächen für Rollstuhl und Rollator benötigt, behaupten wir nicht nur, sondern haben wir mit dem IHD in Dresden (Anmerkung: Institut für Holztechnologie) wissenschaftlich untersuchen lassen. Dort wurde ein Raum mit Drehflügeltür, Schiebetür und Raumspartür ausgestattet, von oben gefilmt und mit echten achtzigjährigen Rollator- und RollstuhlnutzerInnen getestet. Die Raumspartür schnitt dabei am besten ab.
Neben der Raumspartür haben wir übrigens zwei weitere barrierefreie Türlösungen entwickelt: Eine Fingerschutztür für Kindergärten, die wir jedes Jahr für 200 bis 250 Kindertagesstätten fertigen. Und die sogenannte Klöntür, eine Art Stalltür mit geschlossenem unteren und offenem oberen Teil, die wir speziell für Demenzeinrichtungen entwickelt haben.
SBC: Die meisten Menschen denken bei einer barrierefreien Tür zuerst an die Türbreite, damit man auch mit einem Rollator oder Rollstuhl durchkommt. Gibt es noch Aspekte, die man beachten sollte?
Bischoff: Die Türbreite ist zweifellos wichtig – die Norm gibt im öffentlichen Raum 90 Zentimeter vor, im Privatbereich 85 cm. Aber am Ende zählt nicht die Norm, sondern der Mensch, der den Komfort haben soll. In den meisten Fällen reichen auch 80 oder sogar 75 Zentimeter. Die Durchgangsbreite alleine macht eine Tür aber noch nicht barrierefrei.
In der Praxis geht es vor allem darum, wie komfortabel und sicher sich eine Tür im Alltag bedienen lässt. Ebenso wichtig sind geringe Bedienkräfte und eine intuitive Handhabung. Eine barrierefreie Tür sollte sich leicht öffnen und schließen lassen und keine komplizierten Bewegungsabläufe erfordern. Schließlich soll sie für alle NutzerInnen gleichermaßen komfortabel funktionieren – unabhängig von Alter oder von den körperlichen Voraussetzungen.
Bei den weiteren Kriterien spielt natürlich Sicherheit eine Rolle. Fingerschutz oder eine integrierte Notöffnungsfunktion sind insbesondere in Pflegeeinrichtungen oder barrierefreien Sanitäranlagen wichtig. Die Tür muss sich auch von außen öffnen lassen, wenn zum Beispiel eine Person dahinter stürzt und Hilfe braucht.
Gleichzeitig darf Barrierefreiheit heute nicht im Widerspruch zu Architektur und Gestaltung stehen. Bauherren und ArchitektInnen erwarten Lösungen, die funktional überzeugen und sich gleichzeitig harmonisch in das Gebäudedesign einfügen.
Barrierefreiheit entsteht deshalb immer aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren: Ausreichende Durchgangsbreite, geringer Platzbedarf beim Öffnen, ergonomische Bedienbarkeit, Sicherheit und eine durchdachte Integration in das Gebäude. Erst wenn all diese Aspekte berücksichtigt werden, wird eine Tür den Anforderungen des Alltags wirklich gerecht.
SBC: Für wen ist Ihre Raumspartür besonders geeignet?
Bischoff: Raumspartüren sind immer dort besonders sinnvoll, wo Barrierefreiheit und begrenzter Platz zusammenkommen – und wo Menschen selbständig Türen bedienen und beispielsweise Sanitärräume ohne Hilfe nutzen möchten.
Ein entscheidender Aspekt ist der Schwenkbereich der Tür. Gerade in kleinen Räumen oder Fluren, zum Beispiel vor barrierefreien Sanitärbereichen in Pflegeeinrichtungen oder Wohnungen, fehlt häufig der Platz, um eine herkömmliche Drehflügeltür vollständig zu öffnen. Für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator bedeutet das oft, dass sie den Türdrücker beim Öffnen oder Schließen nicht mehr erreichen. Dann müssen sie aufwändig rangieren – vor und zurücksetzen. Oder Sie sitzen auf der Toilette mit offener Tür, weil Sie diese nicht schließen können.
Genau hier setzen Raumspartüren an: Durch ihren speziellen Faltmechanismus bleibt der Türdrücker während des gesamten Öffnungsvorgangs in Reichweite, während gleichzeitig deutlich weniger Bewegungsfläche vor oder hinter der Tür benötigt wird.
