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Es beginnt selten mit einem Problem, sondern mit kleinen Anpassungen: Man geht die Treppe nur noch, wenn es sein muss. Zögert beim Hinuntergehen einen Moment zu lange. Was früher selbstverständlich war, wird zur täglichen Abwägung.
Die Treppe ist eine der unterschätztesten Gefahrenstellen im eigenen Zuhause. Gleichzeitig ist sie der Punkt, an dem viele erst sehr spät handeln. Warum das so ist, wann ein Treppenlift wirklich sinnvoll wird und worauf es bei der Entscheidung ankommt, haben wir mit Lifta-Geschäftsführer Alexander te Best besprochen.
SBC: Für welche Herausforderungen ist ein Treppenlift die richtige Lösung?
te Best: Eigentlich für jede Situation, in der man vor einer Treppe steht und innerlich zögert. Das klingt simpel, aber genau das ist der Moment, in dem man sich ernsthaft damit beschäftigen sollte – auch wenn es die meisten nicht tun.
Was viele unterschätzen: Es ist oft nicht das Hinaufgehen das eigentliche Problem. Kraft lässt sich irgendwie kompensieren. Aber das Hinuntergehen – mit Schwindel, Unsicherheit auf den Beinen, Angst vor dem Sturz – das ist eine ganz andere Geschichte. Denn da hat man als Mensch keinen Einfluss mehr. Und wenn man auf einer Treppe stürzt, passiert wirklich etwas.
Was mich überrascht: Die Zielgruppe wird jünger. COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen – das betrifft Menschen schon mit 60, 70 Jahren. Da geht es nicht um Gehschwierigkeiten im klassischen Sinn, sondern schlicht um mangelnde Kondition. Die Treppe wird zur täglichen Hürde, lange bevor man das nach außen hin zugeben würde. Die Stürze passieren dann erst im Alter von 85 oder 90 Jahren.
Wir haben aber auch KundInnen, die mit dem Treppenlift ihre Einkäufe, die Mineralwasserkiste die Treppen nach oben transportieren.
SBC: Ich höre heraus: Ein Treppenlift wird nicht bei den ersten Anzeichen, sondern erst viel später angeschafft. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
te Best: Der Treppenlift ist das einzige Produkt, das ich je verkauft habe, bei dem es zwar Anfragen gibt – aber kaum jemand will es wirklich haben. Das merkt man schon daran, wie unterschiedlich unsere BeraterInnen und Monteure empfangen werden: Die BeraterInnen werden geduldet, die Monteure mit Schweinsbraten bekocht.
Denn ein Treppenlift bedeutet, sich einzugestehen, dass etwas nicht mehr so geht wie früher. Das ist keine leichte Erkenntnis – und sie braucht ihre Zeit. Und der häufigste Satz, den unsere Monteure bei der Übergabe hören, lautet: „Das hätte ich eigentlich schon viel früher machen sollen.“
Denn die Treppe ist eine der größten Stolperfallen im Alltag – und der Lift die schnellste und unkomplizierteste Antwort darauf. Nicht als Eingeständnis, sondern als Entscheidung für ein sicheres, selbstbestimmtes Leben zu Hause.
SBC: Wann ist also der richtige Zeitpunkt?
te Best: Rein vernünftig betrachtet: Sobald man das erste Mal merkt, dass man die Treppe lieber nicht gehen würde. Nicht wenn man nicht mehr kann – sondern wenn man nicht mehr will. Wer wartet, bis es nicht mehr geht, muss plötzlich sehr schnell handeln.
Was ich auch immer wieder beobachte: Der schleichende Prozess wird oft gar nicht wahrgenommen. Man geht die Treppe nicht mehr fünfmal am Tag, sondern nimmt beim ersten Gang schon alles mit. Man merkt gar nicht, wie sehr man sich schon an die veränderte Situation angepasst hat.
SBC: Gibt es Einschränkungen? Wann ist der Einbau so gar nicht möglich?
te Best: Als Faustregel gilt: Wenn Sie einen Wäschekorb auf der Treppe tragen können, dann können wir auch einen Treppenlift einbauen. Die Branche ist mittlerweile sehr erfahren darin, auch auf den engsten Treppen einen Lift einzubauen. Rein technisch betrachtet gibt es eigentlich immer eine Lösung.
