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Das Badezimmer ist einer der gefährlichsten Räume im Haushalt – und gleichzeitig einer der wichtigsten. Kaum ein anderer Raum entscheidet so stark darüber, ob man selbstständig zu Hause leben kann – denn Körperhygiene ist eine wichtige Voraussetzung dafür. Wer rechtzeitig und klug saniert, kann nicht nur Unfälle verhindern, sondern auch Komfort und Lebensqualität langfristig sichern.
Wir haben dazu mit zwei Experten gesprochen, die täglich mit diesem Thema arbeiten: Niklas Ettl, Vertriebsleiter Projektgeschäft bei Duscholux, und Erdogan Demirci, der seit über 25 Jahren bei H.S.K. Duschkabinenbau tätig ist. Beide kennen das Thema aus dem Healthcare- und Hotelleriebereich sowie aus der privaten Badsanierung – und haben deshalb einen Blick auf das Thema, der weit über den üblichen Ratgeber hinausgeht.
Warum das Bad so lange unterschätzt wird
Feuchtigkeit, glatte Fliesen, enge Verhältnisse und fehlende Haltepunkte machen diesen Raum zum statistisch gefährlichsten im Haushalt. Dennoch ist das Bad ein oft unterschätzter Raum. Niklas Ettl bringt es auf den Punkt: „Wir sehen häufig in der Praxis sehr enge Badezimmer mit einer Menge Hürden und Stolperfallen.“ Was früher als ästhetisches Merkmal gebaut wurde – Kanten und Stufen – werden im Alter zur täglichen Gefahr. Die Bedürfnisse verändern sich im Laufe des Alters, und besonders das Ein- und Aussteigen aus der Badewanne wird mit zunehmendem Alter zur echten Herausforderung.
Eine gute Badsanierung beginnt für den Badexperten Niklas Ettl daher nicht beim Produkt – sondern beim Menschen: „Es ist wichtig, alle Parameter frühzeitig zu klären: Was stellen sich KundInnen vor? Wie möchten sie das Bad nutzen? Ist eine Person bereits in Pflege – und wenn ja, wie funktioniert das Handling im Alltag? Wo gibt es schon heute Hürden, die es auszugleichen gilt?“
Ettl empfiehlt offene Kundengespräche, auch wenn es schwerfällt: „Es ist ein unangenehmes Thema, anzusprechen, wenn etwas nicht mehr so gut funktioniert wie im jüngeren Alter. Aber man sollte vor einer Sanierung darüber reden: Wie ist das Umfeld? Gibt es pflegende Angehörige, die mithelfen? Wohin wird sich eine Einschränkung oder eine Erkrankung entwickeln? Was ist die Zukunftsvision für diesen Raum?“ Wer das früh klärt, trifft nachhaltigere Entscheidungen und erspart sich teure Nachbesserungen.
Im Trend: Die Badewanne muss raus
Der Trend geht klar in Richtung bodenebene Dusche: Diese barrierefreien Sanierungen beginnen heute erfreulicherweise bereits ab dem Alter von ca. 55 Jahren – eine Beobachtung, die beide Experten teilen. Erdogan Demirci: „Oft wird die Badewanne auch schon im jüngeren Alter durch eine großzügige, barrierefreie Dusche ersetzt.“
Teilbad-Sanierungen sind auf Wunsch minimal-invasiv möglich, diese dauern heute nur mehr 3 bis 4 Tage. Bedeutet: Das Abschlagen der Fliesen und die neue Verfliesung fallen weg. Das gelingt durch großformatige Rückwandplatten und Paneele, die in vielen Farben und Dekors verfügbar sind. Diese sind durch die fehlenden Verfugungen auch sehr einfach zu pflegen und zu reinigen, da sich dort ja gerne Seifenreste ablagern. Es gibt sie mit unterschiedlichen Oberflächen – auch wasserabweisend. Demirci hebt noch einen Vorteil hervor: „Mit dieser Sanierungsform erspart man sich eine Menge Lärm und Bauarbeiten im Badezimmer.“
Die bodenebene Mineralguss-Duschtasse ist laut Demirci die aktuell meistnachgefragte Lösung. Sie ermöglicht ein sicheres Einsteigen ohne Stufe oder Schwelle, bietet ausreichend Platz für einen Duschhocker oder Rollator, und ermöglicht bei Bedarf auch Platz für die Begleitung durch pflegende Angehörige oder professionelle PflegerInnen. Diese ebenen Duschtassen sind schnell zu reinigen und im besten Fall rutschfest ausgerüstet (Anti-Slip-Beschichtung). Sie sind auch maßgefertigt möglich, denn die Tassen sind individuell zuschneidbar.
