Wer Eltern über Monate oder Jahre begleitet, ahnt oft, dass die gemeinsame Zeit begrenzt ist. Dennoch trifft der Tod viele Familien unvorbereitet. Innerhalb weniger Stunden stellen sich dann Fragen, die zu Lebzeiten niemand gestellt hat: Wer sollte informiert werden, wo liegen die wichtigsten Unterlagen und Dokumente? Und gab es Bestattungswünsche der verstorbenen Person: Kirchlich oder weltlich, Wald oder Friedhof, Erdbestattung oder Urne?
Barbara Rolf ist Bestatterin und Theologin in Baden-Württemberg. In ihrem Buch Was ist der Tod für dich? schreibt sie über ihre Erfahrungen aus vielen Jahren der Begleitung von Angehörigen in einer sehr schwierigen Zeit.
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Im Gespräch erklärt sie, welche Fragen Angehörige nach einem Todesfall häufig stellen, wie sich das Gespräch über Bestattungswünsche beginnen lässt und welche Regelungen in vielen Familien fehlen.
Was Sie in diesem Interview erwartet
- welche Unsicherheiten Angehörige unmittelbar nach einem Todesfall beschäftigen und wie man sich darauf vorbereitet,
- wie Sie mit Ihren Eltern über ihre Wünsche für das Lebensende ins Gespräch kommen,
- wo Vorsorgeunterlagen deponiert gehören und warum das Testament der falsche Ort für Bestattungswünsche ist,
- wie Sie den Abschied selbst gestalten können und
- welche Fragen in Familien schon zu Lebzeiten gestellt werden sollten.
SBC: Frau Rolf, Sie begleiten seit vielen Jahren Menschen beim Abschiednehmen. Welche Fragen hören Sie von Angehörigen am häufigsten?
Rolf: Mich überrascht immer wieder, wie viele dieser Fragen eigentlich Bitten um Erlaubnis sind. Darf ich meine Verstorbene zu Hause aufbahren, darf ich sie anfassen, darf ich ihr noch einen Kuss geben, darf ich die Urne selbst tragen? Dahinter steckt viel Unsicherheit, weil wir über diese Dinge wenig wissen, obwohl wir von Natur aus in der Lage sind, auch sehr schwere Situationen zu erleben und zu meistern.
Die wichtigste emotionale Erfahrung in einer solchen Lage ist aus meiner Sicht, selbstwirksam zu sein. Begleitung in dieser schwierigen Zeit heißt also nicht, den Menschen ungefragt alles abzunehmen. Das mag nett gemeint sein, kann sie aber in eine ohnmächtige Situation bringen.
Wenn man dagegen gut erklärt, klare Wahlmöglichkeiten anbietet und fragt, wie die Familie es haben möchte, machen Menschen die Erfahrung, dass sie zwar etwas Schlimmes erlebt haben, aber gestalten und entscheiden können.
SBC: Was verunsichert Angehörige in den ersten Stunden besonders?
Rolf: Viele spüren einen enormen Zeitdruck und glauben, sie müssten sofort ein Bestattungsunternehmen, den Pfarrer und einen Beerdigungstermin organisieren. Wenn niemand vorbereitet ist, türmen sich außerdem die Fragen auf: Wie hätte die Person es gewollt, was war ihr wichtig? Soll die Feier kirchlich oder weltlich sein, Feuer oder Erde, Wald oder Friedhof? Das fühlt sich überfordernd an, und es hilft sehr, alles in kleinere Schritte aufzuteilen und eins nach dem anderen zu erledigen.
Ein Trauerfall ist für sich schon Belastung genug. Umso hilfreicher ist es, wenn es einen Leitfaden gibt, wenn die Wünsche bekannt sind und wenn manches schon geregelt ist.
>> Man kann in Ruhe durchatmen, wahrnehmen, was passiert ist, und am Sterbebett verweilen. <<
SBC: Sie betonen, dass Angehörige nach einem Todesfall weniger Zeitdruck haben, als sie annehmen. Was bedeutet das konkret?
Rolf: Auch wenn es sich so anfühlt, als müsste sofort alles geregelt und entschieden werden, ist das in aller Regel nicht so. Man kann in Ruhe durchatmen, wahrnehmen, was passiert ist, und am Sterbebett verweilen. Verstorbene können länger zu Hause bleiben als viele denken. In Deutschland ist das je nach Bundesland unterschiedlich geregelt: In Bayern gibt es überhaupt keine Frist für die Überführung, in vielen anderen Bundesländern, auch bei uns in Baden-Württemberg, sind es 36 Stunden.