Übrigens lohnt sich auch im privaten Bereich oft ein zweiter Blick: Steht ohnehin ein größerer Badumbau an, bei dem die Wand neu gefliest wird, kostet es kaum mehr, die Wandöffnung gleich um 10 bis 12 Zentimeter zu verbreitern, sofern es keine tragende Wand ist.
In vielen Fällen lässt sich bei einer Sanierung übrigens mehr erreichen, als man zunächst denkt. Das betrifft nicht nur private Wohnungen, sondern auch Pflegeheime und Seniorenheime. Ein gutes Beispiel ist die Sanierung des Lore-Malsch-Pflegeheims bei München-Riedering: Wie in vielen älteren Einrichtungen waren die Sanitärräume als einfache Einbauten ausgeführt. Oft liegen diese Bäder innenliegend zum Flur hin, damit die Fensterfront im Bewohnerzimmer frei bleibt.
Häufig kann man beim Einsatz unserer Raumspartüren die Wände der Bäder um etwa einen halben Meter in Richtung Flur versetzen. Weil diese beim Öffnen nur mit einem Drittel des Türblatts in den Flur schwenkt, braucht sie dort deutlich weniger Platz als eine klassische Drehflügeltür. So konnten wir in manchen Grundrissen den Sanitärraum vergrößern, ohne den Flur funktional zu stark einzuschränken. Dadurch entstand in den Bädern mehr Bewegungsfläche – im Idealfall genug, um es normgerecht barrierefrei auszuführen. Das ist besonders wichtig, wenn nicht nur eine Person selbstständig agiert, sondern zusätzlich eine Hilfsperson beim Waschen, Duschen oder Umsetzen unterstützt.
Man gewinnt also an zwei Stellen: Mehr Bewegungsfläche im Bad und zugleich eine bessere Nutzbarkeit des Flurbereichs.
Zu unseren Kunden zählen Seniorenheime, Betreutes Wohnen, Krankenhäuser oder auch Reha-Kliniken. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Zielgruppen zu berücksichtigen: Im Seniorenheim, im Betreuten Wohnen oder in der Reha-Klinik bewegen sich Menschen ja noch selbständig, meistens mit dem Rollator – genau dafür ist die Raumspartür gemacht. Im Pflegeheim dagegen werden Türen oft vom Personal bedient, die Bewohner werden geschoben oder liegen im Bett. Da setzen wir teils auch große Schiebetüren ein, durch die ein ganzes Pflegebett passt.
Unsere Raumspartüren werden aber auch im öffentlichen Raum – von Rathäusern über Kirchen bis zu Autobahnraststätten – und zunehmend im Wohnungsbau eingesetzt.
SBC: Weil Sie Schiebetüren ansprechen: Sie gelten oft als platzsparende Alternative – wie ist ihre Meinung dazu?
Bischoff: Für viele NutzerInnen sind Schiebetüren ergonomisch ungewohnt. Man steht davor, muss Kraft aufwenden, um das Türblatt zur Seite zu bewegen – Ziehen und Drücken bringen da nichts. Beim Versuch eine Schiebetür zur Seite zu bewegen, ist der Kraftansatz so unglücklich, dass ein hilfsbedürftiger Mensch stürzen kann.
Das hat übrigens nicht nur mit Kraft zu tun, sondern auch mit dem Kopf: Der Mensch muss erst begreifen, wie eine neue Tür funktioniert. Das Schöne an der Raumspartür ist, dass sie sich genauso bedienen lässt wie eine klassische Drehflügeltür – derselbe Türdrücker, derselbe Bewegungsablauf, den viele Menschen seit Jahrzehnten automatisch beherrschen. Genau das fehlt bei einer Schiebetür: Wer sein Leben lang mit klassischen Türen unterwegs war, steht dann mit dem Rollator davor und muss einen völlig neuen Bewegungsablauf lernen.
Es gibt deutlich mehr Menschen, die mit einem Rollator oder einer Gehhilfe unterwegs sind als Menschen, die einen Rollstuhl nutzen. Gerade sie haben oft nur eine Hand frei und stehen nicht stabil genug, um eine Schiebetür zur Seite zu schieben. Ein weiterer Punkt ist auch, dass bei einer Schiebetür genügend Platz auf der Seite vorhanden sein muss. Oft verschließt eine Schiebetür auch nicht ausreichend, dichtet also nicht ausreichend ab.