Die Türsysteme: Von vorhandenem Platz abhängig
Die Wahl des richtigen Türsystems hängt vor allem von einem ab: Dem verfügbaren Platz. Und gerade beim altersgerechten Umbau ist das oft die entscheidende Frage.
Ist genügend Platz vorhanden, sind Walk-In Duschabtrennungen möglich. Sie können heute mit unauffälligen, glasbündigen Scharnieren und rahmenloser Wandanbindung fast wie schwebend in ein Bad eingebaut werden. Sie sind völlig barrierefrei und bei einem genügend großen Bad eine gute Wahl. Eine Drehtür lässt sich nur nach außen öffnen, braucht dafür auch ein großes Bad. Dafür bietet sie einen besonders breiten, komfortablen Einstieg. Eine Pendeltür lässt sich nach außen und innen öffnen, sie kann im Notfall also auch von außen problemlos geöffnet werden.
Schiebetüren sind zwar platzsparend, das sie keinen Schwenkraum brauchen. Allerdings ist die Einstiegsbreite meist geringer, und die Führungsschienen (Achtung – Hürde!) sind intensiver in der Reinigung. Die Falttür ist für kleine Bäder gut geeignet und klappt wie eine Ziehharmonika zusammen. Dadurch bietet sie trotz minimalem Platzbedarf eine breite Einstiegsöffnung. Sie ist eine gute Alternative, wenn Rollator oder Rollstuhl ins Spiel kommen. Drehfalttüren wiederum kombinieren das Beste aus Falttür und Drehtür: Sie lassen sich vollständig zur Seite klappen und geben den gesamten Duschbereich frei. Wenn pflegende Angehörige mithelfen müssen, ist das – neben der Walk In-Abtrennung – eine der stärksten Lösungen für ein altersgerechtes Bad.
Diese Drehfalttüren gibt es auch in Großformat: Diese stammen ursprünglich aus der Hotellerie und dem Klinikbereich, werden aber heute auch im privaten altersgerechten Bad immer mehr gefragt. „Wir können bis zu 1,40 Meter lange Türteile bauen – das sind schon sehr große Dimensionen in diesem Segment“, erklärt Ettl. In Krankenhäusern kommen auch horizontal teilbare Duschkabinen zum Einsatz, schildert Niklas Ettl: „Ich kann PatientInnen mit dem Rollstuhl in die Dusche hineinfahren, schließe dann nur den unteren Teil der Kabine – und habe oben den Raum völlig frei für die Pflegeperson, die den Menschen abduschen und reinigen soll. Das gibt beiden die Würde und den Platz, die sie brauchen.“
Ein Hinweis zum Schließsystem: Wer eine flache Duschtasse oder eine bodengleiche Dusche plant, sollte auf den sogenannten Hebe-Senk-Mechanismus achten. Die Tür hebt sich beim Öffnen leicht an, schleift nicht auf dem Boden und schließt beim Zuziehen besonders dicht ab.