Immer mehr Pflegeheime und die Hospize gewähren eine Abschieds- und Aufbahrungszeit. Man kann also in Ruhe ein Bestattungsinstitut suchen, das zu einem passt, und ideal ist es natürlich, wenn man sich vorher schon ein wenig erkundigt hat. Wenn einem die Ansprache nicht gefällt, Fragen nicht klar beantwortet oder Wünsche nicht gehört werden, darf man ruhig weitersuchen.
Die meisten von uns haben mehr Fragen zum Tod, als wir auszusprechen wagen. Wie kann ich mich auf einen Todesfall vorbereiten? Was hilft wirklich in der Trauer? Und: Wie fühlt sich ein Leichnam an?
Mit solchen Fragen wird die Bestatterin und Trauerbegleiterin Barbara Rolf tagtäglich konfrontiert. Sie weiß: Der Tod entzieht sich unserer Kontrolle. Und doch ist er kein Feind des Lebens. Er macht es kostbar, stellt Fragen nach Sinn und Werten und verändert den Blick auf das Wesentliche.
Barbara Rolf antwortet in ihrem Buch auf 100 Fragen und erzählt dabei von ihren Erlebnissen mit Gestorbenen und Hinterbliebenen – und davon, wie die tägliche Begegnung mit dem Tod ihr eigenes Leben verändert hat.
Erscheinen im Verlag Herder.
SBC: Wer die eigenen Eltern lange pflegt, weiß oft, dass die gemeinsame Zeit zu Ende geht. Dennoch sind die wenigsten vorbereitet. Warum finden Gespräche rund um den Tod und die Wünsche für den Abschied so selten statt?
Rolf: Häufig haben die Angehörigen Angst, das Thema anzusprechen, und manchmal fürchten auch die Betroffenen, ihre Familie damit zu belasten. Ich verstehe gut, dass ein solches Gespräch Mut braucht. Es gibt aber einfache Wege hinein, zum Beispiel, indem man sagt: Mir ist es wichtig, das zu wissen, weil ich dann das Gefühl habe, es richtig und in deinem Sinne zu machen.
Auf diese Bitte antworten Menschen in der Regel gern. Ich hatte einmal einen Mann, der mir sagte, ihm sei alles egal. Die Familie solle es so machen, wie es für sie gut sei. Darauf habe ich ihm geantwortet, das sei wunderbar, aber er müsse genau diesen Satz seiner Familie sagen. „Ich will, dass ihr es so macht, wie ihr es gut findet“ ist für Angehörige ein unendlich wichtiger Satz.
SBC: Wie kann ein solches Gespräch in der Familie beginnen, ohne dass sich jemand bedrängt fühlt?
Rolf: Ich höre immer wieder, dass aus diesem schwierigen Thema überraschend kurzweilige und schöne Gespräche wurden. Eine ältere Dame sagte im Kreise ihrer Familie, sie habe an eine anonyme Bestattung gedacht, damit die anderen nicht so viel Arbeit hätten. Die anderen waren entsetzt und sagten ihr, dass ihnen dieser Gedanke gar nicht gefällt. Und am Ende war sie geschmeichelt, dass ihre Familie das nicht möchte.
So ein Gespräch ist manchmal sogar witzig, und vor allem können alle ihre Perspektive einbringen. Wünscht sich jemand etwas Außergewöhnliches, etwa eine Seebestattung, hilft es den Angehörigen sehr, die Gründe zu kennen. Denn dann können sie den Wunsch besser verstehen und mittragen.
Wer das Gespräch nicht suchen möchte, kann seine Wünsche auch zuerst für sich aufschreiben, etwa in einem Vorsorgeheft. Fast jedes Bestattungsinstitut und viele Palliativ- und Begleitdienste bieten solche Vordrucke an, die an die wesentlichen Fragen erinnern. Wichtig ist dann, die Familie, die An- und Zugehörigen darüber zu informieren, dass es diese Unterlagen gibt und wo sie liegen.
SBC: Wo sollten die wichtigsten Unterlagen und die Wünsche aufbewahrt werden?