SBC: Wie aufwendig ist es, eine bestehende Tür gegen eine Raumspartür zu tauschen?
Bischoff: Unsere Konstruktion ermöglicht die Nachrüstung in bestehende Zargen. Das einzige Kriterium: Das gefaltete Türblatt reduziert den Durchgang um etwa 85 Millimeter. Je nach vorhandener Öffnungsbreite der Zarge kann das eine Einschränkung bedeuten – wünschenswert sind mindestens 85 Zentimeter, aber in den meisten Fällen reichen auch 80 oder 75 Zentimenter. Ist die Türöffnung zu klein, muss die Wandöffnung neu gemacht werden.
Unsere Türen brauchen den professionellen Einbau, bei privaten Sanierungen sind meist Tischlereien, Türen- oder Bauelemente-Fachbetriebe die richtigen Ansprechpartner. Müssen Türöffnungen verbreitert, versetzt oder baulich verändert werden, kommen zusätzlich Innenausbau, Trockenbau oder Bauunternehmen ins Spiel.
SBC: Sie haben auch die Sicherheit angesprochen, etwa bei Türschließern. Was ist da das Problem?
Bischoff: Bei Brand- und Rauchschutztüren sind Türschließer aus gutem Grund vorgeschrieben, weil diese Türen im Brandfall immer geschlossen sein müssen. Die Norm erlaubt sie sogar bei barrierefreien Türen, bis zu einer bestimmten Schließkraft. Was viele nicht bedenken: Diese Schließer arbeiten hydraulisch, mit Öl.
Bei 38 Grad im Sommer wird das Öl dünnflüssig, und die Tür schlägt regelrecht zu. Bei 10 Grad im Winter wird dasselbe Öl zäh, und dieselbe Tür geht kaum noch auf. Fragen Sie mal einen Rollstuhlnutzer, ob er damit selbständig eine Tür öffnen kann – Sie werden nur Kopfschütteln ernten. Für die selbständige Nutzung – außerhalb des Brandfalls – gibt es daher sogenannt Freilauftürschließer. Derartige Türschließer entspannen die Feder zum Schließen der Tür erst, wenn der Rauchmelder auslöst. Bis dahin sind die Türen ohne Widerstand zu betätigen.
SBC: Was würden Sie einem älteren Menschen raten, der eine barrierefreie Sanierung plant?
Bischoff: Warten Sie nicht, bis es zwingend notwendig wird. Wer frühzeitig plant, hat deutlich mehr Möglichkeiten und kann sich in Ruhe überlegen, sein Zuhause so zu gestalten, dass es auch in Zukunft den eigenen Bedürfnissen entspricht. Mit Zeitdruck umzubauen ist meist mühsamer und am Ende teurer. Mit Zeit und Ruhe macht eine Modernisierung auch Spaß.
Dabei geht es nicht darum, die Wohnung ‚pflegegerecht‘ umzubauen, sondern den Wohnkomfort und die Selbstständigkeit langfristig zu erhalten. Viele barrierefreie Maßnahmen erhöhen den Komfort für alle Generationen – schwellenlose Übergänge, großzügige Bewegungsflächen oder eben Türen, die sich auch bei eingeschränkter Mobilität leicht bedienen lassen. Gerade Türen werden bei der Planung häufig unterschätzt, dabei bestimmen sie im Alltag mit, ob wir uns frei und sicher in den eigenen vier Wänden bewegen können.
Und betrachten Sie die Sanierung ganzheitlich: Barrierefreiheit entsteht nicht durch einzelne Produkte, sondern durch das Zusammenspiel von Architektur, Funktion und Alltagstauglichkeit. Es geht letztendlich um mehr als Normen – es geht darum, möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben zu können.
Vielen Dank für das Interview!
Peter Bischoff ist General Manager von Küffner Aluzargen GmbH & Co. OHG, einem deutschen Familienunternehmen, das vor mehr als 30 Jahren die erste DIN-zertifizierte barrierefreie Tür auf den Markt gebracht hat. Die Küffner Raumspartür wurde mit dem red dot design award sowie Universal Design Awards ausgezeichnet. Für unsere internationalen LeserInnen: Die Lösungen sind auch international erhältlich. Mehr zu den Raumspar- und barrierefreien Türen auf kueffner.de
Author: Anja Herberth
Chefredakteurin













