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Wer „altersgerecht“ oder „barrierefrei“ hört, hat sofort ein Bild im Kopf: Haltegriffe, Klinikoptik, eine Wohnung, die nach Bedürftigkeit aussieht. Kein Wunder, dass viele das Thema weit von sich schieben – und erst dann handeln, wenn es längst akut ist und schnell gehen muss.
Dabei existieren die meisten Lösungen längst: Man kann sie so einbauen, dass niemand sie als Hilfsmittel erkennt – im Gegenteil, dass man sie sogar gerne herzeigt. Wie also macht man ein Zuhause altersfit, ohne dass man es ihm ansieht? Wie kann man im Wohnbereich auf die Bedürfnisse mit Rollstuhl und Rollator, bei einer Sehbeeinträchtigung oder anderen Beeinträchtigungen eingehen?
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Rene Pecovnik beantwortet diese Fragen aus der Praxis: Er stammt aus einem steirischen Tischlerei- und Holzbetrieb – schon der Vater war Tischler, das Unternehmen fertigt seit Jahrzehnten Möbel und Innenarchitektur. Daraus ist die Marke Hilma entstanden, die sich auf altersgerechtes Einrichten spezialisiert hat. Für Hilma hat Pecovnik das Wissen aus dem steirischen Holz- und dem Medizincluster zusammengeführt und eine Fachkraft aus der Pflege ins Team geholt – um genau zu verstehen, welche Krankheitsbilder welche Einschränkungen mit sich bringen und welche Gestaltung darauf antwortet.
Im Gespräch erklärt Rene Pecovnik, warum eine altersgerechte Küche wie eine ganz normale Küche aussehen sollte, was sich heute schon günstig vorbereiten lässt – und warum er das Badezimmer nicht für den wichtigsten Raum hält.
SBC: Herr Pecovnik, Sie legen großen Wert darauf, dass man Ihren Lösungen das „Altersgerechte“ nicht ansieht. Warum?
Pecovnik: Weil niemand eine Wohnung haben will, die nach Pflegebedarf aussieht. Sobald etwas nach Krankenhaus wirkt, sträubt sich alles dagegen – dann fühlt man sich selbst krank und bedürftig. Deshalb ist unser Anspruch, dass eine altersgerechte Küche einfach wie eine schöne, moderne Küche aussieht. Die Funktion ist da, aber die Beeinträchtigung steht nicht im Vordergrund.
Das Schöne ist: Wenn es gut gemacht ist, wird daraus sogar ein Verkaufsargument. Die Leute zeigen es gern her – „schau, was meine Küche kann“, ähnlich wie man bei einem neuen Auto zeigt, was es alles kann. Genau in diese Richtung wollen wir. Nicht das Hilfsmittel steht im Mittelpunkt, sondern der Komfort und das Design. Und wer es nicht herzeigen möchte, dem sieht man es eben nicht an. Beides muss möglich sein.
SBC: Welcher Raum ist für ein altersgerechtes Zuhause am wichtigsten? Wo sollte man aus Ihrer Sicht bei Beeinträchtigungen starten?
Pecovnik: Das Bad ist tatsächlich ein Bereich, in dem viele Unfälle passieren, keine Frage. Aber es ist zugleich der Raum, in dem man sich am wenigsten aufhält. Man wäscht sich, und geht wieder. Der barrierefreie oder altersgerechte Umbau des Bades ist außerdem am Markt schon vergleichsweise gut abgedeckt.
Wir schauen deshalb vor allem auf die Räume, in denen das Leben stattfindet: Küche und Wohnzimmer. Dort hält man sich den ganzen Tag auf, dort bewegt man sich. Und gerade die Küche ist entscheidend – nicht nur wegen der Sicherheit, sondern wegen der Selbständigkeit. Wenn das Kochen leichter fällt, tut man es länger. Und wer aktiv bleibt, bleibt länger fit, agil und geistig rege. Die Generation, die jetzt in Pension geht, ist mit dem Selberkochen aufgewachsen. Das so lange wie möglich zu erhalten, ist enorm viel wert.
SBC: Was heißt das konkret – welche Lösungen gibt es für die Küche?
Pecovnik: Vieles davon ist unspektakulär und gerade deshalb wirksam. Eine Herdüberwachung mit Abschaltautomatik zum Beispiel: Die verkauft sich übrigens auch an jüngere Familien gut, weil sie beruhigt, wenn die Kinder oder Enkel allein in der Küche sind. Dann höhenverstellbare Arbeitsflächen, eine verschiebbare Arbeitsplatte, an der man sich hinsetzen kann, oder Unterschränke, die sich auch herausnehmen lassen, sodass man mit einer integrierten Sitzhilfe oder später auch mit dem Rollstuhl unterfahren kann.
Sehr beliebt sind Oberschrank-Lifte, bei denen der Schrank auf Knopfdruck herunterkommt – das führen unsere KundInnen am liebsten ihren Gästen vor. Dazu ergonomische Griffe, die man wirklich gut greifen kann, matte statt spiegelnder Oberflächen. Manche Menschen mit Demenz erkennen ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr als sich selbst und reagieren darauf mitunter verunsichert. Gute Beleuchtung ist wichtig, weil man im Alter schlechter sieht, und Kleinigkeiten wie etwa eine Steckdose, die den Stecker auf leichten Druck von selbst auswirft, wenn die Kraft in den Händen nachlässt, sind im Alltag hilfreich. Und wenn ein Haltegriff notwendig ist, dann einer aus Holz, der wie ein Designelement wirkt. Man erkennt ihn kaum als Haltegriff, aber man kann sich gut daran festhalten.
SBC: Sie sagen, man solle sich möglichst früh vorbereiten. Wie meinen Sie das?