Rolf: Sie sollten an einem Ort liegen, der im Ernstfall schnell gefunden wird. Bitte nicht im Testament die Wünsche deponieren, denn das wird oft erst Wochen nach dem Todesfall eröffnet, wenn die Person längst bestattet ist.
Bewährt hat sich ein Ordner, von dem die Familie weiß, dass im Fall der Fälle alles darin ist: Von der Patientenverfügung bis zu den Bestattungswünschen. Manche legen ihre Wünsche ins Familienstammbuch. Oft wissen die Angehörigen aber gar nicht, wo das Stammbuch ist und der Zettel bleibt unentdeckt. Ich hatte auch schon Fälle, in denen die Wünsche im Safe lagen. Aber nicht alle gehen nach einem Todesfall als Erstes an den Safe.
Auch wer zu Lebzeiten schon alles mit einem Bestattungsinstitut geregelt hat, sollte das der Familie unbedingt sagen. Denn es kommt leider vor, dass die Angehörigen davon nichts wissen und ein anderes Institut beauftragen. Die Kommunikation, wo sich die wesentlichen Dinge befinden, ist besonders wichtig. So wird der Ernstfall nicht zur Schatzsuche, die zusätzlich zum Todesfall enormen Stress verursacht.
SBC: Sie betonen in Ihrem Buch, dass Angehörige den Abschied nach ihren eigenen Bedürfnissen gestalten können. Können Sie uns die Möglichkeiten skizzieren?
Rolf: Am Anfang lohnt es sich zu überlegen, wer von Beginn an informiert und einbezogen werden soll. Als mein Bruder starb, waren wir kopflos. Nicht nur wegen der traumatischen Umstände, sondern auch, weil es keine Vorbereitung und kein inneres Bild gab, wie wir vorgehen. Wir haben vergessen, einem Onkel Bescheid zu geben, und er hat in der Zeitung gelesen, dass mein Bruder tot ist. Es braucht also die Ruhe, gemeinsam zu überlegen, wem man es sofort sagen möchte und wen man fragt, was ihm jetzt wichtig ist.
Man darf sich von einem Bestattungsinstitut sehr entlasten lassen, das ist völlig legitim. Aber man darf auch bei allem dabei sein und Dinge selbst tun. Manche möchten rund um den verstorbenen Menschen aktiv werden, ihn waschen, einkleiden und in den Sarg legen. Andere fühlen sich wohler, wenn sie kreativ werden, Blumen aussuchen oder die Trauerkarte gestalten. Und wieder andere organisieren lieber, informieren Menschen, erledigen Abmeldungen oder schließen den Vertrag mit dem Friedhofsamt. Manche möchten den verstorbenen Menschen noch einmal sehen, manche nicht mehr.
Wichtig ist, diese unterschiedlichen Bedürfnisse zu respektieren. Da muss niemand für alle entscheiden, denn das kann jede Person für sich tun.
SBC: Was passiert, wenn niemand da ist, der sich um die Bestattung kümmert?
Rolf: Wenn es keine bestattungspflichtigen Personen gibt, wird in Deutschland das Ordnungsamt tätig, und zwar das Ordnungsamt des Sterbeortes. Wer also nach einem Unfall oder in einem Pflegeheim in einer anderen Stadt stirbt, wird in der Regel dort feuerbestattet und anonym beigesetzt.
So unpersönlich wie wir amtlich bestattet werden, möchte fast niemand bestattet werden. Das Amt hat aber weder die Kapazitäten noch die Einblicke, um etwas anderes zu tun, denn es kann nicht erraten, was sich jemand gewünscht hat.
Umgehen lässt sich das mit einer Vorsorgeregelung, etwa mit einem Bestattungsunternehmen, das dann die Totenfürsorge erhält und alle Leistungen selbst beauftragen kann. Man kann die Totenfürsorge auch einer nahestehenden Person übertragen. Dafür kann ein einziger Satz auf einem Blatt Papier genügen, aber diesen einen Satz braucht es. Die Person darf dann alles rund um den Leichnam regeln, ohne weitere Verpflichtungen einzugehen, wie zum Beispiel Haushaltsauflösung oder Abmeldungen.
Ich finde es bedrückend, wie oft eine solche Regelung fehlt. Viele gehen davon aus, dass schon alles ordentlich laufen wird, zum Beispiel, weil sie vermögend sind. Aber das hat damit nichts zu tun.