Wenn man nicht auf die Badewanne verzichten will
Nicht alle möchten auf ein Vollbad verzichten. Das Baden hat für viele Menschen einen ganz eigenen Stellenwert: Es ist Erholung, liebgewonnenes Ritual und mit Wohlgefühl verbunden. Und auch hier gibt es smarte Lösungen, die Komfort und Sicherheit verbinden. Erdogan Demirci beschreibt die Herausforderung: „Das Problem bei der herkömmlichen Badewanne ist die kniehohe Barriere.“ Ohne Badewannen-Tür führt das zu gefährlichen Kompromissen: Man dreht sich beim Einsteigen auf rutschigem Untergrund, hält sich irgendwo fest, verliert das Gleichgewicht.
Die Lösung von H.S.K. heißt „Dobla“. „Mit ihr erreiche ich eine sehr geringe Einstiegshöhe in Kombination mit einer magnetischen Tür, die sich sehr einfach öffnen lässt“, erklärt Demirci. Die Wanne verfügt über keine Riegel oder elektrische Funktionen. Sie ist dadurch gerade für ältere Menschen sehr einfach zu bedienen: Die Tür haftet magnetisch an der Innenwand der Wanne und hat zusätzlich einen Überlaufschutz – so kann beim Duschen nichts passieren.
Duscholux bietet mit der Step-in Pure eine ähnliche Philosophie an. Niklas Ettl beschreibt das Konzept: „Wir haben den Türteil bewusst so konzipiert, dass man ihn komplett herausnehmen und in eine Parkposition an der Badewanne einhängen kann.“ Wer also öfter duscht als badet, hängt die Tür einfach aus. Der Reinigungsaufwand sinkt, die Nutzung bleibt flexibel. Weiters verfügt das System über zwei Ablaufsysteme: Einem klassischen Ablauf, der verschließbar ist, und einen Sicherheitsablauf, der nur dann schließt, wenn das Türelement korrekt eingehängt ist.
Die Lösungen haben alle eine kleine Stufe (10-15 cm) beim Einstieg – sie ist jedoch deutlich kleiner als bei einer klassischen Badewanne. „Wir können die Lösung auch ein wenig in den Boden versenken. Man muss sich die Situation vor Ort aber genau ansehen und mit den KundInnen diskutieren, was noch umsetzbar ist. Sonst beraten wir klar in Richtung barrierefreie Dusche“, sagt Ettl.
Materialien, die das Leben (und Putzen) leichter machen
Ein oft unterschätzter Aspekt beim altersgerechten Bad: Die Wahl der richtigen Oberflächen und Materialien. Denn weniger Fugen bedeutet weniger Reinigungsaufwand – und das zählt im Alter, wenn Energie und Kraft begrenzt sind. Beim Glas selbst bieten die Hersteller spezielle Versiegelungen an, die Kalkanhaftung verhindern. Ettl beschreibt, wie die Beschichtungen funktionieren: „Unter dem Mikroskop sehen Sie beim Glas eine sehr unregelmäßige Oberfläche. Genau dort haftet der Kalk an. Mit den Beschichtungen wird diese Oberfläche glatter, wodurch der Kalk weniger Fläche hat, sich festzuhalten.“
Demirci fügt hinzu: „Das Glas wird bei unserem Twin-Seal-Verfahren zweimal versiegelt, wodurch eine Art Lotuseffekt entsteht. Das Wasser zieht sich zu Tropfen zusammen und läuft ab, anstatt auf dem Glas stehenzubleiben und beim Trocknen Kalkränder zu hinterlassen. Das ist für KundInnen, die das Glas vor Kalk-Korrosion schützen, aber nicht jeden Tag putzen oder mit einem Wischer abziehen wollen.“
Duscholux wiederum setzt auf die CareTecPro-Beschichtung: „Wir sind der einzige Hersteller, dessen Glasbeschichtung mit einem Microfaserputztuch gereinigt werden kann“, sagt Ettl und erklärt warum das wichtig ist: „Viele putzen mit Mikrofasertüchern und zerstören damit die Beschichtung und Versiegelungen, ohne es zu wissen. Solange Sie unser System nicht mit einem Drahtschwamm putzen, bleibt die Versiegelung bestehen.“