Baubehördliche Einschränkungen – zum Beispiel Fluchtbreiten – sind hin und wieder ein Thema, in manchen Bundesländern benötigt es auch baubehördliche Einreichungen. Aber das klärt ein seriöses Unternehmen direkt vor Ort und übernimmt auch die entsprechende Abwicklung.
SBC: Worauf muss man achten, wenn man sich für einen Treppenlift entscheidet?
te Best: Grundsätzlich bekommen Sie am Markt keinen schlechten Treppenlift – egal von welchem Unternehmen. Worauf es wirklich ankommt: Man sollte den Lift verstehen, ihn sicher bedienen können und bequem ein- und aussteigen können. Das ist das Wichtigste.
Verlassen Sie sich ruhig auf das eigene Bauchgefühl. Fühlt es sich sicher an? Versteht man die Bedienung intuitiv? Dann passt es.
SBC: Gibt es Förderungen für einen Treppenlift?
te Best: Ja – aber dieses Thema verdient ehrliche Worte. In Deutschland ist die Situation wesentlich übersichtlicher: Wer eine Pflegestufe hat, bekommt über das Pflegestärkungsgesetz pauschal etwas über 4.000 Euro, bundesweit einheitlich und relativ unbürokratisch. Haben Ehepartner eine Pflegestufe, dann stehen 8.000 EUR zur Verfügung.
In Österreich ist es deutlich komplizierter. Die Förderungen sind von Bundesland zu Bundesland, von Bezirksstelle zu Bezirksstelle unterschiedlich ausgelegt. Wir bei Lifta übernehmen das Förderungsmanagement für unsere Kunden vollständig – mit zwei Mitarbeiterinnen, die sich ausschließlich damit befassen. Denn es ist wirklich aufwändig.
Ein praktischer Hinweis: Den Förderantrag immer stellen, bevor der Lift eingebaut wird. Wer das versäumt, fällt in den meisten Fällen vollständig aus der Förderung heraus. Und wer auf eine Förderungszusage wartet, muss einige Wochen einplanen. Erst danach beginnt die Produktion, die nochmals rund einen Monat dauert. Wer also dringend einen Lift braucht, ist gut beraten, sich frühzeitig zu kümmern.
SBC: Haben Sie als Profi noch allgemeine Tipps für altersgerechtes Sanieren?
te Best: Der Raum, der im Alter wirklich zählt, ist das Badezimmer. Wer die Möglichkeit hat, sollte es frühzeitig barrierefrei gestalten. Eine barrierefreie Sanierung geht nicht so schnell und kostet viel. Wer neu baut, macht das heute ohnehin schon automatisch. Wer im Bestand lebt, sollte es zumindest auf dem Radar haben.
Ansonsten – und das sage ich bewusst, weil ich keine Ratschläge geben möchte, die sich leichter sagen als umsetzen lassen – ist meine ehrliche Empfehlung: Nutzen Sie die Technik, die schon da ist. Liefer- und Bestellservices, Sprachassistenten, digitale Alltagshilfen. Ich habe mit über 90-Jährigen gesprochen, die mit Siri alles erledigen, was ihnen das Leben erleichtert. Das ist keine Schwäche – das ist klug.
Der Bau wird in meiner Wahrnehmung als Antwort auf das Alter immer weniger relevant. Die Grundstücke werden kleiner, die Preise höher, der Umbau im Bestand ist kaum leistbar. Aber die Technik, die das Leben erleichtert, wird besser – und sie wird immer zugänglicher. Ich bin überzeugt, dass KI dabei in den nächsten Jahren eine zentrale Rolle spielen wird. Nicht als Ersatz für menschliche Nähe, sondern als stiller Begleiter, der mitdenkt. Denn am Ende geht es immer um dieselbe Frage: Wie lange funktioniert das eigene Zuhause im Alltag wirklich?
Vielen Dank für das Interview!
Alexander te Best ist Geschäftsführer von Lifta in Österreich, einem der führenden Anbieter von Treppen- und Personenliften im deutschsprachigen Raum. Mehr Informationen unter lifta.at
Author: Anja Herberth
Chefredakteurin