SBC: Gibt es Fragen, die erstaunlich selten gestellt werden, obwohl Sie diese aus Ihrer Erfahrung heraus für wichtig halten?
Rolf: Es wird viel zu wenig darüber gesprochen, wie das eigene Leben ausklingen soll und wo die eigene Toleranzgrenze überschritten wäre. Angehörige stehen dann oft vor der schwierigen Frage, was der betroffene Mensch in dieser Situation gewollt hätte und welche medizinischen Maßnahmen seinem Willen entsprechen. Das vorher zu wissen, ist für sie eine große Erleichterung. Auch die Entscheidung zwischen Feuer und Erde ist keine Lappalie, und es ist schade, wenn man sie für jemand anderen erraten muss.
Meine Mutter hat mir vor Kurzem gesagt, dass sie in eine Pflegeeinrichtung möchte, wenn sie zu Hause nicht mehr zurechtkommt. Sie will auf keinen Fall von ihren Kindern gepflegt werden. Das hat mich überrascht, aber ich war dankbar dafür, denn mir geht es genauso: Ich möchte, dass Fachleute mich pflegen und meine Tochter mich besuchen kommt, ohne völlig erschöpft zu sein.
Wenig gesprochen wird auch über den assistierten Suizid, den es in Deutschland inzwischen gibt, und über die Organspende. Viele Menschen haben dazu eine Meinung, aber längst nicht alle haben diese dokumentiert oder ihren Angehörigen mitgeteilt. Nach dem Tod meines Bruders wurden wir zur Organspende gefragt, und das ist eine harte Frage, weil man über den Körper eines anderen Menschen entscheidet.
Und schließlich wird viel zu selten über das Erbe gesprochen. Selbst wenn die gesetzliche Erbfolge greift, hilft es bei einem großen oder komplexen Vermögen sehr, wenn die Eltern gesagt haben, wie sie es sich vorstellen. Oder wenn sie die Kinder gefragt haben, ob sie sich die Aufteilung selbst zutrauen. Die künftigen Erben scheuen dieses Gespräch, weil es gierig klingt, und über Geld spricht man nicht. Das halte ich für ein sehr deutsches Problem, an dem leider viele Beziehungen zerbrechen.
SBC: Wie hat die tägliche Begegnung mit Tod und Trauer Ihren Blick auf das Leben verändert?
Rolf: An Bedeutung gewonnen hat für mich vor allem der Augenblick. Ich denke kaum darüber nach, was ich eines Tages im Ruhestand oder im Alter machen werde, denn eine Liste für später habe ich nicht. Ich frage mich, wie wichtig mir etwas ist, und wenn es eine gewisse Wichtigkeit hat, plane ich es sehr zeitnah.
Vieles, über das ich mich früher aufregen konnte, ist mir unwichtiger geworden. Für anderes bin ich wieder dünnhäutiger geworden. Mein Blick auf die Gesellschaft ist sicher kritischer, weil ich gelernt habe, dass Dinge, die wir für normal halten – wie Armut, Einsamkeit oder Ausgrenzung – lebensgefährlich sein können. Das Bewusstsein, dass ich sterben werde, hilft mir zu entscheiden, was ich tue und was ich lasse. Manchmal tröstet mich der Gedanke an den Tod sogar, weil dieses Abarbeiten an Themen, an der Welt und an sich selbst, nicht ewig dauert.
Insgesamt habe ich sehr davon profitiert, mich mit dem Tod auseinanderzusetzen, denn es hat mein Leben vertieft. Und ich bin wesentlich zurückhaltender und milder im Urteil über andere geworden, weil ich durch die vielen Begleitungen gemerkt habe, wie wenig wir von anderen Menschen sehen. Jedes Leben ist eine riesige Geschichte, und der Beruf hat mir einen Blick hinter viele Fenster, in viele Familien und Lebensgeschichten ermöglicht.
SBC: Was wünschen Sie sich für unseren Umgang mit Sterben, Tod und Trauer, im persönlichen Miteinander und als Gesellschaft?
Rolf: Auf der praktischen Ebene wünsche ich mir, dass wir den Menschen das Handwerkszeug, die Orientierung und das Wissen geben und sie damit ermächtigen, die Dinge wieder selbst zu tun und vorzubereiten. Früher lag viel mehr selbstverständlich in der Hand von Familie und Nachbarschaft, dann haben es oft die Religionsgemeinschaften und auch meine Branche, die Bestattungsbranche, übernommen.
