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Türschwellen sind eine der häufigsten und nervigsten Barrieren im Alltag – für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator, aber auch für ältere Menschen sowie für die ganz Kleinen, die unsicher auf den Beinen sind. Denn sie beschränken den Bewegungsradius von Menschen mit Beeinträchtigungen in einem Gebäude und im Ein- und Ausgang, bedeuten gefährliche Sturzrisiken. Genau hier setzen Lösungen an, die Türschwellen sicher überbrücken helfen – und damit Bewegungsfreiheit und Sicherheit zurückgeben.
Alumat hat eine Lösung entwickelt, die ohne Mechanik auskommt und für nahezu jeden Türtyp integriert und verwendet werden kann: die Magnetnullschwelle. Im Gegensatz zu anderen Lösungen wie Rampen ist dadurch auch eine Abdichtung beim Verschließen von Türen gegen Schlagregen und Schall möglich.
Wir haben mit Stefan Gaschler von Alumat gesprochen, was sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt, warum es Schwellen überhaupt noch gibt und welche weiteren Tipps er für die altersgerechte Sanierung hat.
SBC: Herr Gaschler, was sagt die Norm für barrierefreies Bauen zu Türschwellen – und warum weicht die Praxis so stark davon ab?
Gaschler: Die aktuelle DIN-Norm 18040 ist eindeutig: Untere Türanschläge sind im Türbereich nicht zulässig. Und nur wenn es technisch nicht anders möglich ist, dürfen Schwellen maximal zwei Zentimeter hoch sein. Aber auch das nur, wenn ein Gutachter die technische Unabdingbarkeit ausdrücklich feststellt. Ziel ist immer ein schwellenloser Übergang.
Was in der Praxis passiert: Man hat aus dieser Ausnahme einen Standard gemacht. Zwei Zentimeter gelten heute vielerorts noch immer als selbstverständlich – obwohl die Norm das so gar nicht vorschreibt. Das ist ein Missverständnis, das sich über die Jahre hartnäckig gehalten hat.
Das ändert sich gerade. Die Norm wird aktuell komplett überarbeitet und wird künftig nur noch maximal einen Zentimeter zulassen. Noch wichtiger: Der Begriff „niveaugleicher Übergang“ rückt in den Vordergrund – und Überrollbarkeit wird erstmals als Kriterium aufgenommen. Kantige Anschläge, die faktisch nicht überrollbar sind, werden damit endgültig zum Auslaufmodell. Zwischen zwei baulichen Ebenen ist ein horizontaler Übergang mit einem toleranzbedingten Höhenversatz von maximal 4 mm zulässig, wobei die Verwendung von Übergangsschienen und -profilen gestattet ist.
Im Neubau gibt es aber aus unserer Sicht überhaupt keinen Grund mehr, noch Schwellen mit zwei Zentimeter zu verbauen. Man weiß vorher, wie hoch der Fußboden ist, welcher Außenbelag kommt – das lässt sich alles sauber planen. Im Bestand ist es naturgemäß anspruchsvoller: In älteren Gebäuden findet man oft Schwellenhöhen von zwei, drei, manchmal sogar vier Zentimetern. Dort ist die Nullschwelle nicht immer erreichbar – aber Überrollbarkeit ist es fast immer.
SBC: Alumat hat dafür eine Lösung entwickelt. Erklären Sie uns bitte, was hinter dem Begriff „Magnetnullschwelle“ steckt und für welche typischen Alltagshürden und Herausforderungen diese Lösung geeignet ist.
Gaschler: Die Magnetnullschwelle eignet sich überall dort, wo Türschwellen den Alltag erschweren oder gefährlich machen. Unsere Produkte können sowohl im Neubau als auch im Bestand eingesetzt werden: Bei Haustüren, Balkon- und Terrassentüren, Nebeneingangstüren und auch bei Innentüren.
Das wird oft vergessen: Auch Innentüren sollten barrierefrei ausgeführt sein. Gerade in älteren Gebäuden – wir haben manchmal Schwellenhöhen von zwei, drei, sogar vier Zentimetern – können diese Übergänge für ältere Menschen oder Menschen mit Beeinträchtigungen zur echten Hürde werden. Auch dort haben wir Lösungen: Mit Übergangsprofilen, die wie eine kleine Rampe gestaltet sind, können auch bestehende Innentüren so umgerüstet werden, dass sie mit Rollstuhl oder Rollator selbstständig überfahren werden können.
Was viele überrascht: Wir arbeiten auch in denkmalgeschützten Gebäuden. Dort müssen die historischen Türen erhalten bleiben – aber die Schwelle im unteren Bereich kann getauscht werden. Das erfordert handwerkliche Sorgfalt, ist aber möglich. Auch für Privatbauten, bei denen durch Unfall oder Erkrankung plötzlich Barrierefreiheit notwendig wird, ist das ein gangbarer Weg: Die Tür bleibt, nur die Schwelle wird ausgebaut und durch eine Alumat-Nullschwelle ersetzt.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Unsere Produkte sind systemübergreifend kompatibel mit jedem Kunststoff-, Holz-, Holz-Aluminium- oder Aluminiumsystem auf dem Markt. Es gibt faktisch kein Tür- oder Fenstersystem, das nicht mit unseren Schwellenprodukten kombiniert werden kann.