Pecovnik: Es gibt im Grunde zwei Situationen. Die eine ist akut: Da schauen wir uns genau an, welche Einschränkung vorliegt, und suchen die beste Lösung für den Moment. Die andere ist der vorausschauende Weg – und der ist mir besonders wichtig. Der beste Zeitpunkt ist oft die letzte große Sanierung, wenn man in die Pension geht. Dann baut man die Grundlagen gleich mit ein: Ausreichende Bewegungsflächen, herausnehmbare Elemente, eine vorbereitete Unterkonstruktion für spätere Haltegriffe.
Das kostet in diesem Moment fast nichts, erspart aber später den teuren Umbau. Ein Beispiel: Wer ohnehin saniert, sollte eine Leerverrohrung und ein Netzwerkkabel gleich mitverlegen lassen. Dann lässt sich später Sensorik – etwa zur Sturzerkennung – ganz einfach nachrüsten. Ich bin ein Freund von Kabellösungen, weil Funklösungen im Alltag anfällig sind: Sobald sich das WLAN oder der Anbieter ändert, müssen plötzlich alle Komponenten neu eingebunden werden. Vorbereiten heißt: Man richtet es unsichtbar her, und wenn der Bedarf kommt, ist der aufwendige Teil schon erledigt.
SBC: Welche Lösungen gibt es für die anderen Räume – etwa Wohnzimmer, Schlafzimmer, Zugänge und Vorräume?
Pecovnik: Im Wohnzimmer arbeiten wir zum Beispiel mit einem ergonomischen Sofa mit integrierter Aufstehhilfe, höhenverstellbar und elektrisch. Das Sofa sieht völlig normal aus, erleichtert aber das Aufstehen enorm. Genauso wichtig ist auch das Weglassen: Bevor ich jemandem eine Sturzerkennung verkaufe, gehe ich mit einer Checkliste durch die Wohnung und entferne, worüber man stolpern kann – den losen Teppich, die scharfe Kante, die Türschwelle. Wer nicht stürzt, braucht keine Sturzerkennung.
Im Schlafzimmer sind es oft ganz einfache Dinge: Ein bestehendes Bett auf eine angenehme Höhe anzuheben – das ist wenig Aufwand –, ein stabiles Nachtkästchen, genügend Platz daneben. Ein Bettlicht mit Bewegungsmelder, das den Weg zur Toilette ausleuchtet, sobald der Fuß den Boden berührt. So muss niemand im Dunkeln den Lichtschalter suchen, das verhindert viele Stürze.
Für das ganze Haus haben wir eine mehrseitige Wohnberatungs-Checkliste entwickelt – von der Eingangstür über Handläufe an Treppen und Rampen bis zu Küche, Wohn-, Schlafzimmer und Bad. Wir kommen zu den KundInnen, schauen uns alles an und lösen viele Herausforderungen rein handwerklich.
SBC: Wie blicken Sie auf die kommenden Jahre – Stichwort Sensorik, KI, Robotik?
Pecovnik: Wir gehen mitten in einen Fachkräfte- und Ressourcenmangel hinein, und die Babyboomer gehen gerade in Pension. Sensorik und später auch Robotik werden dabei eine Rolle spielen – in Europa ist vieles davon noch ungeklärt, aber das Potenzial ist da. Wichtig ist mir die Richtung: Diese Systeme sollen unterstützen, nicht ersetzen. Es macht keinen Sinn, alles zu automatisieren.
Das Ziel bleibt das selbstbestimmte Leben – dass man solange es geht selbst noch kocht, sich bewegt, aktiv bleibt. Denn wer fit und agil bleibt, bleibt auch geistig länger fit. Der Roboter oder der Sensor soll einem Arbeit abnehmen, wo es nötig ist, und im Idealfall modular dazukommen – nicht das Leben übernehmen. Und leistbar muss es sein, sonst hilft es genau den Menschen nicht, die es am dringendsten brauchen.
SBC: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Pecovnik: Zwei Dinge: Erstens ein anderes Bild vom Alter. Die Film- und Werbebranche zeigt heute selbstverständlich unterschiedliche Menschen – verschiedene Hautfarben, auch Menschen im Rollstuhl. Genauso sollten Alter und altersbedingte Bedürfnisse realistisch dargestellt werden: Nicht als etwas Fremdes oder Negatives, aber auch nicht nur als die ewig junge, agile Seniorin aus der Werbung. Diese Bilder stecken tief in den Köpfen, und sie zu lösen ist eine gesellschaftliche Aufgabe, keine rein politische.
Zweitens eine einfache, verlässliche Förderung für altersgerechtes Umbauen. Für Wärmedämmung oder Heizungstausch gab es unkomplizierte Zuschüsse – so etwas fehlt für Barrierefreiheit. Es braucht nicht unbedingt mehr Geld, aber besser verteiltes und leichter zugängliches.
In Deutschland ist das einfacher, weil bundesweit einheitliche Vorgaben gelten; in Österreich unterscheidet sich die Förderung von Bundesland zu Bundesland, und oft bekommt man nicht einmal eine klare Auskunft, ob ein Umbau förderfähig ist. Meine Sorge ist, dass am Ende nur jene, die Geld haben, gut versorgt sein werden. Deshalb setze ich bewusst auch auf einfache, günstige Lösungen – damit jeder etwas tun kann, unabhängig vom Budget.
Vielen Dank für das Gespräch!
Aus einem steirischen Tischlerei- und Holzbetrieb ist die Marke Hilma hervorgegangen, die sich auf altersgerechtes und barrierefreies Einrichten spezialisiert hat – vom vorausschauenden Umbau bis zur unauffälligen Integration vorhandener Technik in Küche, Wohn- und Schlafbereich. Weitere Informationen unter hilma.at.
Author: Anja Herberth
Chefredakteurin

