Diese wichtigen Momente im Leben gehören aber in die Hände kompetenter, souverän entscheidender Menschen. Dazu braucht es Transparenz und Ehrlichkeit statt allgemeiner Versprechen wie „Wir lassen Sie nicht allein“. Wir lassen Menschen nämlich sehr wohl allein, wenn sie die Informationen nicht bekommen und niemand ihnen Vertrauen in ihre eigene Kompetenz gibt.
Innerlich wünsche ich mir mehr Endlichkeitsbewusstsein. In unserer westlichen Gesellschaft und auch in der Wirtschaft tun wir so, als wäre alles unendlich vorhanden: Ressourcen, Wasser, unser Leben und unsere Kraft. Wenn wir bis ins Alter hinein versuchen, nicht alt zu werden, führen wir einen Kampf, den wir von Anfang an verloren haben und der zudem anstrengend ist.
Ich glaube, dass die meisten Menschen im weitesten Sinne spirituell sind und spüren, dass sie zu etwas gehören und ihr Leben eingebettet ist. Es wäre gut, wenn wir uns wieder mehr darauf verlassen und nicht nur auf den Kontostand, die Lebensversicherung, das Haus und das Grundstück. Eine Gesellschaft, die sich in einem übergeordneten Sinn sicher fühlt, wäre aus meiner Sicht für die Herausforderungen gut gewappnet.
Vielen Dank für das Gespräch!
Barbara Rolf ist Bestatterin und Theologin in Baden-Württemberg und begleitet seit vielen Jahren Menschen beim Abschiednehmen. Ihre Erfahrungen hat sie in ihrem Buch Was ist der Tod für dich? festgehalten: Erschienen im Verlag Herder, mehr unter www.frautod.de
Die im Interview genannten Regelungen zu Ordnungsamt, Totenfürsorge, Überführungsfristen, gesetzlicher Erbfolge und assistiertem Suizid beziehen sich auf Deutschland. Die konkrete Praxis variiert je nach Landesrecht und regionaler Handhabung.
Wie lange darf ein Verstorbener zu Hause bleiben?
In Deutschland legen das die Bundesländer fest. Laut Barbara Rolf gilt in Baden-Württemberg wie in vielen Bundesländern eine Frist von 36 Stunden, während Bayern keine Frist für die Überführung kennt. Für Österreich gelten eigene Regelungen der Bundesländer.
Was bedeutet Totenfürsorge?
Die Totenfürsorge umfasst die Entscheidungen rund um den Leichnam und die Bestattung. Sie kann einem Bestattungsinstitut oder einer nahestehenden Person übertragen werden, die damit keine weiteren Pflichten wie etwa eine Haushaltsauflösung übernimmt.
Was passiert, wenn niemand die Bestattung regelt?
In Deutschland übernimmt dann das Ordnungsamt des Sterbeortes die Bestattung, in der Regel als Feuerbestattung mit anonymer Beisetzung. Wer das vermeiden möchte, kann eine Vorsorgeregelung mit einem Bestattungsinstitut treffen oder die Totenfürsorge einer vertrauten Person übertragen.
Gehören Bestattungswünsche ins Testament?
Nein, denn ein Testament wird oft erst Wochen nach dem Tod eröffnet, wenn die Bestattung längst stattgefunden hat. Bestattungswünsche sollten an einem Ort liegen, den die Familie kennt und im Ernstfall sofort findet, etwa in einem Vorsorgeordner gemeinsam mit der Patientenverfügung.
Wie spreche ich mit meinen Eltern über ihre Bestattungswünsche?
Ein guter Einstieg ist es, das eigene Anliegen zu erklären, etwa dass man im Ernstfall alles im Sinne der Eltern machen möchte. Manchen fällt es leichter, bei einem Familienessen von den eigenen Wünschen zu erzählen und so das Gespräch zu eröffnen. Auch Vorsorgehefte von Bestattungsinstituten oder Palliativdiensten helfen, an die wesentlichen Fragen zu denken.
Muss man nach einem Todesfall sofort ein Bestattungsinstitut beauftragen?
Nein, in der Regel bleibt Zeit, um in Ruhe ein passendes Institut zu suchen. Wenn Ansprache oder Antworten nicht überzeugen, dürfen Angehörige weitersuchen.