SBC: Wie funktioniert diese Lösung?
Gaschler: In den Profilen der Schwelle liegen Magnetstreifen. Das Gegenstück – ein flaches Magnetteil – wird am Türflügel angebracht. Sobald die Tür geschlossen wird, ziehen sich beide Magnete an und dichten die Tür vollständig ab. Die Magnete sind nur dazu da, die Türen abzudichten. Das ist bei Außentüren wichtig gegen Schlagregen, Wind und Zug, aber je nach Variante auch gegen Schall und Rauch. Das ist auch für innenliegende Schwellen wichtig.
Das Entscheidende: Es gibt keine Mechanik. Keine Federn, keine beweglichen Teile, die nachgestellt oder gewartet werden müssen. Die Technik funktioniert wie ein Magnet an einer Pinnwand – also sehr einfach, zuverlässig und wartungsfrei. Wir geben 20 Jahre Garantie auf die Magnetzugkraft, und die Technologie ist seit über 30 Jahren im Einsatz – europaweit in verschiedensten Objekten verbaut.
Und die Reinigung ist denkbar einfach: Die Magnetstreifen lassen sich mit einem magnetischen Gegenstand aus dem Kanal nehmen, dann kann man mit dem Staubsauger drüber, bei Bedarf mit einem feuchten Tuch nachwischen, und die Magnetstreifen wieder einlegen. Fertig.
SBC: Wenn ich mich als EndkonsumentIn für den Einbau dieser Nullschwellenlösung interessiere: Worauf sollte beim Bestellen und beim Einbau geachtet werden?
Gaschler: Das Wichtigste vorweg: Der Einbau erfolgt durch einen Fachbetrieb. Die Montage selbst entspricht der eines normalen Fensters oder einer Fenstertür – es gelten die gleichen Normen wie bei jedem anderen Bauelement. Was im Nullschwellenbereich zusätzliche Sorgfalt erfordert, ist die Präzision beim Aufmaß: Fußbodenaufbau innen und Außenbelag müssen exakt aufeinander abgestimmt sein, damit der niveaugleiche Übergang wirklich gelingt.
Die Lösung ist für jeglichen Türbereich verfügbar, also für Haustüren, für Balkon- und Terrassentüren, Nebeneingangs- und Innentüren. Im Neubau ist das gut planbar – man weiß, welcher Bodenbelag kommt, wie hoch der Estrich liegt, und kann entsprechend vorausplanen. Im Bestand ist es anspruchsvoller, aber lösbar – dann geht es weniger um die Nullschwelle als um die bestmögliche Überrollbarkeit, also eine sanfte Rampenform, die Rollstuhl und Rollator sicher passieren lässt.
Unsere Schwellen sind international über Fenster- und Türenbauer sowie -Händler erhältlich. Jeder Tischler und Schreiner kann sie verarbeiten – es gibt keine besonderen Anforderungen, die einen normalen Fachbetrieb ausschließen würden.
SBC: Gibt es von Ihrer Seite noch weitere Expertentipps zur altersgerechten Sanierung?
Gaschler: Unbedingt die Fördermöglichkeiten prüfen, bevor man zu sanieren beginnt. In Deutschland fördert die KfW-Bank den barrierefreien Umbau im Bestand. Zusätzlich gibt es Zuschüsse von der Pflegekasse – wenn ein Pflegegrad vorhanden ist, kann man sich Umbaumaßnahmen wie barrierefreie Übergänge anteilig fördern lassen. Das gilt für Außentüren genauso wie für Innentüren und Übergänge in die Zimmer. Es lohnt sich, das im Vorfeld abzuklären – es spart erhebliche Kosten.
Ein weiterer Tipp: Denken Sie beim Sanieren weiter als nur an die Schwelle. Türbreiten, Bewegungsflächen, Badezimmer – das sind Themen, die zusammenhängen. Wer einmal umbaut, sollte die Gelegenheit nutzen und gleich mehrere Punkte auf einmal angehen.
Und schließlich: Für alle, die planerische Unterstützung brauchen, empfehle ich ausdrücklich, sich an spezialisierte Beraterinnen und Berater für barrierefreies Bauen zu wenden. Es gibt Menschen, die nicht nur das fachliche Wissen mitbringen, sondern auch aus eigener Erfahrung wissen, worauf es wirklich ankommt. Diese Kombination ist unbezahlbar.
Vielen Dank für das Interview!
Stefan Gaschler ist Produktspezialist bei Alumat, einem deutschen Hersteller von Schwellenlösungen für barrierefreie Türübergänge. Mehr Informationen unter alumat.de
Anmerkung der Redaktion: Die Angaben zu den Förderstellen sind auf Deutschland bezogen. Auch in Österreich gibt es in den Bundesländern Förderungen, günstige Darlehen und Investitionszuschüsse für barrierefreie Umbauten und Sanierungen. Bitte erkundigen Sie sich dafür zuständigen Landesstellen.
Weiters gilt die DIN-Norm 18040 nur in Deutschland. In Österreich gelten die ÖNORM B 1600 und B 1601 als entsprechende Regelwerke.
Author: Anja Herberth
Chefredakteurin