Haltegriffe: Das unterschätzte Thema
Einer der wichtigsten und gleichzeitig am häufigsten unterschätzten Aspekte bei der Badsanierung: Haltegriffe. Wer sie selbst noch nicht braucht, denkt selten daran. Wer sie braucht, weiß sofort, wie entscheidend sie sind. Niklas Ettl spricht aus eigener, privater Erfahrung: „Man unterschätzt deren Wirkung, wenn man diese Hilfen selbst noch nicht braucht. Aber wenn man einmal sieht, wie schwer es Menschen fällt, aufzustehen oder sicher selbständig durch das Bad zu gehen – dann muss man das Thema Sicherheit ernst nehmen.“
Er empfiehlt: „Gute Haltegriffe, die auch das Gewicht tragen können, wenn sich jemand aus der Badewanne hochziehen möchte – das gibt wirklich sehr viel Sicherheit.“ Dabei betont er, auf qualitativ hochwertige Produkte zu achten, etwa von Herstellern wie Hewi oder Keuco. Es gibt auch kombinierte Lösungen, also Haltegriff und Handbrause-Funktion in einem.
Ein praktischer Tipp, den beide Experten hervorheben: Haltegriffe müssen in einer verstärkten Wand verankert sein. „Wer einen Haltegriff braucht, sollte ihn nicht einfach in eine Gipskartonwand schrauben. Die Wand dahinter muss dafür verstärkt sein. Das muss man beim Sanieren vorausschauend bedenken“, betont Demirci. Das bedeutet: Selbst wenn man heute noch keinen Haltegriff braucht, ist es klug, bei der Sanierung bereits die Wände entsprechend zu verstärken. Der Aufwand ist minimal – der spätere Nutzen enorm.
Früh planen – und gerade bei Förderungen auf das Kleingedruckte achten
Eine der wichtigsten Botschaften, die beide Experten vermitteln: Je früher man über altersgerechtes Sanieren nachdenkt, desto besser. Nicht erst, wenn der Bedarf akut ist – sondern idealerweise bei der nächsten ohnehin geplanten Badsanierung. Denn nachgelagerte Sanierungen und Umbauten kosten immer mehr als Lösungen, die von Anfang an mitgedacht werden.
Gerade für ein altersgerechtes Bad ist das individuelle Anpassen an die Bedürfnisse wichtig. „Es ist immer wichtig, so früh wie möglich im Projekt die Kommunikation intensiv aufzunehmen: Welche Herausforderungen sind für das Heute, welche für die Zukunft zu lösen?“, sagt Ettl. Und Demirci ergänzt: „Gerade wenn Sie Förderungen in Anspruch nehmen, sollten Sie auf die Kompetenz des Fachhandwerks setzen.“ Denn sobald Förderungen beantragt werden sollen, reicht guter Wille oft nicht aus: Häufig ist das Einhalten bestimmter Normen und technischer Vorgaben Voraussetzung – in Österreich etwa der ÖNORM B 1600, in Deutschland vergleichbare Regelwerke und Förderkriterien.
Gute Beratung durch qualifizierte Fachbetriebe hilft daher nicht nur bei der praktischen Umsetzung, sondern auch dabei, relevante Anforderungen von Anfang an korrekt zu berücksichtigen. Wer die richtigen Parameter einhält, erhöht die Chance, Förderungen nutzen zu können – und kann die finanzielle Belastung einer Investition spürbar reduzieren.
Vielen Dank für die Interviews!
Niklas Ettl ist Vertriebsleiter Projektgeschäft bei Duscholux. Mehr Informationen unter duscholux.com
Erdogan Demirci ist seit über 25 Jahren bei H.S.K. Duschkabinenbau tätig. Mehr Informationen unter hsk.de
Author: Anja Herberth
Chefredakteurin












